Grinsekatze geht ins Netz

Dating sollte wie Fußball sein. Oder wie Twitter. Auf jeden Fall mit Katzen, Eisbären und Wollmäusen.

Jetzt sind schon vier von meinen sechs Urlaubswochen rum. Wahnsinn. Eigentlich habe ich mich von Anfang an entspannt und erholt gefühlt – und mich nur gelegentlich ein bisschen gewundert, dass ich so viel schlafen und essen muss und irgendwie nichts geregelt kriege. Von meiner To-Do-Liste mit zehn Hauptanliegen habe ich etwa zweidreiviertel Punkte abgearbeitet. Das ist nicht gerade die beste aller möglichen Ausbeuten. Weder habe ich bei schönem Wetter spontan schöne Ausflüge gemacht, noch bei schlechtem Wetter endlich den Keller aufgeräumt. Ich war zwar zweimal bei Ikea, habe aber die Hälfte der notwendigen Kleinigkeiten vergessen – weil ich es nicht geschafft habe, mir einen Einkaufszettel zu schreiben…

Apropos schreiben… auch da fehlt mir im Moment sowas von der nötige Drang. Schrecklich: Ich habe so viele gute Sachen im Kopf, fürs Blog und auch für eine längere Geschichte, aber ich bin einfach zu unkonzentriert und zu lahm, um auch nur halbwegs in Gang zu kommen.

Zwei Dinge gibt es (immerhin), die diesen Sommer trotz aller Erschöpfung echt gut für mich laufen: Twitter und Online-Dating.

Twitter ist großartig, es erfordert keine sehr große Aufmerksamkeitsspanne – 140 Zeichen pro Meldung kriege ich noch gerade so hin. Und ich werde offenbar besser; meine Tweets, die (überraschenderweise) zum größten Teil von Katzen, Eisbären, Wollmäusen und Online-Dating handeln, werden gelesen… und bekommen Sternchen von anderen Twitterern. Gestern hat ein Tweet von mir zum ersten Mal im Laufe nur eines Tages mehr als 50 Sterne bekommen – boah, war ich stolz!
 


 
Das Online-Dating läuft auch super. Echt. In den letzten Wochen habe ich mehr Männer getroffen als in den knapp 40 Millionen Jahren vorher… und dabei hatte ich noch eine Menge Spaß. So langsam habe ich den Dreh nämlich raus: Der ganze Vorgang, bestehend aus Anlocken (oder Anschreiben) von Männern, längerer oder kürzerer Korrespondenz, dem Planen von Verabredungen und dem Date selbst, macht mir erheblich mehr Vergnügen als Mühe – unabhängig davon übrigens, wie erfolgreich die Treffen dann so laufen.

Und die meisten Dates laufen gut. In letzter Zeit erwische ich zunehmend interessante und liebenswürdige Männer (und einige davon sogar in meinem Alter). Die meisten dieser Männer sind, wenn man sie fragt, auf der Suche nach dem, was sich eben ergibt. Damit meinen sie im Allgemeinen, dass sie sich, wenn es nicht unbedingt nötig ist, nicht auf irgendwas, sei es die Frau oder eine bestimmte Vertragslaufzeit, festlegen wollen. Sie wollen in allererster Linie ihr Vergnügen, je nach Veranlagung und Sozialisation mit wechselnden oder auch wiederkehrenden Partnerinnen. Eine festere Bindung schließen sie nicht grundsätzlich aus, suchen aber, so zumindest meine Erfahrung, auch nicht gezielt danach – was passiert, passiert (und wenn es nicht passiert, ist es auch gut).

