Grinsekatze geht ins Netz

Der Kuss der Katzenfrau (oder: Prinz Pfiffig und die Folgen unbedachten Online-Datings)

Völlig fiktives Auftragswerk für einen erkälteten Freund: Die Geschichte von Prinz Pfiffig, der sich auszog, um das Fürchten zu lernen. Und seither als verschollen gilt. Teil 1.

 
„Pfiffig“, sagte die Katzenfrau drohend, wobei sie versuchte, ihr Grinsen zu unterdrücken, „du hast dich hier gerade in eine ziemlich schwierige Lage gebracht!“
 
Der Prinz war sich nicht ganz sicher, ob hier jetzt noch geblödelt wurde oder vielleicht auch nicht. Die Tatsache, dass die zahnlosen Katzen sich kleine Halloween-Vampirgebisse in den Mund geklemmt hatten, mit denen sie ihn fast furchterregend anbleckten, ließ ihn eigentlich ersteres vermuten. Andererseits hatte die Frau mit den unanständig hohen Absätzen noch ihre eigenen Zähne, soweit er das beurteilen konnte – und ihre Aura hatte gerade ein recht beunruhigendes dunkles Lila angenommen.
 
„Diese verdammten Limetten sind uralt und steinhart“, schimpfte die Katzenfrau, während sie ärgerlich im Kühlschrank wühlte. „Und ich habe vergessen, Bier kalt zu stellen, weil ich dachte, dass wir Caipirinhas machen. Was sollen wir denn jetzt trinken? Tee vielleicht?“
 
Der Prinz dachte kurz, dass Tee vielleicht gar keine so schlechte Idee wäre. Zusammen mit Schokolade und einer Wärmflasche vielleicht… damit ließen sich doch die meisten hormonell bedingten… äh…. Schwankungen… bei Frauen günstig beeinflussen. Wieder einmal dachte er heftig darüber nach, ob es eigentlich wirklich eine gute Idee gewesen war, die Katzenfrau nach Hause zu begleiten, nur weil sie mit diesen absurd hohen Absätzen natürlich umgeknickt war und nur noch humpeln konnte. (Wobei er den Gedanken, dass sie diese Schuhe seinetwegen angezogen hatte, ja eigentlich ganz anregend fand.)
 
„Äh… hm…“, räusperte er sich, „vielleicht könnten wir…“ Er verstummte, als er aus dem Augenwinkel sah, wie sich zwei kleine dunkle Gestalten im Schatten des Sofas näher an ihn heranschlichen. „Äh… sind diese Katzen eigentlich gefährlich?“
 
„Nur wenn du allergisch bist“, erwiderte die Katzenfrau, ohne dem Prinzen und seiner ungemütlichen Situation viel Beachtung zu schenken, während sie weiterhin im Kühlschrank wühlte. „Magst du Kalte Muschi?“
 
„Wieso kalt?“ fragte Prinz Pfiffig verwirrt. „Die haben doch Fell.“
 
Die Katzenfrau humpelte jetzt vom Kühlschrank herüber, ließ sich neben Pfiffig auf das – eher schmale – Sofa fallen und drückte ihm eine Flasche in die Hand. „Hier: Kalte Muschi. Cola mit Rotwein. Die Alternative wäre Hustentee. Prost.“
 
Sie knallte ihre Flasche gegen seine und nahm einen kräftigen Zug. Pfiffig warf einen Blick in ihr Dekolleté, dachte etwas wie „Nun ja, vielleicht lohnt es sich ja doch, die Unterhaltung fortzusetzen…“, schnüffelte dezent am Flaschenhals und nippte dann vorsichtig. „Uahh…“, stöhnte er, „das schmeckt ja wie Knüppel auf den Kopf!“
 
„Einfach weitertrinken“, empfahl ihm die Katzenfrau, „man gewöhnt sich schnell dran. Und dann überlegen wir uns in aller Ruhe, welche DVD wir anschauen können. Magst du lieber was Lustiges oder was mit Action?“
 
Pfiffig musste nicht lange überlegen. „Eher was Lustiges“, sagte er. „Oder etwas, was die Katzen beruhigt.“ Er warf einen weiteren nervösen Blick auf die etwa einen Meter vor ihm starr auf dem Couchtisch thronende Katze, die ihn mit ihren Plastikvampirzähnen anlächelte. Von der anderen Katze, die unter dem Tisch saß, sah er im Halbdunkel nur die leuchtenden Augen, die ihn schon seit Minuten ohne Blinzeln fixierten. „Sind die irgendwie auf Drogen oder so?“
 
Die Katzenfrau warf einen Blick auf das unheimliche Tier. „Wäre möglich, dass sie wieder am Baldrian geschnüffelt haben“, sagte sie, „aber das ist nicht gefährlich. Meistens. Wahrscheinlich warten sie nur darauf, dass du endlich irgendwas ausziehst, damit sie es anprobieren können. Was hältst du von Der weiße Hai?“
 
„Wie irgendwas ausziehen?“ Pfiffig bemühte sich um einen lässig-entspannten Ton, auch wenn er sich dabei nicht gerade sehr überzeugend vorkam. „Und wieso der Weiße Hai? Wolltest du nicht was Lustiges suchen?“ Er nahm noch einen kräftigen Schluck aus der Cola-Rotwein-Muschi und begann zu überlegen, wo die Katzen wohl ihre Baldrian-Vorräte aufbewahrten (nur so für alle Fälle, versteht sich).
 
