Grinsekatze geht ins Netz

„Beziehungsstatus: Mit Vögeln kenn‘ ich mich nicht so aus!“ – (Warum ich auf einer „verruchten Erotik-Plattform“ mehr Spaß habe als bei einem „harmlosen Flirt-Portal“)

Es kommt mittlerweile häufiger vor, dass Freunde und Bekannte sich mit mir über das Online-Dating unterhalten wollen. Darüber freue ich mich immer, denn ich amüsiere mich ja prächtig mit vielen Männern, die im Internet unterwegs sind, und tausche auch sehr gerne Erfahrungen zu diesem Themenkomplex aus. Hier kommt also mein persönlicher Vergleich verschiedener Dating-Portale (bzw. der erste Teil dieses ausufernden Vergleichs).

Die Erfahrungen meiner Gesprächspartner, vor allem der weiblichen, sind keineswegs immer so erfreulich sind wie meine. Viele berichten gar, dass sie sich nach einer kurzen Testphase bei einer Singlebörse entnervt wieder abgemeldet haben, weil entweder niemand oder nur nicht in Frage kommende Männer (die aber dafür in großer Anzahl) Interesse an ihnen angemeldet hatten. Inzwischen frage ich dann schon immer direkt: „Dann warst du sicher bei einer dieser grundsätzlich kostenlosen Singlebörsen, wo der Schwerpunkt angeblich auf Dating und Beziehung liegt, oder?“ und das trifft meistens sogar zu.
 
Es gibt mehrere sehr mitgliederreiche Dating-Plattformen, bei denen laut Anbieterangaben das Kontakteknüpfen im Vordergrund steht. Man kann sich ohne große Formalitäten und aufwendige Echtheitsprüfungen anmelden und dann sofort loslegen. Entweder mit dem liebevollen Ausfüllen seines Profils oder damit, andere Mitgliederprofile anzusehen und eventuell direkt Kontakte anzubahnen. Das tun viele, vor allem viele Männer, und im Eifer des Gefechts vergessen sie dann auch später gerne, ihr eigenes Profil etwas informativer zu gestalten. Die Frage, ob es Frauen gibt, die auf eine Zuschrift mit einem Text wie „Hallo du, ich finde dich attraktiv. Wollen wir uns mal treffen? Lg der Dings“ von einem Mann ohne persönliche Angaben im Profil und ohne Foto, positiv reagieren, kann definitiv verneint werden. Das scheinen aber viele Männer nicht zu realisieren. Was nervt.
 
Noch mehr nerven tun die Typen, die eine Frau direkt nach der Anmeldung in einem dieser Foren anschreiben oder zum Chat einladen. Direkt nach der Anmeldung – damit meine ich: Bevor die Frau nur ein Wort in ihr Profil schreiben oder ein Bild hochladen konnte. Die Männer sehen also: Einen Benutzernamen, das Alter und den Wohnort. Wie persönlich geschmeichelt kann frau sich mit einer Zuschrift in diesem Moment fühlen? Genau. Von zwei oder drei Seiten habe ich mich aus diesem Grund mehr oder weniger direkt nach der Anmeldung wieder abgemeldet.
 
Vor etwas mehr als einem Jahr, als in mir der Entschluss herangereift war, es mit dem Online-Dating mal zu versuchen, habe ich mich nach einer kurzen Informations- und Testphase (es gibt verschiedene sehr nützliche unabhängige Vergleichsportale) nicht für eins dieser Dating-Portale entschieden, sondern für den Joyclub, eine Seite, die als Erotik-Portal kategorisiert wird. Und diese Entscheidung bisher in keiner Weise bereut.
 
Aus Gründen:

  • Für Frauen gibt es – ohne Altersgrenze, aber mit Echtheitsprüfung – eine kostenlose Mitgliedschaft, mit der man alle wichtigen Funktionen der Seite nutzen kann (für Männer leider nicht, die müssen zahlen, sobald sie aktiv werden möchten).
  • Das Design ist verhältnismäßig ansprechend in rot und schwarz gehalten – und es gibt keine lästigen Werbe-Popups, die sich bei jedem Klicken bemerkbar machen.
  • Es gibt einen kleinen Messenger, der gut funktioniert, und für das Mobiltelefon angepasste Seiten, so dass man die wesentlichen Funktionen der Seite auch von unterwegs nutzen kann.
  • Beim Ausfüllen des eigenen Profils gibt es relativ viele Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung – und viele Mitglieder nutzen das ganz kreativ, so dass es durchaus Spaß macht, fremde Profile anzuschauen.
  • Man kann innerhalb des Joyclubs Fotos als Mail-Anhang verschicken (auf Seiten, wo das nicht geht, muss man also für die Männer, die (warum auch immer) kein Foto im Profil haben und von denen man eins sehen möchte, also immer eine Pseudonym-E-Mail-Adresse bereithalten.
  • Es gibt einen gut funktionierenden Privatchat-Bereich, wahlweise mit oder ohne Kamera. Auch dafür muss man keine Kontaktdaten preisgeben.
  • Über den eigentlichen Dating-Bereich hinaus gibt es ein großes Forum und sehr viele Gruppen verschiedener „Interessengemeinschaften“, in denen man viele Informationen findet und auch ohne Stress Kontakte knüpfen kann.
  • Es ist nicht vorgeschrieben, dass man/frau auf seinen/ihren Profilfotos erkennbar sein muss: unkenntlich gemachte Gesichter, Teilfotos (z. B. von Füßen) etc. sind ausdrücklich erlaubt.

Dass der Joyclub von vorneherein einen klaren Schwerpunkt auf Erotik setzt (statt auf Partnerschaft und Dating wie die meisten Portale, die einen besseren Ruf haben), fand ich bei meiner Anmeldung nicht weiter schlimm – ich war ja schließlich nicht auf der Suche nach einem Brieffreund oder einer platonischen Beziehung. Die Möglichkeiten, in meinem Profil anzugeben, wonach ich suche (bzw. für was ich gerne gefunden werden möchte), erschienen mir vollkommen ausreichend. Man kann hier sowohl verschiedene Wünsche (so ziemlich alles zwischen Seelenfreund und Sex) anklicken als auch frei formulieren, was einem wichtig ist.
 
Das Schreiben meines ersten Profiltextes war eine aufregende Sache; die Frage „Wen will ich ansprechen und was muss ich dafür von mir mitteilen (und was lieber nicht?“) stellt man sich ja im Privatleben sonst nicht häufig! Noch lustiger war die Frage, was für Fotos ich hochlade! Die Fotos, für die ich mich entschied, musste ich erst machen, und zwar höchstpersönlich mit der Digicam und dem Selbstauslöser, den ich – lebenslang als wenig fotogen geltend – vorher noch nie benutzt hatte. Halbwegs taugliche Klamotten mit der richtigen Dosis Einblick fanden sich auch erst nach längerem Suchen in den Tiefen des Kleiderschranks. Einen ganzen Abend verbrachte ich damit, mich in Szene zu setzen und dabei verführerisch und nicht zu blöd bzw. billig auszusehen. Erstaunlicherweise waren diese ersten Fotos gar nicht so schlecht. Und die Aktion machte unheimlich Spaß! Schnell noch schwarze Balken vor die Augen montieren und hochladen.
 
Meine früher übrigens legendäre Schüchternheit gegenüber Männern hat sich im letzten Jahr weitgehend verloren; es würde mir jetzt keinen Stress mehr bereiten, von mir aus interessante Männer anzuschreiben (das muss ich bloß kaum noch, weil mir immer genug Männer zuerst schreiben, um mich beschäftigt zu halten!). Zu Beginn meiner Zeit beim Joyclub hätte ich mich das niemals getraut, damals hatte ich noch Angst vor Ablehnung und anderen Peinlichkeiten (völlig überflüssig, wie ich heute weiß – rund 95% der Männer sind zumindest dankbar und gerührt, wenn frau sie anschreibt, und selbst wenn sie nicht wirklich interessiert sind, werden sie auf eine freundliche Zuschrift, mit der eine Frau sich Mühe gegeben hat, mehr als freundlich reagieren).
 
Meinen Profiltext, meine persönlichen Angaben (nicht nur die zum Gewicht), meine Bilder und vor allem mein Motto ergänze und ändere ich regelmäßig. Mein Einstiegsmotto war „Wer immer um den heißen Brei herumredet, fällt selbst hinein!“, war zwischendurch lange „Alles muss, nichts kann! “ und ist jetzt im Allgemeinen von auf Twitter beliebten Formulierungen inspiriert („Beziehungsstatus: Mimimi!“). Das Hochladen eines neuen hübschen Fotos wirkt bei einer eventuellen Flaute im Posteingang auch Wunder, denn neue Mitgliederfotos werden 24 Stunden lang auf der Startseite angezeigt – und ganz offensichtlich von vielen Mitgliedern regelmäßig angeschaut: Ein neues Bild bringt also immer reichlich neue Besucher auf das eigene Profil.
 