Ich habe festgestellt, dass sich das mit meinen Wünschen und Vorstellungen ohne Weiteres in Einklang bringen lässt. Ich bin mittlerweile ein glücklicher Single und friste mein Dasein mit den weltbesten haarigen Mitbewohnerinnen, einem ziemlich unterhaltsamen Job nebst fantastischen Kollegen, dem besten Twitter von allen und noch ein paar anderen „Kleinigkeiten“ wie Familie und Freunden, die mein Leben lebenswert machen. Einen festen Freund hätte ich auf die Dauer schon gerne wieder – nicht unbedingt zum Zusammenleben und so, aber schon als regelmäßigen Bestandteil meines Lebens. Und bis sich da einer findet, der gut für mich ist und für den ich gut bin, habe ich Spaß… in wechselnder Besetzung. Je häufiger ich mir die Chance gebe, einen neuen Mann kennenzulernen, desto höher ist doch die Wahrscheinlichkeit, dass sich einer findet, mit dem es nicht beim Kennenlernen bleibt.
 


 
Nicht dass ich viel Ahnung vom Fußball hätte, aber: Wer gar nicht erst aufs Tor schießt, wird das Tor nicht treffen – darauf können wir uns wohl verständigen. Ein Spieler, der aufs Tor schießt, so oft sich eine Gelegenheit ergibt, auch mal spontan und aus einer eigentlich ungünstigen Position heraus, der wird sicher häufig danebenschießen, immer mal wieder gegen die Latte oder den Pfosten knallen, aber auch von Zeit zu Zeit an einem überraschten und sich nicht rührenden Torwart vorbei einen Treffer landen. Und selbst in den Spielen, in denen aus 35 Torschüssen pro Halbzeit kein einziges Tor entsteht, gibt es für Beteiligte und Zuschauer selten Grund zur Langeweile. Wer immer nur seine Defensive sortiert und auf den perfekten Moment zum Angriff wartet, wartet gelegentlich vergebens… und wird dabei immer langweiliger. Und langweilig möchte ich nicht so gerne sein.
 


 
Wenn sich ein Flirt nach dem ersten Date erledigt hat, dann wird eben ein Auswechselspieler von der Bank geholt, kein Problem. Da sitzen zum Glück meistens ein paar gut trainierte Ersatzmänner und warten auf ihren Einsatz. Und einer von ihnen ist vielleicht noch frei für die Saison, passt auf die freie Position und erweist sich als Volltreffer. Das zeigt sich aber erst im Spiel, denn schließlich suche ich keinen netten, harmlosen Mann, der so schnell wie möglich wieder in eine feste Beziehung möchte: Weil er es nicht anders kennt, weil er sich sonst fürchtet und weil er nicht genau weiß, wie die Waschmaschine funktioniert. Das wäre zu wenig. Zu wenig Abenteuer, zu wenig Spaß, zu wenig Torschüsse.

Ich will lieber einen Hallodri, einen Beziehungsphobiker oder einen Spinner. Einen, der nicht immer sofort den Ball abgibt, sondern auch mal losstürmt – auch wenn er dabei ins Abseits gerät.

Vielleicht einen, mit dem man sich in eigentlich eindeutiger Absicht trifft und eigentlich nur als Vorspiel erst noch in der Kneipe vorher einen Wein trinkt… um dann in einer großartigen alkohollastigen und fußballguckenden Unterhaltung zu versacken und das eigentliche Vorhaben komplett aus den Augen zu verlieren.

Oder auch einen, mit dem das Schreiben zur Vorbereitung des ersten Treffens so perfekt ist, dass das Treffen selbst nur ins Auge gehen kann – um dann dranzubleiben, Missverständnisse je nach Tagesform zu vertiefen oder auszuräumen und nach stundenlanger Diskussion doch wieder im Bett zu landen.

Wenn’s sein muss, auch einen, der von Anfang mehr will, der mich in meiner Unentschiedenheit auf einen unbekannte Pfad lockt, um dann, wenn ich auf den Geschmack komme und langsam bereit bin, mich auf mehr einzulassen, einen vorläufigen (oder endgültigen) Rückzieher einzuleiten, weil er plötzlich auch wieder unsicher ist über das, was er will und kann.

