Grinsekatze geht ins Netz

Jüngere Männer? Niemals! (Wofür gibt es schließlich Prinzipien? – Zum Überbordwerfen, genau!)

Sich selbst und seine Grundsätze immer mal wieder in Frage zu stellen, ist ja eine gute Sache. Meistens wenigstens. Nicht, dass es so wahnsinnig viele Grundsätze in meinem Leben gäbe – in den meisten Bereichen bin ich durchaus offen für Neues (und wenn auch manchmal nur, weil mir bisher einfach noch kein Standpunkt überzeugend genug war, um ihn gegen Anfeindungen zu verteidigen). Auch was Männer angeht, eigentlich: Ich haben keinen bevorzugten Typ oder so was. Die Männer, die mir bisher so gefallen haben, sahen alle sehr unterschiedlich aus und auch ihre Persönlichkeiten waren ganz verschieden.

 
Ein verbindendes Merkmal gab es: Die Männer, die mir gefielen, waren fast alle erheblich älter als ich. Von Anfang an übrigens: Meinen ersten Crush hatte ich – mit zwölf Jahren – für meinen Deutschlehrer. Es folgten weitere Lehrer, ein Opernsänger, ein Jurist, ein Taxifahrer. Alle älter als ich. Ein Filmschauspieler, der sogar schon tot war (ja, ich war ein merkwürdiges Kind!). Ein einziger Gleichaltriger kurz dazwischen, ein Kollege vom Theater, der aber dann doch lieber schwul wurde. Meine bisher längste Beziehung (wenn man sie so nennen will): mit einem über zwanzig Jahre älteren Mann.
 
Jüngere und gleichaltrige Jungs bzw. Männer wollten nie was von mir – und ich nichts von ihnen. Daran hatte sich auch nach über dreißig Jahren im mehr oder weniger geschlechtsreifen Zustand für mich nichts geändert: Manche Tatsachen sind eben einfach feststehende Tatsachen.
 
Ich war ein dicker, witziger, kreativer, unerschrockener und durchaus beliebter Teenager. Eigentlich dekorativ, aber definitiv anders als alle anderen Mädchen. Ich konnte fast alles, nur nicht in der Menge untergehen. In einer feindlichen Natur, in der Lebewesen sich zum Überleben anpassen müssen, wäre ich schneller ausgestorben gewesen als ein Säbelzahntiger im Salatbeet. Das Prinzip “Wer sich anpassen kann, hat es gelegentlich leichter! ” fand in meinem Leben keine Anwendung. Schüchtern und extrovertiert – eine tödliche Mischung. Jungs betrachteten mich mit einer Mischung aus Bewunderung und Panik, aber ganz sicher nicht als potentielle Beute. Niemals. Nicht, dass ich was von diesen kleinen pickligen Kerlchen gewollt hätte… ich wollte einen erwachsenen Mann, der keine Angst vor mir hatte.
 
Als ich mit dem Online-Dating anfing, hatte sich an dieser Einstellung noch nicht viel geändert. Gut, die Stimme der Vernunft gab zu bedenken, dass für eine Frau von 45 Jahren ein zwanzig Jahre älterer Mann wohl keine gute Idee mehr sei – und wurde erhört. In meiner Suchmaske gab ich also 45 bis 55 Jahre ein; Männer dieser Altersgruppe waren im Joyclub reichlich angemeldet, wie eine kleine Feldstudie ergab. Und sie schrieben mich auch an, zum Glück, denn ich war ja bekanntlich noch nicht mutig genug, um selbst aktiv zu werden. Ich ließ mich lieber finden, überwiegend tatsächlich von den Männern der von mir gewählten Zielgruppe. Die zwei oder drei jüngeren Männer, die mir interessierte Nachrichten schrieben, hielt ich mehr oder weniger für Irrläufer, mit denen ich mich auf keinen ausführlichen Austausch einlassen wollte oder musste.
 