„Ich finde den Weißen Hai lustig“, unterbrach die Katzenfrau seine Überlegungen. „Schade, dass die große Musical-Szene von dem blöden Fisch unterbrochen wird. Du könntest ihnen wenigstens deine Schuhe überlassen, wenn du schon deine Hose nicht ausziehen willst. Die Alternative wäre Mamma Mia!“
 
In der Tat hielt sie die Mamma-Mia-DVD in der Hand und starrte mindestens so provokativ wie die Katze im Halbschatten.
 
„Nein, bitte nicht ABBA!“ stammelte Prinz Pfiffig, dem plötzlich der Angstschweiß ausbrach. „Der weiße Hai ist ein prima Film und ich habe damals im Kino bei den Szenen, bei denen ich mir nicht die Augen zuhalten musste, auch sehr gelacht. Bestimmt! Und was wollen die Katzen mit meinen Schuhen? Und mit meiner Hose?“
„Nichts Schlimmes“, versicherte die Katzenfrau. „Nur dran schnüffeln und, wenn ihnen dein Geruch gefällt, ein bisschen drauf sabbern. Sind eben Mädels. Du bekommst sie aber unversehrt zurück, wenn du gehst. Falls du irgendwann gehst… “ Sie hatte die DVD in den Player geschoben und humpelte, in jeder Hand eine Fernbedienung haltend, zurück zum Sofa. Wieder hatte er einen prima Einblick in ihren Ausschnitt. Der schon über einige Unbill hinwegtrösten konnte, wenn nur etwa die Hälfte des Inhalts echt war. Wonach es auf ihren Fotos definitiv ausgesehen hatte.
 
„Also gut“, fasste sich Pfiffig ein Herz, „ich ziehe meine Schuhe aus, wenn du auch was ausziehst. Und damit meine ich nicht die Schuhe! “ Ohne Blinzeln begegnete er ihrem überraschten Blick. „Sondern deinen BH.“
 
„Meinen BH?“ Nun sah die Katzenfrau doch etwas überrascht aus. Pfiffig, der sich zwang, ihr weiter direkt in die Augen zu starren, meinte sogar, so etwas wie ein nervöses Zucken der linken Augenbraue wahrzunehmen. „So einer bist du also!“
„Genau“, gab Pfiffig zurück. „So einer bin ich. Was hast du denn gedacht? Und warum hättest du dich sonst mit mir treffen wollen?“ Er setzte sich aufrecht hin (nicht leicht bei dem ausgeleierten Sofa), legte ganz und gar nicht unauffällig seinen Arm auf die Sofalehne und der Katzenfrau die Hand auf die ihm abgewandte Schulter.
 
„Das stimmt natürlich.“ Die Katzenfrau betrachtete ihn halb amüsiert, halb zweifelnd. „Das war ursprünglich durchaus so geplant.“ Sie begann, an ihrem schwarzen Oberteil herumzunesteln. „Ich war mir nur nicht so sicher, was du eigentlich willst.“
 
Vom Sichersein war Prinz Pfiffig in diesem Moment auch weit entfernt, aber er beschloss blitzschnell, dass er das jetzt nicht thematisieren wollte. Stattdessen griff er der Katzenfrau frech in den Ausschnitt und zupfte an ihrem BH-Träger. „Was ist nun mit dem Ausziehen?“
 
„Wenn ich meinen BH ausziehen will, muss ich vorher mein Oberteil ausziehen“, gab sie zu bedenken. „Das wären dann schon zwei Teile.“
 
„Tja“, erwiderte Prinz Pfiffig scheinbar unbeeindruckt. „Ich habe ja auch zwei Schuhe.“
 
„Also gut“, sagte die Katzenfrau und zog sich ihr schwarzes Oberteil über den Kopf. „Du hast es nicht anders gewollt. Jetzt ziehst du aber auch den ersten Schuh aus.“
 
Pfiffig bemühte sich, nonchalant zu bleiben trotz des Anblicks, der sich ihm bot. Sie hatte vollkommen recht, er hatte es definitiv nicht anders gewollt: Ihr schwarzer Satin-BH war mindestens eine Größe zu klein und ihr Dekolleté wirklich spektakulär. Aus dem Augenwinkel sah er, wie sein Schuh von einer eigentlich ziemlich kleinen schwarz-braun gemusterten Katze davongeschleift wurde, aber das war ihm im Augenblick gerade ziemlich egal. „Den BH kannst du ruhig noch einen Moment anbehalten“, sagte er ganz lässig. „Und starte doch mal den Weißen Hai, damit es nicht langweilig wird.“
 