Eine solche Erfahrung ist nicht so richtig lustig, führt sie mir doch mit erschreckender Deutlichkeit vor Augen, dass meine Gefühle noch immer oder wieder dicht unter der Oberfläche liegen und dass jedes Match damit enden kann, dass ich heulend auf dem verlassenen Spielfeld sitze und mich frage, was da eigentlich passiert ist. Aber das ist auch gut so, denn mir geht es – bei allem Spaß und der gebotenen Coolness – nicht um Unverbindlichkeit und möglichst viele Kerben im Bettrahmen (wobei: Ja, es stimmt, ich habe inzwischen ein Verzeichnis angelegt, damit ich nicht durcheinander komme!), sondern um ehrlichen Austausch und das sogenannte wirkliche Leben mit allen seinen Facetten.
 


 
Und mal ehrlich: Wer beim Fußball noch nie heulend vor Wut und Selbstmitleid vom Platz gegangen ist, der hat doch auch nicht wirklich erfasst, worum es beim Fußball geht und was daran so toll ist, oder? Oder?

  

Der Kuss der Katzenfrau (oder: Prinz Pfiffig und die Folgen unbedachten Online-Datings)

Völlig fiktives Auftragswerk für einen erkälteten Freund: Die Geschichte von Prinz Pfiffig, der sich auszog, um das Fürchten zu lernen. Und seither als verschollen gilt. Teil 1.

 
„Pfiffig“, sagte die Katzenfrau drohend, wobei sie versuchte, ihr Grinsen zu unterdrücken, „du hast dich hier gerade in eine ziemlich schwierige Lage gebracht!“
 
Der Prinz war sich nicht ganz sicher, ob hier jetzt noch geblödelt wurde oder vielleicht auch nicht. Die Tatsache, dass die zahnlosen Katzen sich kleine Halloween-Vampirgebisse in den Mund geklemmt hatten, mit denen sie ihn fast furchterregend anbleckten, ließ ihn eigentlich ersteres vermuten. Andererseits hatte die Frau mit den unanständig hohen Absätzen noch ihre eigenen Zähne, soweit er das beurteilen konnte – und ihre Aura hatte gerade ein recht beunruhigendes dunkles Lila angenommen.
 
„Diese verdammten Limetten sind uralt und steinhart“, schimpfte die Katzenfrau, während sie ärgerlich im Kühlschrank wühlte. „Und ich habe vergessen, Bier kalt zu stellen, weil ich dachte, dass wir Caipirinhas machen. Was sollen wir denn jetzt trinken? Tee vielleicht?“
 
Der Prinz dachte kurz, dass Tee vielleicht gar keine so schlechte Idee wäre. Zusammen mit Schokolade und einer Wärmflasche vielleicht… damit ließen sich doch die meisten hormonell bedingten… äh…. Schwankungen… bei Frauen günstig beeinflussen. Wieder einmal dachte er heftig darüber nach, ob es eigentlich wirklich eine gute Idee gewesen war, die Katzenfrau nach Hause zu begleiten, nur weil sie mit diesen absurd hohen Absätzen natürlich umgeknickt war und nur noch humpeln konnte. (Wobei er den Gedanken, dass sie diese Schuhe seinetwegen angezogen hatte, ja eigentlich ganz anregend fand.)
 
„Äh… hm…“, räusperte er sich, „vielleicht könnten wir…“ Er verstummte, als er aus dem Augenwinkel sah, wie sich zwei kleine dunkle Gestalten im Schatten des Sofas näher an ihn heranschlichen. „Äh… sind diese Katzen eigentlich gefährlich?“
 
„Nur wenn du allergisch bist“, erwiderte die Katzenfrau, ohne dem Prinzen und seiner ungemütlichen Situation viel Beachtung zu schenken, während sie weiterhin im Kühlschrank wühlte. „Magst du Kalte Muschi?“
 
„Wieso kalt?“ fragte Prinz Pfiffig verwirrt. „Die haben doch Fell.“
 
Die Katzenfrau humpelte jetzt vom Kühlschrank herüber, ließ sich neben Pfiffig auf das – eher schmale – Sofa fallen und drückte ihm eine Flasche in die Hand. „Hier: Kalte Muschi. Cola mit Rotwein. Die Alternative wäre Hustentee. Prost.“
 