Weil ich anfing, alles über das Thema Online-Dating zu lesen, stolperte ich dann im Netz über einen Artikel, der sich mit den Schwierigkeiten von Frauen über 40, einen neuen Partner zu finden, befasste. Sehr überrascht las ich, dass wir, die Ü-40-Frauen, als schwer vermittelbar gelten (wie z. B. auch Männer, die kleiner als 1,65 Meter sind!). Das war mir noch gar nicht so aufgefallen… wurde in dem Artikel aber als Fakt gehandelt: Frauen zwischen 30 und 40 haben noch reichliche Auswahl und Frauen ab… äh… nun, dem Punkt, wo sie keine Bedenken mehr haben, sich auf einer Senioren-Seite anzumelden, auch. Dazwischen… na ja, das könnte schwierig werden. Bringen Sie viel Geduld mit und schrauben Sie Ihre Ansprüche herunter.
 
Genau das wollen Frauen ab 40 nicht hören: Wir haben keine Zeit mehr, geduldig zu warten: Wer weiß denn, wann die Wechseljahre zuschlagen und was sie mit uns und aus uns machen? Und unsere Ansprüche herunterschrauben… jetzt, wo wir uns endlich soweit sortiert und eingerichtet haben, dass wir das Leben genießen können? Wo wir uns mühsam an den Punkt vorgearbeitet haben, an dem wir einen Mann in unserem Leben nicht mehr unbedingt brauchen (weil wir uns ohne ihn nicht vollwertig fühlen), sondern ihn uns nur wünschen (weil manche Sachen mit einem Mann einfach mehr Spaß machen als mit einem Hund, der besten Freundin oder einem Vibrator)? Da wollen wir doch nicht unsere Ansprüche herunterschrauben und uns mit irgendeinem Typen zufriedengeben, der seinerseits nichts Besseres kriegen kann. Nicht mein Ansatz, wirklich nicht.
 
Ein anderer Artikel riet der Ü-40-Problemgruppe ganz fröhlich, den eigenen Horizont zu erweitern und offener zu sein für die Männer, die auf den ersten Blick nicht ins Beuteschema passen. Aha. Und das wären welche Männer?
 
Kurze Analyse der vorhandenen Bestände und des sich daraus ergebenden Bedarfs:
• Junge Frauen suchen im Allgemeinen junge Männer, die keine Angst vor Frauen haben, die eine Beziehung suchen und vermutlich früher oder später eine Familie gründen möchten.
• Ältere Frauen suchen im Allgemeinen gleichaltrige oder geringfügig ältere Männer, die nach Möglichkeit gut in Form, ungebunden, (finanziell) unabhängig, attraktiv und beziehungsfähig sein sollen.
• Junge Männer suchen im Allgemeinen junge Frauen. Der Wunsch nach einer festen Beziehung und Familiengründung ist bei den meisten Exemplaren häufig noch nicht so ausgeprägt wie bei den gleichaltrigen Frauen, aber doch zumindest latent vorhanden. Außer bei den jungen Männern, die – aus Gründen – eben das vermeiden wollen.
• Ältere Männer suchen im Allgemeinen… junge Frauen. Oft haben sie eine Beziehung mit einer gleichaltrigen Frau hinter sich – und möchten jetzt etwas anderes. Die Tatsache, dass jüngere Frauen mit Familienwunsch sich für sie interessieren, schmeichelt durchaus ihrer Eitel- und Männlichkeit. Da es genügend junge Frauen gibt, die für den Charme eines reiferen Mannes anfällig sind, haben zumindest die attraktiven und finanziell unabhängigen Herren auch reichlich Auswahl.
Und – wer hat’s bemerkt? Genau: Die Interessen der jungen und der älteren Frauen überschneiden sich an dieser Stelle.
 
Wer ist also noch nicht vermittelt? Natürlich: Die älteren Frauen. Wer noch? Richtig: Die jungen Männer, die bei den jungen Frauen nicht landen können (z. B. weil sie schon Kinder aus einer früheren Beziehung mitbringen, finanziell klamm oder zu ungeschickt und unerfahren im Umgang mit Frauen sind) oder wollen (z. B. weil ihnen gerade ihre eigene Karriere wichtiger als ist als die Selbstverwirklichung ihrer Partnerin und sie sich deshalb nicht dauerhaft binden wollen).
 