Genialer Schachzug, Pfiffig, alter Prinz, gratulierte er sich stumm, als er ihren verblüfften Gesichtsausdruck sah. Wortlos stand sie auf, nahm die Fernbedienung vom Sessel, setzte sich wieder neben ihn und schaltete den Fernseher ein. Über ihre Schulter hinweg konnte Pfiffig sehen, wie ein Mann, der auf der anderen Seite der Straße im zweiten Stockwerk am Fenster rauchte, sich ziemlich weit vorbeugte und sich bemühte, an dem Baum vor dem Fenster der Katzenfrau vorbeizuschauen. „Ist was mit deinem Nachbarn?“
 
Die Katzenfrau sah nicht mal hin, sondern erwiderte nur: „Der hat es nicht leicht zu Hause. Darf nur am Fenster rauchen und ist zu doof zum Spannern, weil er offenbar nicht im Dunkeln rauchen kann und immer das Licht im Fenster einschaltet, so dass die meisten Frauen hier im Haus einfach die Vorhänge zuziehen, wenn er kommt.“
 
„Aber du nicht?“ erkundigte sich Pfiffig und griff sich, von hinten an ihrer Schulter herumstreichelnd, wieder den BH-Träger, schob ihn ein Stückchen zur Seite und zog mit dem Finger die Einkerbung nach, die er in ihrer weichen, blassen Haut hinterlassen hatte.
 
„Ach was“, sagte die Katzenfrau. „Warum sollte ich? Der will doch nur gucken. Und so wie er nicht im Dunkeln rauchen kann, mag ich nicht im Dunkeln rumknutschen. So, was ist jetzt mit deinem zweiten Schuh?“
 
„Jetzt, wo gerade der Hai die Schwimmerin holt?“ Pfiffig starrte gebannt auf den Bildschirm. „Boah, diese Musik! Gruselig.“ Er packte die Schulter der Katzenfrau fester und zog sie näher an sicher heran. Und hatte verstärkt den Eindruck, dass sie sich das nicht nur gefallen ließ, sondern sich auch – total unauffällig – so drehte, dass er ihren BH-Verschluss direkt unter der Nase hatte. Eher provokativ sozusagen. Sie beschwerte sich auch nicht, als er zwei Finger unter das stramm sitzende Rückenteil ihres BHs schob, um einen besseren Zugriff auf den Verschluss zu haben. Auf dem ein Gewicht von etwa einer Tonne zu lasten schien. Schnell war Pfiffig klar, dass hier einhändig nichts zu machen war. Die Brüste der Katzenfrau waren groß – ganz im reizvollen Gegensatz zu ihrem BH.
 
Die Katzenfrau saß halb neben, halb vor Pfiffig auf dem Sofa und beobachte interessiert das Geschehen auf dem Bildschirm. „Jetzt kommt gleich Quint, der alte Haifischjäger“, sagte sie. „Den finde ich großartig.“ „Natürlich“, erwiderte Pfiffig, in der Hoffnung, nicht in eine weitere absurde Diskussion verwickelt zu werden, die ihn jetzt gerade überhaupt nicht interessierte. Die Gelegenheit schien günstig zu sein: Die Katzen waren – mit seinem linken Schuh – im Nebenzimmer verschwunden, zu hören waren nur leise Schlurf- und Kaugeräusche. Der stalkende Nachbar hing bis zum Bauch aus seinem Fenster und zündete sich eine neue Zigarette an. Der BH-Verschluss lag in Pfiffigs erstaunlich ruhigen Händen, denen man nicht ansah, was in sich in seinem Inneren gerade alles so abspielte.
 
Eine kleine Handbewegung, ein Klicken – und schon war es passiert. Schwarzer Satin gab den Weg frei, zwei große weiße Brüste bahnten sich ihren Weg in die Freiheit. Hübsche Brüste noch dazu, kuschelig-weich und der Schwerkraft noch so halbwegs trotzend.
 
„Na sowas“, bemerkte die Katzenfrau. „Na sowas“, gab Pfiffig nonchalant zurück. Fast ohne Mühe schaffte er es, seinen Blick von den Druckstellen des BHs auf weicher Haut abzuwenden und der Katzenfrau ins Gesicht zu sehen. Sie lächelte recht entspannt, aber Pfiffig konnte sich des Eindrucks nicht erwehrend, dass ihre Wangen rötlicher waren als vorher und dass ihre Augen einen gewissen Glanz angenommen hatte, der ihm durchaus gefiel.
 
„Und jetzt?“ fragte die Katzenfrau. Pfiffig musste nicht lange überlegen. „Was hältst du vom Küssen?“ „Küssen finde ich gut“, sagte die Katzenfrau und sah ihn erwartungsvoll an. Noch immer saß sie halbwegs vor ihm auf dem Sofa. „Dann komm her! “ forderte er sie auf. „Bin doch schon da! “ erwiderte sie, schloss die Augen halb und hielt ihm ihre Lippen hin.
 