Sie knallte ihre Flasche gegen seine und nahm einen kräftigen Zug. Pfiffig warf einen Blick in ihr Dekolleté, dachte etwas wie „Nun ja, vielleicht lohnt es sich ja doch, die Unterhaltung fortzusetzen…“, schnüffelte dezent am Flaschenhals und nippte dann vorsichtig. „Uahh…“, stöhnte er, „das schmeckt ja wie Knüppel auf den Kopf!“
 
„Einfach weitertrinken“, empfahl ihm die Katzenfrau, „man gewöhnt sich schnell dran. Und dann überlegen wir uns in aller Ruhe, welche DVD wir anschauen können. Magst du lieber was Lustiges oder was mit Action?“
 
Pfiffig musste nicht lange überlegen. „Eher was Lustiges“, sagte er. „Oder etwas, was die Katzen beruhigt.“ Er warf einen weiteren nervösen Blick auf die etwa einen Meter vor ihm starr auf dem Couchtisch thronende Katze, die ihn mit ihren Plastikvampirzähnen anlächelte. Von der anderen Katze, die unter dem Tisch saß, sah er im Halbdunkel nur die leuchtenden Augen, die ihn schon seit Minuten ohne Blinzeln fixierten. „Sind die irgendwie auf Drogen oder so?“
 
Die Katzenfrau warf einen Blick auf das unheimliche Tier. „Wäre möglich, dass sie wieder am Baldrian geschnüffelt haben“, sagte sie, „aber das ist nicht gefährlich. Meistens. Wahrscheinlich warten sie nur darauf, dass du endlich irgendwas ausziehst, damit sie es anprobieren können. Was hältst du von Der weiße Hai?“
 
„Wie irgendwas ausziehen?“ Pfiffig bemühte sich um einen lässig-entspannten Ton, auch wenn er sich dabei nicht gerade sehr überzeugend vorkam. „Und wieso der Weiße Hai? Wolltest du nicht was Lustiges suchen?“ Er nahm noch einen kräftigen Schluck aus der Cola-Rotwein-Muschi und begann zu überlegen, wo die Katzen wohl ihre Baldrian-Vorräte aufbewahrten (nur so für alle Fälle, versteht sich).
 
„Ich finde den Weißen Hai lustig“, unterbrach die Katzenfrau seine Überlegungen. „Schade, dass die große Musical-Szene von dem blöden Fisch unterbrochen wird. Du könntest ihnen wenigstens deine Schuhe überlassen, wenn du schon deine Hose nicht ausziehen willst. Die Alternative wäre Mamma Mia!“
 
In der Tat hielt sie die Mamma-Mia-DVD in der Hand und starrte mindestens so provokativ wie die Katze im Halbschatten.
 
„Nein, bitte nicht ABBA!“ stammelte Prinz Pfiffig, dem plötzlich der Angstschweiß ausbrach. „Der weiße Hai ist ein prima Film und ich habe damals im Kino bei den Szenen, bei denen ich mir nicht die Augen zuhalten musste, auch sehr gelacht. Bestimmt! Und was wollen die Katzen mit meinen Schuhen? Und mit meiner Hose?“
„Nichts Schlimmes“, versicherte die Katzenfrau. „Nur dran schnüffeln und, wenn ihnen dein Geruch gefällt, ein bisschen drauf sabbern. Sind eben Mädels. Du bekommst sie aber unversehrt zurück, wenn du gehst. Falls du irgendwann gehst… “ Sie hatte die DVD in den Player geschoben und humpelte, in jeder Hand eine Fernbedienung haltend, zurück zum Sofa. Wieder hatte er einen prima Einblick in ihren Ausschnitt. Der schon über einige Unbill hinwegtrösten konnte, wenn nur etwa die Hälfte des Inhalts echt war. Wonach es auf ihren Fotos definitiv ausgesehen hatte.
 