Gibt es Alternativen für die älteren Frauen? Sicher. Bestimmt einer von hundert reiferen Männern entscheidet sich bei der Frage, ob er lieber eine attraktive Mittdreißigerin oder eine nicht minder attraktive Mittvierzigerin will, für die ältere Frau. Mehr nicht? Doch, klar: Es bleibt noch eine (gar nicht mal so kleine) Gruppe von Männern, die – sterbenslangweilig, obwohl vielleicht auch erst 45 – bei einer Frau, die ihren neugierigen Blick über das Online-Profil schweifen lässt, nur eine Reaktion hervorruft: “Was willst du denn? Restpflege?” Diese Männer wollen wir mal außen vor lassen, okay?
 
Kommen wir zurück zu den beiden großen, noch nicht vermittelten Gruppen: Den jungen Männern ohne Familiengründungswunsch und den älteren Frauen (ebenfalls ohne Familiengründungswunsch; dieser ist entweder bereits verwirklicht oder mittlerweile abgehakt). Möglicherweise ist die Schnittmenge an Gemeinsamkeiten viel größer als gedacht. Lustigerweise scheinen die Männer dies eher zu realisieren (obwohl Frauen sicher viel mehr über diese Themen nachdenken): Nur wenige reifere Frauen schreiben aktiv jüngere Männer an; umgekehrt werden es täglich mehr junge Männer, die ihr Beuteschema erweitern und ihr Glück bei Frauen versuchen, die zehn oder fünfzehn Jahre älter sind als sie.
 
Es ist in der Grinsekatze nachzulesen: In meine erste Begegnung mit einem jüngeren Mann bin ich irgendwie so reingestolpert. Nummer 4 (der in die Gruppe der jungen Männer gehört, die keine Zeit für eine Beziehung haben) wollte nur spielen und ich hatte gerade nichts Besseres zu tun und habe mitgespielt. Dass sich daraus eine so große Geschichte entwickelt, war weder abzusehen noch geplant. Über den Altersunterschied haben wir nie gesprochen. Als ich letzten Sommer, des Ja-und-Nein-Spiels mit Nummer 4 vorübergehend müde, mal wieder Männerprofile durchforstete, war ich noch der festen Ansicht, dass dieser eine junge Mann ein Ausrutscher war und eine Ausnahme bleiben würde (dementsprechend wies ich die mich zwischendurch immer mal wieder anschreibenden jungen Männer ohne genauere Überprüfung ab).
 
Zu dieser Zeit überarbeitete ich auch meinen Profiltext im Joyclub: Mein Profil wurde weniger harmlos und sympathisch und dafür sehr viel frecher und herausfordernder. Entsprechend veränderten sich auch die Zuschriften bzw. die Männer, die mir schrieben. Plötzlich schienen das Gros der interessierten Männer nicht mehr in die Gruppe der Junggesellen zwischen 45 und 55 zu passen: Mindestens die Hälfte der Männer war jünger als ich und die meisten älteren Männer, die mir noch schrieben, gaben “Feste Beziehung” als Status an. Da ich gebundene Männer grundsätzlich aussortiere (das hatte ich vor meinen Online-Dating-Zeiten schon mal und brauche ich nicht wieder), blieben überwiegend jüngere Männer übrig, die meisten zwischen 35 und 40. Und mir wurde plötzlich klar, dass die auch schon erwachsen sind! Was für eine Erkenntnis – und was sagt die über mich??? (Memo an mich selbst: Diesen Gedanken besser nicht weiter verfolgen!)!
 