Pfiffig griff die Katzenfrau an beiden Schultern, während er sie küsste, und versuche, sie gleichzeitig zu drehen und an sich heranzuziehen. Sie musste lachen, weil sie dabei fast vom Sofa rutschte, hörte aber nicht mit dem Küssen auf. Pfiffig, immer hilfsbereit und in dem Versuch, sich nützlich zu machen, griff nach ihrer Hüfte. Erwischte aber nur ihren kurzen Rock, weil sie gleichzeitig auch versuchte, sich wieder aufrecht hinzusetzen. Dabei bemerkte Pfiffig, was er schon viel früher, als sie in der Kneipe stolperte, gesehen hatte: Die Katzenfrau trug einen ziemlich kurzen Rock und ein aufreizendes Ensemble aus Strapsgürtel und Strümpfen, hatte aber in der Eile offensichtlich vergessen, einen Slip anzuziehen. Was Pfiffig durchaus sympathisch fand. Die Katzenfrau folgte seinem verblüfften Blick, lachte noch mehr und fiel endgültig, Pfiffig mit sich ziehend, vom Sofa. Boing.
 
Von draußen hörte Prinz Pfiffig ein weiteres Boing und einen Schmerzensschrei. Saß aber jetzt mit dem Rücken zum Fenster und war auch anderweitig beschäftigt mit dem Sortieren eigener und fremder Gliedmaßen. Der Ruf „Holt mal einen Krankenwagen, hier ist einer mit einem Fernglas in der Hand aus dem Fenster gefallen!“ war ihm gerade verhältnismäßig egal. Vor ihm auf dem Fußboden lag eine leicht derangierte, sich aber offensichtlich bestens unterhaltende Katzenfrau. Auf dem Bildschirm schlug gerade wieder der weiße Hai zu, schreiende Menschen überall. Von der Straße her war das sich nähernde Lalülala eines Krankenwagens zu hören.
 
„Hörst du“, murmelte die Katzenfrau verträumt und machte eine zerstreute Handbewegung zum Fenster und in Richtung Tumult draußen, „sie spielen unser Lied.“

 

Alles frei erfunden, versteht sich. Fortsetzung folgt bei Gelegenheit.

Grinsekatze räumt auf. Das sieht man.

Dieses Blog wird gerade aufgeräumt und ein bisschen neu gestaltet. Was ja mal sein muss. Eventuelle Unannehmlichkeiten wie vorübergehend fehlende Seiten, Logos, Navigationsleisten etc. bitten wir zu entschuldigen.

Die Keinzahnkatzen und ich arbeiten auf Hochtouren, um die Seite so schnell wie möglich in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Das grundsätzliche Layout finden wir auch schon ganz gut, aber am Feinschliff fehlt es natürlich noch (das Titelbild ist unscharf und die Formatierung der frühen Romankapitel ist beim Umbau ein bisschen abgestürzt). Wird alles wieder gut, so oder so.
 
Den Roman werde ich in den nächsten Tagen als pdf-Datei auf die Seite stellen; da stimmen die Formatierungen dann wieder. Und leichter runterladen und ausdrucken (Das hab ich jetzt nicht gesagt, oder?) lässt sich die Sache dann auch.
 
Ein neuer Artikel mit garantiert nicht w-wortlicher Thematik ist auch schon fast fertig und außerdem bekommen die Keinzahnkatzen, die ja viel mehr Freunde und Fans haben als ich, ihre feste Seite (auf der Seite).

Bleibt dran, es wird alles wieder schön – und passt bis dahin gut auf, dass ihr nicht versehentlich in die Baugrube fallt.

 

Grinsekatze geht ins Netz. Das große Finale.

Ein Wort vorweg: Natürlich ist die Geschichte der Grinsekatze nicht zu Ende erzählt. Sie wirft weiterhin ihre Netze auf Online-Dating-Seiten aus und zieht auch immer wieder ohne große Anstrengung großartiges und für eine literarische Verwurstung geeignetes Material an Land. Nichtsdestotrotz finde ich, dass das zum Finale des Blogromans aufgemotzte letzte Wochenenende im August, von dem diese finalen Kapitel handeln, einen guten (vorläufigen) Abschluss darstellt: Es gibt noch mal ganz großes Online-Dating-Kino vom Feinsten mit Sex, Lügen und Krankenhaus. Und dann eigentlich nicht mehr viel zu sagen…

Um eventuellen Unklarheiten vorzubeugen: Aus meiner Sicht kann ein offenes Ende definitiv ein Happy End sein, jawohl!
 
Vielleicht schreibe ich auch eines Tages die Fortsetzung der Grinsekatzen-Geschichte, das ist gar nicht mal so unwahrscheinlich. Aber vorher freue ich mich darauf, ein bisschen über die zahlreichen (zum großen Teil thematisch verwandten) Themen bloggen zu können, die im Roman keinen Platz gefunden haben, zum Beispiel über die Fragestellung „Online-Dating per Smartphone – Muss es mir egal sein, ob ein Mann keine Kommas setzen kann?“. Brennt mir auf den Nägeln, wirklich!
 