„Also gut“, fasste sich Pfiffig ein Herz, „ich ziehe meine Schuhe aus, wenn du auch was ausziehst. Und damit meine ich nicht die Schuhe! “ Ohne Blinzeln begegnete er ihrem überraschten Blick. „Sondern deinen BH.“
 
„Meinen BH?“ Nun sah die Katzenfrau doch etwas überrascht aus. Pfiffig, der sich zwang, ihr weiter direkt in die Augen zu starren, meinte sogar, so etwas wie ein nervöses Zucken der linken Augenbraue wahrzunehmen. „So einer bist du also!“
„Genau“, gab Pfiffig zurück. „So einer bin ich. Was hast du denn gedacht? Und warum hättest du dich sonst mit mir treffen wollen?“ Er setzte sich aufrecht hin (nicht leicht bei dem ausgeleierten Sofa), legte ganz und gar nicht unauffällig seinen Arm auf die Sofalehne und der Katzenfrau die Hand auf die ihm abgewandte Schulter.
 
„Das stimmt natürlich.“ Die Katzenfrau betrachtete ihn halb amüsiert, halb zweifelnd. „Das war ursprünglich durchaus so geplant.“ Sie begann, an ihrem schwarzen Oberteil herumzunesteln. „Ich war mir nur nicht so sicher, was du eigentlich willst.“
 
Vom Sichersein war Prinz Pfiffig in diesem Moment auch weit entfernt, aber er beschloss blitzschnell, dass er das jetzt nicht thematisieren wollte. Stattdessen griff er der Katzenfrau frech in den Ausschnitt und zupfte an ihrem BH-Träger. „Was ist nun mit dem Ausziehen?“
 
„Wenn ich meinen BH ausziehen will, muss ich vorher mein Oberteil ausziehen“, gab sie zu bedenken. „Das wären dann schon zwei Teile.“
 
„Tja“, erwiderte Prinz Pfiffig scheinbar unbeeindruckt. „Ich habe ja auch zwei Schuhe.“
 
„Also gut“, sagte die Katzenfrau und zog sich ihr schwarzes Oberteil über den Kopf. „Du hast es nicht anders gewollt. Jetzt ziehst du aber auch den ersten Schuh aus.“
 
Pfiffig bemühte sich, nonchalant zu bleiben trotz des Anblicks, der sich ihm bot. Sie hatte vollkommen recht, er hatte es definitiv nicht anders gewollt: Ihr schwarzer Satin-BH war mindestens eine Größe zu klein und ihr Dekolleté wirklich spektakulär. Aus dem Augenwinkel sah er, wie sein Schuh von einer eigentlich ziemlich kleinen schwarz-braun gemusterten Katze davongeschleift wurde, aber das war ihm im Augenblick gerade ziemlich egal. „Den BH kannst du ruhig noch einen Moment anbehalten“, sagte er ganz lässig. „Und starte doch mal den Weißen Hai, damit es nicht langweilig wird.“
 
Genialer Schachzug, Pfiffig, alter Prinz, gratulierte er sich stumm, als er ihren verblüfften Gesichtsausdruck sah. Wortlos stand sie auf, nahm die Fernbedienung vom Sessel, setzte sich wieder neben ihn und schaltete den Fernseher ein. Über ihre Schulter hinweg konnte Pfiffig sehen, wie ein Mann, der auf der anderen Seite der Straße im zweiten Stockwerk am Fenster rauchte, sich ziemlich weit vorbeugte und sich bemühte, an dem Baum vor dem Fenster der Katzenfrau vorbeizuschauen. „Ist was mit deinem Nachbarn?“
 
Die Katzenfrau sah nicht mal hin, sondern erwiderte nur: „Der hat es nicht leicht zu Hause. Darf nur am Fenster rauchen und ist zu doof zum Spannern, weil er offenbar nicht im Dunkeln rauchen kann und immer das Licht im Fenster einschaltet, so dass die meisten Frauen hier im Haus einfach die Vorhänge zuziehen, wenn er kommt.“
 
„Aber du nicht?“ erkundigte sich Pfiffig und griff sich, von hinten an ihrer Schulter herumstreichelnd, wieder den BH-Träger, schob ihn ein Stückchen zur Seite und zog mit dem Finger die Einkerbung nach, die er in ihrer weichen, blassen Haut hinterlassen hatte.
 