Die jüngeren Männer unterscheiden sich von den älteren Männern im Großen und Ganzen vor allem durch ihren Blick aufs Leben. Die, mit denen ich bisher zu tun hatte, sind alle recht erfolgreich in ihrem Beruf und scheinen auch sonst mit ihrem Leben ganz gut klarzukommen. Was mir an ihnen sehr angenehm auffällt: Sie sind nicht ständig auf der Suche nach Lob und Bestätigung, weder durch mich noch durch andere. Da sie an mir meistens meinen extrem feinsinnigen und geistreichen Humor schätzen (neben meinen optischen Vorzügen, versteht sich), lassen sie es sich gefallen, dass ich sie nicht immer ernst nehme und manchmal sogar ein bisschen verschaukele. Entsprechend verschaukeln sie mich dann auch, vor allem, wenn sie erst mal gemerkt haben, dass ich Frechheit durchaus zu schätzen weiß. Auf die Weise sind eigentlich die bisher ergiebigsten Mailwechsel entstanden – unabhängig davon, ob man sich dann später trifft oder nicht.
 
Natürlich schrieben und schreiben mir auch weiterhin die Männer aus meiner ursprünglichen Zielgruppe. Und ich überrasche mich selbst beim Lesen ihrer Zuschriften und ihrer Profile immer häufiger bei dem Gedanken: “Was willst du alter Knacker eigentlich von mir?” Dann gucke ich noch mal schnell auf die Altersangabe, denke “Ups, zwei Jahre jünger als ich! ” und trete mich innerlich in den Allerwertesten. Schreibe freundlich und ermutigend zurück und stelle immer mal wieder fest, dass auch Männer über 40 oder gar 45 noch ganz unterhaltsam sein können – auch wenn sie oft keine Lust auf lange Korrespondenz haben (was vielleicht auch daran liegt, dass sie zum Schreiben eigentlich eine Sekretärin brauchen) und sich stattdessen so schnell wie möglich treffen wollen.
 

Letztendlich sollte meine Devise wahrscheinlich lauten: Flexibel bleiben und offen für alles! Ich mag nun mal Männer, die (noch) nicht alles so ernst nehmen, die Freude an den Dingen haben, mit denen sie sich umgeben und die mit wachem Interesse und einer gesunden Neugier in die Zukunft schauen. Klagen wie “Früher war mehr Lametta!” und “Ich glaube, diese Schmerzen im Rücken sind jetzt chronisch!” lassen sich bei Twitter gut verwerten, sind aber im wirklichen Leben eher unsexy. Meine Meinung. Natürlich leide ich auch mal am Leben und jammere sowieso total gerne rum. Aber dafür habe ich doch Familie und Kollegen und nicht die Männer, die ich gerade erst kennen lerne und denen ich gefallen möchte. Ich hatte schon viel Spaß im Leben, mit oder ohne Männer. Ich brauche keinen Mann, um mich zu amüsieren, aber manche Sachen… ach, siehe oben! Ich bin 47 – alt und langweilig werde ich von ganz alleine. Aber bis es so weit ist, können ruhig noch ein paar Typen kommen und mich ein Stückchen auf meinem Weg begleiten, möglichst ohne mein Leben dadurch langweiliger zu machen. Wo das alles enden soll? Keine Ahnung. Hauptsache, es endet nicht zu schnell!

“Beziehungsstatus: Mit Vögeln kenn’ ich mich nicht so aus!” – (Warum ich auf einer “verruchten Erotik-Plattform” mehr Spaß habe als bei einem “harmlosen Flirt-Portal”)

Es kommt mittlerweile häufiger vor, dass Freunde und Bekannte sich mit mir über das Online-Dating unterhalten wollen. Darüber freue ich mich immer, denn ich amüsiere mich ja prächtig mit vielen Männern, die im Internet unterwegs sind, und tausche auch sehr gerne Erfahrungen zu diesem Themenkomplex aus. Hier kommt also mein persönlicher Vergleich verschiedener Dating-Portale (bzw. der erste Teil dieses ausufernden Vergleichs).

Die Erfahrungen meiner Gesprächspartner, vor allem der weiblichen, sind keineswegs immer so erfreulich sind wie meine. Viele berichten gar, dass sie sich nach einer kurzen Testphase bei einer Singlebörse entnervt wieder abgemeldet haben, weil entweder niemand oder nur nicht in Frage kommende Männer (die aber dafür in großer Anzahl) Interesse an ihnen angemeldet hatten. Inzwischen frage ich dann schon immer direkt: “Dann warst du sicher bei einer dieser grundsätzlich kostenlosen Singlebörsen, wo der Schwerpunkt angeblich auf Dating und Beziehung liegt, oder?“ und das trifft meistens sogar zu.
 