Den Grinsekatzen-Blogroman werde ich demnächst noch ein bisschen überarbeiten und dann als pdf-Datei auf die Seite stellen (Falls also noch jemand einen Fehler findet: Bitte nicht behalten, sondern bei mir abliefern!).

Danke für euer Interesse, die vielen motivierenden Rückmeldungen und Kommentare. Mir hat dieses Projekt unendlich viel Freude bereitet; wenn ihr auch Spaß hattet: umso besser! Lasst uns in Kontakt bleiben!

 

Grinsekatze feiert: Ein Jahr Online-Dating (Hoch die Tassen!)

In diesen Tagen feiere ich mein einjähriges Online-Dating-Jubiläum. Es ist eigenartig; einerseits kann ich mich noch bestens an meine Gedanken und Gefühle rund um meine Anmeldung im „Funclub“ erinnern (‚“als wäre es gestern gewesen!“), andererseits habe ich den Eindruck, dass mein Leben und ich uns seitdem mehrmals um die jeweils eigene Achse, umeinander und durch den Wolf gedreht haben – und dass fast alles irgendwie ein bisschen anders geworden ist.

 
Vor etwas mehr als einem Jahr lebte ich in dem Glauben, dass ich wahrscheinlich nie wieder einen Mann kennen lernen würde, der mich genug interessiert, um eine wie auch immer geartete Anstrengung zu unternehmen, ihn irgendwie in mein Leben zu integrieren. Das offizielle Ende meiner letzten Beziehung – „aus technischen Gründen“ – lag zu diesem Zeitpunkt eineinhalb Jahre zurück, aus meinem langjährigen Liebhaber war mein bester Freund geworden. Der Schock über diese erzwungene Umstellung war so langsam verarbeitet – und mit „verarbeitet“ meine ich „einer tief sitzenden Erschöpfung gewichen“. Mit Mitte dreißig war ich verliebt, optimistisch und hüpfenden Schrittes in diese Beziehung hineingegangen, zehn Jahre später kam ich wieder raus und fühlte mich schlapp, verbraucht und seltsam getrennt von meinem Gefühlsleben. Schlimm genug an sich, aber das Schlimmste war: Resignation. Ich hatte keine Idee, wie ich die Situation ändern könnte.
 
Obwohl ich, so glaube ich zumindest, in meinem Unglück nicht direkt unauffällig war (ich konnte, wenn auch gefühlsmäßig distanziert, ohne Weiteres darüber sprechen), hat mir aus meinem grundsätzlich empathischen Umfeld niemand jemals vorgeschlagen, es doch mit Online-Dating zu versuchen. Nicht mal die Bekannten und Freunde, die damit tatsächlich schon selbst Erfahrungen hatten!
Warum? Und warum ergeben aktuelle Studien in Deutschland, dass jede/r vierte Erwachsene bereits Erfahrungen mit dem Online-Dating hat, während sich in meinem nicht direkt kleinen Freundes- und Bekanntenkreis gerade mal sechs Personen dazu bekennen?
 
Woher die Idee in meinem Kopf dann plötzlich kam? Keine Ahnung. Ich hab’s auch vorher niemandem erzählt (anders als im Roman hat Claudi sich nämlich nicht auch dort angemeldet- sie hat erst einige Tage später von meiner Aktion erfahren!) , sondern mir heimlich still und leise ein paar Webportale angeschaut, auf denen verschiedene Dating-Sites verglichen wurden, in einige Seiten reingeschaut und mich dann für eine entschieden. Dass dieses Forum von vorneherein einen klaren Schwerpunkt auf Erotik setzt (statt auf Partnerschaft und Dating wie die meisten Portale, die „einen besseren Ruf“ haben), störte mich keineswegs, im Gegenteil. Ich sah mich zu der Zeit nicht als Single, hatte mich emotional noch nicht von meinem Ex-Freund gelöst und war in erster Linie auf der Suche mehr nach einem Bett- als nach einem Lebenspartner.
 