„Ach was“, sagte die Katzenfrau. „Warum sollte ich? Der will doch nur gucken. Und so wie er nicht im Dunkeln rauchen kann, mag ich nicht im Dunkeln rumknutschen. So, was ist jetzt mit deinem zweiten Schuh?“
 
„Jetzt, wo gerade der Hai die Schwimmerin holt?“ Pfiffig starrte gebannt auf den Bildschirm. „Boah, diese Musik! Gruselig.“ Er packte die Schulter der Katzenfrau fester und zog sie näher an sicher heran. Und hatte verstärkt den Eindruck, dass sie sich das nicht nur gefallen ließ, sondern sich auch – total unauffällig – so drehte, dass er ihren BH-Verschluss direkt unter der Nase hatte. Eher provokativ sozusagen. Sie beschwerte sich auch nicht, als er zwei Finger unter das stramm sitzende Rückenteil ihres BHs schob, um einen besseren Zugriff auf den Verschluss zu haben. Auf dem ein Gewicht von etwa einer Tonne zu lasten schien. Schnell war Pfiffig klar, dass hier einhändig nichts zu machen war. Die Brüste der Katzenfrau waren groß – ganz im reizvollen Gegensatz zu ihrem BH.
 
Die Katzenfrau saß halb neben, halb vor Pfiffig auf dem Sofa und beobachte interessiert das Geschehen auf dem Bildschirm. „Jetzt kommt gleich Quint, der alte Haifischjäger“, sagte sie. „Den finde ich großartig.“ „Natürlich“, erwiderte Pfiffig, in der Hoffnung, nicht in eine weitere absurde Diskussion verwickelt zu werden, die ihn jetzt gerade überhaupt nicht interessierte. Die Gelegenheit schien günstig zu sein: Die Katzen waren – mit seinem linken Schuh – im Nebenzimmer verschwunden, zu hören waren nur leise Schlurf- und Kaugeräusche. Der stalkende Nachbar hing bis zum Bauch aus seinem Fenster und zündete sich eine neue Zigarette an. Der BH-Verschluss lag in Pfiffigs erstaunlich ruhigen Händen, denen man nicht ansah, was in sich in seinem Inneren gerade alles so abspielte.
 
Eine kleine Handbewegung, ein Klicken – und schon war es passiert. Schwarzer Satin gab den Weg frei, zwei große weiße Brüste bahnten sich ihren Weg in die Freiheit. Hübsche Brüste noch dazu, kuschelig-weich und der Schwerkraft noch so halbwegs trotzend.
 
„Na sowas“, bemerkte die Katzenfrau. „Na sowas“, gab Pfiffig nonchalant zurück. Fast ohne Mühe schaffte er es, seinen Blick von den Druckstellen des BHs auf weicher Haut abzuwenden und der Katzenfrau ins Gesicht zu sehen. Sie lächelte recht entspannt, aber Pfiffig konnte sich des Eindrucks nicht erwehrend, dass ihre Wangen rötlicher waren als vorher und dass ihre Augen einen gewissen Glanz angenommen hatte, der ihm durchaus gefiel.
 
„Und jetzt?“ fragte die Katzenfrau. Pfiffig musste nicht lange überlegen. „Was hältst du vom Küssen?“ „Küssen finde ich gut“, sagte die Katzenfrau und sah ihn erwartungsvoll an. Noch immer saß sie halbwegs vor ihm auf dem Sofa. „Dann komm her! “ forderte er sie auf. „Bin doch schon da! “ erwiderte sie, schloss die Augen halb und hielt ihm ihre Lippen hin.
 