Es gibt mehrere sehr mitgliederreiche Dating-Plattformen, bei denen laut Anbieterangaben das Kontakteknüpfen im Vordergrund steht. Man kann sich ohne große Formalitäten und aufwendige Echtheitsprüfungen anmelden und dann sofort loslegen. Entweder mit dem liebevollen Ausfüllen seines Profils oder damit, andere Mitgliederprofile anzusehen und eventuell direkt Kontakte anzubahnen. Das tun viele, vor allem viele Männer, und im Eifer des Gefechts vergessen sie dann auch später gerne, ihr eigenes Profil etwas informativer zu gestalten. Die Frage, ob es Frauen gibt, die auf eine Zuschrift mit einem Text wie “Hallo du, ich finde dich attraktiv. Wollen wir uns mal treffen? Lg der Dings” von einem Mann ohne persönliche Angaben im Profil und ohne Foto, positiv reagieren, kann definitiv verneint werden. Das scheinen aber viele Männer nicht zu realisieren. Was nervt.
 
Noch mehr nerven tun die Typen, die eine Frau direkt nach der Anmeldung in einem dieser Foren anschreiben oder zum Chat einladen. Direkt nach der Anmeldung – damit meine ich: Bevor die Frau nur ein Wort in ihr Profil schreiben oder ein Bild hochladen konnte. Die Männer sehen also: Einen Benutzernamen, das Alter und den Wohnort. Wie persönlich geschmeichelt kann frau sich mit einer Zuschrift in diesem Moment fühlen? Genau. Von zwei oder drei Seiten habe ich mich aus diesem Grund mehr oder weniger direkt nach der Anmeldung wieder abgemeldet.
 
Vor etwas mehr als einem Jahr, als in mir der Entschluss herangereift war, es mit dem Online-Dating mal zu versuchen, habe ich mich nach einer kurzen Informations- und Testphase (es gibt verschiedene sehr nützliche unabhängige Vergleichsportale) nicht für eins dieser Dating-Portale entschieden, sondern für den Joyclub, eine Seite, die als Erotik-Portal kategorisiert wird. Und diese Entscheidung bisher in keiner Weise bereut.
 
Aus Gründen:

  • Für Frauen gibt es – ohne Altersgrenze, aber mit Echtheitsprüfung – eine kostenlose Mitgliedschaft, mit der man alle wichtigen Funktionen der Seite nutzen kann (für Männer leider nicht, die müssen zahlen, sobald sie aktiv werden möchten).
  • Das Design ist verhältnismäßig ansprechend in rot und schwarz gehalten – und es gibt keine lästigen Werbe-Popups, die sich bei jedem Klicken bemerkbar machen.
  • Es gibt einen kleinen Messenger, der gut funktioniert, und für das Mobiltelefon angepasste Seiten, so dass man die wesentlichen Funktionen der Seite auch von unterwegs nutzen kann.
  • Beim Ausfüllen des eigenen Profils gibt es relativ viele Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung – und viele Mitglieder nutzen das ganz kreativ, so dass es durchaus Spaß macht, fremde Profile anzuschauen.
  • Man kann innerhalb des Joyclubs Fotos als Mail-Anhang verschicken (auf Seiten, wo das nicht geht, muss man also für die Männer, die (warum auch immer) kein Foto im Profil haben und von denen man eins sehen möchte, also immer eine Pseudonym-E-Mail-Adresse bereithalten.
  • Es gibt einen gut funktionierenden Privatchat-Bereich, wahlweise mit oder ohne Kamera. Auch dafür muss man keine Kontaktdaten preisgeben.
  • Über den eigentlichen Dating-Bereich hinaus gibt es ein großes Forum und sehr viele Gruppen verschiedener “Interessengemeinschaften”, in denen man viele Informationen findet und auch ohne Stress Kontakte knüpfen kann.
  • Es ist nicht vorgeschrieben, dass man/frau auf seinen/ihren Profilfotos erkennbar sein muss: unkenntlich gemachte Gesichter, Teilfotos (z. B. von Füßen) etc. sind ausdrücklich erlaubt.