Das Schreiben meines ersten Profiltextes war eine aufregende Sache; die Frage „Wen will ich ansprechen und was muss ich dafür von mir mitteilen (und was lieber nicht?)“ stellt man sich ja im Privatleben sonst nicht häufig! Noch lustiger war die Frage, was für Fotos ich hochlade! Die Bilder, für die ich mich dann entschied, musste ich erst machen, und zwar höchstpersönlich mit der Digicam und dem Selbstauslöser, den ich vorher noch nie benutzt hatte. Reizvolle Klamotten mit der richtigen Dosis Einblick fanden sich auch erst nach längerem Suchen in den Tiefen des Kleiderschranks. Einen ganzen Abend verbrachte ich damit, mich in Szene zu setzen und dabei möglichst verführerisch und nicht zu blöd bzw. billig auszusehen. Erstaunlicherweise waren diese ersten Fotos gar nicht so schlecht. Und die Aktion machte unheimlich Spaß, so dass ich mein Profil schließlich sehr aufgeregt, aber auch sehr optimistisch vervollständigte und ins Netz hochlud! Die ersten Reaktionen (Komplimente für die Fotos und die Texte inklusive) lagen schon am nächsten Morgen vor. Allein die Erfahrung, dass ich, die ich wegen meiner weithin sichtbaren Attribute „schlau, fett und extrem eigensinnig“ mein Leben lang als „schwer vermittelbar“ galt (nämlich nur an Männer mit „special interest“, von denen ich aber wenige getroffen habe und noch weniger selbst attraktiv fand), plötzlich ins Beuteschema mehrerer Männer gleichzeitig passte und sozusagen freie Auswahl hatte, war absolut unbezahlbar.
 
Das Thema dieses Artikels ist ein anderes: Ich möchte hier und jetzt eine Lanze für das Online-Dating brechen. Es ist einfach, es ist bezahlbar und es macht Spaß! Man fängt einfach damit an und entwickelt seine Strategien durch Versuch und Irrtum weiter. Für fast alles gibt es im Zweifelsfall eine zweite oder dritte Chance. Es ist unglaublich gut für das Selbstbewusstsein, als Frau muss man fast nichts tun, um tolle Zuschriften von tollen Männern zu bekommen. Man kommt ganz leicht ins Gespräch mit Menschen, die man im wirklichen Leben niemals getroffen hätte (oder bei denen man nicht auf die Idee gekommen wäre, dass sie vielleicht auch auf der Suche und sogar interessiert sind). Man hat alle Fäden selbst in der Hand und entscheidet individuell, wie viel Engagement und Emotion man ins Suchen, ins Gefundenwerden oder einen speziellen Kontakt investieren möchte.
 
Ich persönlich habe mit ziemlich vielen Männern online korrespondiert. Mit manchen freundschaftlich, mit anderen sehr lustig und mit einigen wenigen eher knapp. Mit bisher sieben Männern hat sich tatsächlich so etwas wie ein echtes und gegenseitiges Interesse entwickelt, mit sechs von diesen sieben Typen habe ich mich dann tatsächlich getroffen. Mit drei von diesen Männern war nach dem ersten Date Schluss (das ist nachzulesen in der Grinsekatze) mit den anderen drei Männern nicht (das ist auch nachzulesen bzw. wird es in Bälde sein). Einer von ihnen hat mir ziemlich den Kopf verdreht – das ist auch ziemlich klasse! Mein Fazit nach einem Jahr lautet also: Ich fühle mich zuversichtlich, lebendig, glücklich, traurig, hysterisch (manchmal alles gleichzeitig!) und bin einfach wieder da! Ich probiere tausend neue Dinge aus, für die ich vor zehn Jahren zu verklemmt und unsicher war. Ich spreche und vor allem: schreibe über alles, was mich bewegt – und vielleicht ist das sogar noch besser als der verdrehte Kopf. Schreiben wollte ich immer, mein Leben lang – und jetzt mache ich es endlich! Das wäre ohne das ganze Material, das mir durch das Online-Dating in den Schoß fällt, vermutlich nicht passiert…
 

Online-Dating ist sicher kein Allheilmittel für jeden Kummer dieser Welt. Mir persönlich hat es eine Möglichkeit eröffnet, mein Leben nach einer ziemlichen Flaute frisch und positiv zu sortieren, mich selbst ein bisschen neu zu erfinden (erst im Netz, dann auch im wirklichen Leben) und ein paar lange vorhandene und nie gelebte Ideen noch mal genauer zu betrachten und zum Teil zu verwirklichen. Zum Feiern meines einjährigen Online-Dating-Jubiläums habe ich also jeden Grund – hoch die Tassen! Und drei neue Kapitel gibt es auch.

 

Grinsekatze braucht ein Pseudonym… oder?

Es gibt Momente, in denen ich feststelle, dass mein schöner Plan mit dem Veröffentlichen der Grinsekatzen-Abenteuer unter meinem eigenen Namen eventuell auch seine Schwachpunkte hat. Ich hatte mich ja vor dem Hochladen der ersten Kapitel dafür entschieden, weil ich a) schließlich mit meiner realen Identität zu dieser Geschichte, die mir ein wirkliches Anliegen ist, stehe und b) weil ich einfach keine Geheimnisse für mich behalten kann (und auch glaube, dass man sich grundsätzlich weniger Ärger einhandelt, wenn man möglichst wenig Geheimnisse hüten muss).