Am Rande bemerkt und um eventuellen Missverständnissen vorzubeugen: Meine Profilfotos sehen mir ähnlich. Sie sind alle von mir selbst mit einer einfachen Digicam und Selbstauslöser gemacht und nicht digital nachbearbeitet (außer mit dem Pornobalken über den Augen). Ich bin auf allen Fotos ziemlich angezogen und in erster Linie darum bemüht, authentisch und sympathisch auszusehen. Fast jugendfrei also. Und vielleicht ein bisschen sexy, aber eher in der Weise, die hoffentlich die männliche Fantasie anregt (und weniger in der Art, die männliche Fantasien befriedigt). Das funktioniert sehr gut und ich bekomme zahlreiche Komplimente – und viele Männer loben ausdrücklich die Tatsache, dass ich ihrer Vorstellungskraft genügend Freiraum lasse.
 
Für meinen Profiltext braucht ein Leser Freude an schrägem Humor und ein gutes Selbstbewusstsein. Die Tatsache, dass ich im Profiltext gerne mal Unsinn verbreite („Gib mir Tiernamen, wenn es dich glücklich macht, aber nenn mich nicht klein! Oder gar nett! „), ohne diesen in irgendeiner Weise durch Emoticons oder Hinweise wie *grins* zu entschärfen, hat sicher schon viele potentielle Interessenten abgeschreckt. Was völlig in Ordnung ist. Man kann es Männern sicher leichter machen – aber warum sollte ich?
 
Es finden sich immer genug Mutige, die mich anschreiben, und viele von denen sind auch durchaus ganz coole Typen, die selbst sehr witzige Texte verfassen und über deren Interesse ich mich freue. Manchmal schreibt man sich dann eine Weile und trifft sich dann. Manchmal schreibt man sich eine Weile und trifft sich dann doch nicht. Manchmal schreibt man sich nur ganz kurz und trifft sich – oder auch nicht. Alles ist möglich und mit jedem neuen Verehrer werden die Karten neu gemischt. Und nur weil die Korrespondenz auf einer Erotik-Plattform stattfindet, befasst sie sich keinesfalls nur mit Sex und dem dringenden Wunsch nach selbigem (das kommt – wenigstens in meinem Posteingang – viel häufiger auf den angeblich harmloseren Dating-Seiten vor), sondern auch mit Essen, Katzen, Internet, Fußball und Tagespolitik (also im Grunde denselben Themen wie bei Twitter…).
 

Mein persönliches Fazit: Da die meisten Männer im Joyclub für ihre Mitgliedschaft bezahlen, geben sie sich definitiv mehr Mühe bei der Kontaktanbahnung als die Kollegen auf den Umsonst-Seiten (auch wenn sie berechtigtermaßen über diese Ungleichbehandlung jammern). Ich würde mal schätzen, dass über die Hälfte der Zuschriften, die ich bekomme, zumindest so seriös ausfällt, dass ich sie gerne beantworte. Das scheint mir eine sehr gute Quote zu sein; auf den anderen Seiten, die ich probiert habe, liegt sie allenfalls bei 10 %, eher niedriger (wahlweise sehr viel niedriger). Ich bekomme nicht mehr Zuschriften, als ich beantworten kann (pro Tag so drei bis fünf Erstzuschriften, würde ich sagen, dazu natürlich noch die Mails von den Männern, denen ich schon mal geantwortet habe). Viele grundsätzlich aktive Mitglieder sind mindestens einmal täglich online; trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass einen eigentlich nie jemand drängelt, wenn man sich mal mit einer Antwort länger als 24 Stunden Zeit lässt. Was auch nicht überall selbstverständlich ist und einiges über den allgemeinen Umgangston und die Atmosphäre im Joyclub aussagt. Meine Erfolgsquote mit den im Joyclub geknüpften Kontakten, finde ich, spricht auch durchaus für sich: Etwa die Hälfte der Männer, mit denen ich mehr als zehn Mails getauscht hatte, habe ich mindestens einmal im sogenannten wirklichen Leben getroffen. Und von diesen Treffen – unabhängig ob dabei dann was rum- und rauskam – habe ich definitiv noch keins bereut.

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