Dass der Joyclub von vorneherein einen klaren Schwerpunkt auf Erotik setzt (statt auf Partnerschaft und Dating wie die meisten Portale, die einen besseren Ruf haben), fand ich bei meiner Anmeldung nicht weiter schlimm – ich war ja schließlich nicht auf der Suche nach einem Brieffreund oder einer platonischen Beziehung. Die Möglichkeiten, in meinem Profil anzugeben, wonach ich suche (bzw. für was ich gerne gefunden werden möchte), erschienen mir vollkommen ausreichend. Man kann hier sowohl verschiedene Wünsche (so ziemlich alles zwischen Seelenfreund und Sex) anklicken als auch frei formulieren, was einem wichtig ist.
 
Das Schreiben meines ersten Profiltextes war eine aufregende Sache; die Frage “Wen will ich ansprechen und was muss ich dafür von mir mitteilen (und was lieber nicht?”) stellt man sich ja im Privatleben sonst nicht häufig! Noch lustiger war die Frage, was für Fotos ich hochlade! Die Fotos, für die ich mich entschied, musste ich erst machen, und zwar höchstpersönlich mit der Digicam und dem Selbstauslöser, den ich – lebenslang als wenig fotogen geltend – vorher noch nie benutzt hatte. Halbwegs taugliche Klamotten mit der richtigen Dosis Einblick fanden sich auch erst nach längerem Suchen in den Tiefen des Kleiderschranks. Einen ganzen Abend verbrachte ich damit, mich in Szene zu setzen und dabei verführerisch und nicht zu blöd bzw. billig auszusehen. Erstaunlicherweise waren diese ersten Fotos gar nicht so schlecht. Und die Aktion machte unheimlich Spaß! Schnell noch schwarze Balken vor die Augen montieren und hochladen.
 
Meine früher übrigens legendäre Schüchternheit gegenüber Männern hat sich im letzten Jahr weitgehend verloren; es würde mir jetzt keinen Stress mehr bereiten, von mir aus interessante Männer anzuschreiben (das muss ich bloß kaum noch, weil mir immer genug Männer zuerst schreiben, um mich beschäftigt zu halten!). Zu Beginn meiner Zeit beim Joyclub hätte ich mich das niemals getraut, damals hatte ich noch Angst vor Ablehnung und anderen Peinlichkeiten (völlig überflüssig, wie ich heute weiß – rund 95% der Männer sind zumindest dankbar und gerührt, wenn frau sie anschreibt, und selbst wenn sie nicht wirklich interessiert sind, werden sie auf eine freundliche Zuschrift, mit der eine Frau sich Mühe gegeben hat, mehr als freundlich reagieren).
 
Meinen Profiltext, meine persönlichen Angaben (nicht nur die zum Gewicht), meine Bilder und vor allem mein Motto ergänze und ändere ich regelmäßig. Mein Einstiegsmotto war “Wer immer um den heißen Brei herumredet, fällt selbst hinein!“, war zwischendurch lange “Alles muss, nichts kann! ” und ist jetzt im Allgemeinen von auf Twitter beliebten Formulierungen inspiriert (“Beziehungsstatus: Mimimi!”). Das Hochladen eines neuen hübschen Fotos wirkt bei einer eventuellen Flaute im Posteingang auch Wunder, denn neue Mitgliederfotos werden 24 Stunden lang auf der Startseite angezeigt – und ganz offensichtlich von vielen Mitgliedern regelmäßig angeschaut: Ein neues Bild bringt also immer reichlich neue Besucher auf das eigene Profil.
 