 
Wie aufmerksame Leser wissen, hole ich, damit meine Mutter nicht mit mir schimpft, vor jedem ersten Treffen mit einer neuen Internet-Bekanntschaft die Personaldaten des betreffenden (betroffenen?) Mannes ein. Nur damit meine Mutter einen Anhaltspunkt hat, falls ich ich mich am nächsten Morgen nicht gesund und munter zurückmelde. Diese Aktion leite ich immer mit dem Hinweis auf meine Mutter und ihre Sorge um mich ein. Weil gleiches Recht für alle gelten sollte, gehe ich dann mit gutem Beispiel voran und enthülle auch meinen Namen etc. Hat bisher immer funktioniert – wie sollte ein Mann diese Bitte wohl auch ablehnen, ohne dass sich das erste Date damit erledigt hat?
 
So weit, so gut. Ich gehe mal davon aus, dass die meisten Männer – anders als wir Frauen – erstens nicht mit ihren Müttern über ihre Erfolge beim Online-Dating reden und zweitens nicht in dem Glauben aufgewachsen sind, dass Statistiken zufolge eine von zehn Frauen, mit denen sie sich online verabreden, eine Serienmörderin ist ;-) Trotzdem möchte ich nicht ausschließen, dass vielleicht doch der eine oder andere Mann, der den vollständigen Namen seines Dates im Voraus erfährt, diesen doch bei Google oder Facebook eingibt. Nur mal schnell gucken, wie die Fotos da aussehen oder ob die Dame ihren Beziehungsstatus angibt…
 
Ist ja völlig in Ordnung und verständlich, aber… Was denkt ein Mann, der sich mit mir verabredet hat, dem ich meinen Namen sage und der dann, ohne was Böses zu ahnen, irgendwo im Netz auf meinen „Blogroman übers Online-Dating“ stößt? Wer trifft sich wohl noch unbefangen mit einer Frau, die mehr oder weniger in Echtzeit über ihre Erfahrungen mit dieser Freizeitbeschäftigung schreibt? Bei der er damit rechnen muss, bald alle guten (und noch mehr die schlechten) Witze wiederlesen zu dürfen, die er gemacht hat… und die schlechten (und vielleicht auch guten) Witze, die mir zu ihm und unserem Treffen einfallen?
 
Ich hatte mich diese Woche zu einem ersten Date verabredet (daraus ist dann allerdings nichts geworden)… und zwei Tage lang überlegt, ob ich dem Typen meine persönlichen Daten geben soll oder nicht. Die Alternative (ihm meine Daten nicht zu verraten, nach seinen nicht zu fragen und meiner Mutter die Verabredung zu verheimlichen) kam mir aber auch problematisch vor. Also war ich brav und schickte ihm – begleitet von einem kurzen Stoßgebet – die „Ich bekomme übrigens Ärger mit meiner Mutter, wenn…“-Mail und meine Kontaktdaten. Etwa vierundzwanzig Stunden vor unserer Verabredung. Er meldete sich dann dreiundzwanzigeinhalb Stunden später – und hatte mich offensichtlich noch nicht gegoogelt, war also bereit, mich zu treffen. Bis zu diesem Moment hatte ich genügend Zeit gehabt, mir bange Gedanken zu der Frage zu machen, wie ich das Risiko, dass Männer mich wegen der Grinsekatzen-Schreiberei vielleicht nicht mehr treffen wollen, minimieren kann.
 
Eingefallen sind mir – bisher – die folgenden Möglichkeiten:
1) Dating mit Googleplus: Habe ich schon einmal probiert; hatte den großen Vorteil, dass wir beide vorher wussten, mit wem wir es zu tun bekommen (um genau zu sein, war mein Hinweis auf die Grinsekatze sogar das, worauf der beteiligte Mann zunächst aufmerksam geworden war). Wenn Googleplus (oder zumindest die Kreise, in denen ich verkehre) nicht gerade täglich langweiliger und stiller würde, weil die meisten interessanten Menschen im Zusammenhang mit dem dort herrschenden Klarnamenzwang schon wieder abgewandert sind, wäre das sicher die zu favorisierende Lösung.
 
2) Dating mit Twitter („Twating“?): Bei Twitter ist kaum jemand unter seinem realen Namen unterwegs. Es interessiert sich aber auch kein Twitterer für die Identität seiner Follower im sogenannten wirklichen Leben. Mein avisiertes Date und ich würden vermutlich keine Personalbögen austauschen – wir wüssten so oder so schon viel zu viel voneinander. Meine Mutter könnte zu ihrer Beruhigung sowohl mir wie meinem Dating-Partner unter dem Hashtag #GrinsekatzenDate folgen und sozusagen live dabei sein. Kleiner Nachteil: Wie soll ich jemals jemanden in nur 140 Zeichen davon überzeugen, dass er mich treffen will?
 