Pfiffig griff die Katzenfrau an beiden Schultern, während er sie küsste, und versuche, sie gleichzeitig zu drehen und an sich heranzuziehen. Sie musste lachen, weil sie dabei fast vom Sofa rutschte, hörte aber nicht mit dem Küssen auf. Pfiffig, immer hilfsbereit und in dem Versuch, sich nützlich zu machen, griff nach ihrer Hüfte. Erwischte aber nur ihren kurzen Rock, weil sie gleichzeitig auch versuchte, sich wieder aufrecht hinzusetzen. Dabei bemerkte Pfiffig, was er schon viel früher, als sie in der Kneipe stolperte, gesehen hatte: Die Katzenfrau trug einen ziemlich kurzen Rock und ein aufreizendes Ensemble aus Strapsgürtel und Strümpfen, hatte aber in der Eile offensichtlich vergessen, einen Slip anzuziehen. Was Pfiffig durchaus sympathisch fand. Die Katzenfrau folgte seinem verblüfften Blick, lachte noch mehr und fiel endgültig, Pfiffig mit sich ziehend, vom Sofa. Boing.
 
Von draußen hörte Prinz Pfiffig ein weiteres Boing und einen Schmerzensschrei. Saß aber jetzt mit dem Rücken zum Fenster und war auch anderweitig beschäftigt mit dem Sortieren eigener und fremder Gliedmaßen. Der Ruf „Holt mal einen Krankenwagen, hier ist einer mit einem Fernglas in der Hand aus dem Fenster gefallen!“ war ihm gerade verhältnismäßig egal. Vor ihm auf dem Fußboden lag eine leicht derangierte, sich aber offensichtlich bestens unterhaltende Katzenfrau. Auf dem Bildschirm schlug gerade wieder der weiße Hai zu, schreiende Menschen überall. Von der Straße her war das sich nähernde Lalülala eines Krankenwagens zu hören.
 
„Hörst du“, murmelte die Katzenfrau verträumt und machte eine zerstreute Handbewegung zum Fenster und in Richtung Tumult draußen, „sie spielen unser Lied.“

 

Alles frei erfunden, versteht sich. Fortsetzung folgt bei Gelegenheit.

Meine Mitbewohnerinnen (Katzencontent)

Zur Begleitung der drei Kapitel, die ich heute hochlade, würde ich ja gerne einen schlauen Artikel schreiben. Über das Online-Dating an sich, im Individualfall oder auch sonst einen anderen spannenden Aspekt meines Lebens. Wird aber schwierig, denn sie sind wieder schon vor mir da. Die Keinzahnkatzen, und zwar – strategisch verteilt – auf meinem Laptop und mir. Die rechte Hand kann ich zwar noch bewegen, aber nur noch auf der linken Hälfte des Keyboards.

 

Andererseits ist das vielleicht die Gelegenheit, endlich mal zu Ehren meiner Mitbewohnerinnen, der Keinzahnkatzen, den Prozentsatz an katzenrelevanten Inhalten („Catcontent“) auf dieser Seite drastisch zu erhöhen. Schließlich, so habe ich mit großer Freude gelernt, darf man das im Umfeld der Bloggerszene – nach Einbruch der Dunkelheit sitzen da mehr Katzen an und auf Keyboards, als man angesichts der hochseriösen Inhalte, die die dazugehörigen, meist sehr aktiven Menschen tagsüber ins Netz stellen, vermuten würde. Die hinter vorgehaltener Hand verbreitete These, hinter jedem erfolgreichen Blogger stehe eine ziemlich entschlossene Katze, hat also durchaus ihre Berechtigung. Und von Zeit zu Zeit (die einzuhaltenden Mindestabstände hängen von sehr vielen unterschiedlichen Faktoren ab, die ich, um nicht den Rahmen zu sprengen, jetzt nicht aufzählen werde) ist es auch ohne allzu gravierende Folgen statthaft, Catcontent zu posten.