Am Rande bemerkt und um eventuellen Missverständnissen vorzubeugen: Meine Profilfotos sehen mir ähnlich. Sie sind alle von mir selbst mit einer einfachen Digicam und Selbstauslöser gemacht und nicht digital nachbearbeitet (außer mit dem Pornobalken über den Augen). Ich bin auf allen Fotos ziemlich angezogen und in erster Linie darum bemüht, authentisch und sympathisch auszusehen. Fast jugendfrei also. Und vielleicht ein bisschen sexy, aber eher in der Weise, die hoffentlich die männliche Fantasie anregt (und weniger in der Art, die männliche Fantasien befriedigt). Das funktioniert sehr gut und ich bekomme zahlreiche Komplimente – und viele Männer loben ausdrücklich die Tatsache, dass ich ihrer Vorstellungskraft genügend Freiraum lasse.
 
Für meinen Profiltext braucht ein Leser Freude an schrägem Humor und ein gutes Selbstbewusstsein. Die Tatsache, dass ich im Profiltext gerne mal Unsinn verbreite (“Gib mir Tiernamen, wenn es dich glücklich macht, aber nenn mich nicht klein! Oder gar nett! “), ohne diesen in irgendeiner Weise durch Emoticons oder Hinweise wie *grins* zu entschärfen, hat sicher schon viele potentielle Interessenten abgeschreckt. Was völlig in Ordnung ist. Man kann es Männern sicher leichter machen – aber warum sollte ich?
 
Es finden sich immer genug Mutige, die mich anschreiben, und viele von denen sind auch durchaus ganz coole Typen, die selbst sehr witzige Texte verfassen und über deren Interesse ich mich freue. Manchmal schreibt man sich dann eine Weile und trifft sich dann. Manchmal schreibt man sich eine Weile und trifft sich dann doch nicht. Manchmal schreibt man sich nur ganz kurz und trifft sich – oder auch nicht. Alles ist möglich und mit jedem neuen Verehrer werden die Karten neu gemischt. Und nur weil die Korrespondenz auf einer Erotik-Plattform stattfindet, befasst sie sich keinesfalls nur mit Sex und dem dringenden Wunsch nach selbigem (das kommt – wenigstens in meinem Posteingang – viel häufiger auf den angeblich harmloseren Dating-Seiten vor), sondern auch mit Essen, Katzen, Internet, Fußball und Tagespolitik (also im Grunde denselben Themen wie bei Twitter…).
 

Mein persönliches Fazit: Da die meisten Männer im Joyclub für ihre Mitgliedschaft bezahlen, geben sie sich definitiv mehr Mühe bei der Kontaktanbahnung als die Kollegen auf den Umsonst-Seiten (auch wenn sie berechtigtermaßen über diese Ungleichbehandlung jammern). Ich würde mal schätzen, dass über die Hälfte der Zuschriften, die ich bekomme, zumindest so seriös ausfällt, dass ich sie gerne beantworte. Das scheint mir eine sehr gute Quote zu sein; auf den anderen Seiten, die ich probiert habe, liegt sie allenfalls bei 10 %, eher niedriger (wahlweise sehr viel niedriger). Ich bekomme nicht mehr Zuschriften, als ich beantworten kann (pro Tag so drei bis fünf Erstzuschriften, würde ich sagen, dazu natürlich noch die Mails von den Männern, denen ich schon mal geantwortet habe). Viele grundsätzlich aktive Mitglieder sind mindestens einmal täglich online; trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass einen eigentlich nie jemand drängelt, wenn man sich mal mit einer Antwort länger als 24 Stunden Zeit lässt. Was auch nicht überall selbstverständlich ist und einiges über den allgemeinen Umgangston und die Atmosphäre im Joyclub aussagt. Meine Erfolgsquote mit den im Joyclub geknüpften Kontakten, finde ich, spricht auch durchaus für sich: Etwa die Hälfte der Männer, mit denen ich mehr als zehn Mails getauscht hatte, habe ich mindestens einmal im sogenannten wirklichen Leben getroffen. Und von diesen Treffen – unabhängig ob dabei dann was rum- und rauskam – habe ich definitiv noch keins bereut.

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