Daran nehme ich mir gerne ein Beispiel. Olga und Ida sind schließlich diejenigen, die meine Schreibtätigkeit ständig begleiten und überwachen, die mich anstacheln und ermuntern, ehrlich kritisieren – und oft auch die ersten, die ein Lob über eine gelungene Formulierung zum Ausdruck bringen. Sie haben – lange vor mir – den Nutzen von Social Media erkannt und unser gemeinsamer Twitter-Account läuft noch immer auf ihren Namen; sie haben dort auch die ersten Freunde gewonnen und mir den Einstieg ganz wesentlich erleichtert.

Mal was anderes:

Falls jemand dazu eine Idee hat: Bitte melden!

Die Keinzahnkatzen nehmen auch regen Anteil an meiner Online-Dating-Aktivität. Sie lieben diese gemeinsamen Abende, an denen wir in Singlebörsen zusammen Männer-Profile studieren, neckische Mails austauschen und uns – mit Glück – an eine Verabredung herantasten. Niemals würden sie mir gestatten, mich mit einem bekennenden Katzenhasser zu treffen. Einen Allergiker, der bei ihrem Anblick niesen muss und Pickel kriegt, würden sie allerdings recht lustig finden (ja, Katzen haben durchaus sadistische Neigungen). Wenn ich mal einen Mann mit nach Hause bringe, unterziehen sie ihn einem – ganz unauffälligen – Test durch minutenlanges Anstarren ohne Blinzeln, scheinbar unmotiviertes (aber lautes) Rumjammern im Nebenzimmer und das Klauen und Verstecken von Schuhen und Kleidungsstücken. Ein Mann, der dabei nicht Haltung bewahrt, wird selbstverständlich kein zweites Mal eingeladen.

Obwohl ich mich ja sehr großstädtisch fühle (und auch gebe), habe ich den größten Teil meiner jungen Jahre in einem Vorort von Hamburg verbracht. In Sicht- und Hörweite der Kirche, die pflichtgemäß an jedem Sonntagmorgen so viele Besucher wie möglich zu aktivieren versuchte. Mit Glockenläuten. Zweimal, um neun und um viertel vor zehn – also zu nachtschlafender Zeit aus der Sicht einer Spätpubertierenden. Und wofür? Wer in den Gottesdienst gehen wollte, ging hin – die Termine waren allgemein bekannt und schon damals hatte praktisch jeder Bürger eine eigene Armbanduhr und einen Wecker. Die anderen (also die meisten) hatten was anderes vor und blieben zu Hause. Dass jemals jemand spontan in die Kirche gegangen wäre, weil gerade die Glocken läuteten, ist mir zumindest nicht zu Ohren gekommen.

Ich schweife ab… Was ich sagen wollte: Jeden Sonntag wachte ich durch das Glockenläuten auf, fühlte mich gestört und ärgerte mich. Bis ich eines Sonntagmorgens – entsetzlich! – um neun Uhr wach wurde, weil es nicht läutete!!!! Die Kirchenglocken bzw. die sie in Bewegung setzende Maschinerie war defekt. Himmlische Ruhe lag über dem Ort – und was war: Mein Unterbewusstsein fühlte sich gestört, weil es nicht läutete! ARGH!!!!

Was ich noch eigentlicher und vor allem sagen sollte: Natürlich beschwere ich mich gerne darüber, dass eine dicke Katze auf meinem Sofa, meinem Schoß oder meiner Tastatur sitzt und mir beim Schreiben eine ungeahnte Gelenkigkeit sowie eine gewisse Unempfindlichkeit gegenüber Zungenküssen mit Katzenfuttergeschmack abverlangt. Das erwartet die dicke Katze auch von mir. Weil sie – wie ich und ihr wahrscheinlich auch – ja weiß, dass sich die Realität wieder einmal etwas anders darstellt: Ohne meine feline Schreibblockade wäre ich nichts, kein Wort flösse aus meiner Feder bzw. in meine Tastatur. Weil ich nicht in Stimmung käme und mir nichts einfiele. Keine neuen Kapitel, so wie heute. Gar nichts. Nicht mal ein klitzekleiner Keinzahnkatzentweet bei Nacht.

 

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