3) Dating weiterhin auf Dating-Plattformen unter Pseudonym, wie gehabt. Damit ich potenziellen Partnern vor der ersten Verabredung ein Profil ohne Grinsekatzen-Stories anbieten kann, lege ich mir eine zweite Identität zu, und zwar unter meinem fast richtigen Namen (Übrigens: Danke @Ennomane für den entscheidenden Geistesblitz zu dieser Idee!). Also z. B. als „Bettina G. Kok“ („G“ stünde für Grinsekatze). Mit einem echten Foto und einer fast echten Biografie, in der nicht als einziges Hobby „Online-Dating“ steht, sondern… äh… z. B. Nordic Walking, Cupcake-Backen und bei Ikea die Schuhschrank-Abteilung umräumen. Ein solches Zweitprofil ließe sich bei Googleplus und Facebook ganz leicht einrichten und böte einem Mann bis zur ersten Verabredung genügend Material aus meinem Offline-Dasein – ohne verfängliche Details.
 
Nach einer erfolgreichen Erstbesichtigung könnte ich meinem Date dann persönlich und vorsichtig erklären, dass es die Grinsekatze gibt, er sich aber – zumindest in der nächsten Zeit – nicht darin wiederfinden wird, weil der erste Band so gut wie abgeschlossen ist. (Wenn er mir jedoch sehr gutes Material liefert, ist es natürlich möglich, dass Band 2 fast ausschließlich von ihm handeln wird… )
 

Was meint ihr? Taugt einer von diesen Ansätzen was? Hat noch jemand eine bessere Idee für mich? Könnt ihr ja mal drüber nachdenken, während ihr die Kapitel 28 und 29 lest.

 

Grinsekatze packt aus: Auch ich bin onlinesüchtig.

Hallo. Ich heiße Grinsekatze – und bin onlinesüchtig. Jawohl, ich auch. Und das, obwohl ich als Frau und im stolzen Alter von 47 gar nicht so richtig zur Zielgruppe dieser Sucht gehöre. Ich habe auch einen Job, den ich die meiste Zeit echt toll finde, und ebensolche Freunde im so genannten realen Leben. Trotzdem: Ich bin ganz klar onlinesüchtig, die wesentlichen Kriterien (Eingenommensein vom Internet, Unfähigkeit zur Abstinenz, Toleranzentwicklung, Entzugssymptome) sind nicht zu übersehen.

 
Ich bin nämlich sehr vom Internet eingenommen, halte es sozusagen für die beste Erfindung seit Katzenfutter in Dosen. Freiwillige Abstinenz kommt praktisch nicht mehr vor; wenn ich nicht per Büro-Rechner, Heimat-Laptop oder Unterwegs-Notebook online bin, ist mein internetfähiges Smartphone im Einsatz – und das schalte ich nur in Flugzeugen, beim Arzt und im Theater aus (dort vor allem, damit die Bühnentechniker nicht plötzlich meine Twitter-Timeline auf ihrem Funkkanal haben!). Sonst bestenfalls (und um netten Offlinern einen Gefallen zu tun): lautlos. Toleranzentwicklung, das „Mehr ist mehr“-Gefühl, ergibt sich aus der Menge der morgens abgegebenen Kommentare in sozialen Netzwerken und Blogs, bei denen im Laufe des Tages überwacht werden muss, ob sie ihrerseits wieder kommentiert werden. Über die Entzugssymptome in den Momenten, in denen ich zwangsweise über eine längere Zeit offline sein muss, möchte ich hier nicht sprechen, aber glaubt mir: Es gibt sie und sie sind kein schöner Anblick!
 
Bei den von Fachleuten in Aussicht gestellten negativen sozialen Konsequenzen bin ich nicht ganz sicher. Ich verspüre eigentlich keine, aber vielleicht meine Mitmenschen? Immerhin sind manche von ihnen hochgradig irritiert, wenn z. B. ein gemeinsames Mittagessen damit beginnt, dass ich bei Foursquare einchecke und dabei entweder jubele (weil ich gerade Bürgermeister des öffentlichen Klos am Hauptbahnhof geworden bin) oder fluche (weil mir der Bürgermeistertitel gerade weggeschnappt wurde oder – noch schlimmer – das blöde GPS nicht funktioniert und ich nicht einchecken kann!). Oder weil ich in einer Gesprächspause plötzlich anfange zu kichern, um dann auf Nachfrage zu erklären: „Gnihihi. Der @bako 13 hat heute getwittert: ‚Der Erfinder der Autokorrektur ist ein Armschlauch!‘ Gnihihi!“).
 
Positive soziale Konsequenzen gibt es auf jeden Fall: Nicht nur beim Online-Dating (da aber natürlich auch!) habe ich großartige neue Kontakte geknüpft. Einige davon bleiben online, andere halten auch in mein Offline-Leben Einzug. Bereichern tun mich beide Gruppen gleichermaßen. Leider habe ich noch nicht viele Online-Süchtige meines Alters getroffen; meine Generation dominieren die „Ich nutze das Internet schon beruflich den ganzen Tag, privat will ich diesen Zeitfresser nicht“-Sturköpfe und natürlich die Internet-Ausdrucker (die nur dann zu entschuldigen sind, wenn ihr Geburtsdatum nachweislich vor 1945 liegt). Onlinesucht betrifft größtenteils Personen, die mindestens zehn Jahre jünger sind als ich. Immerhin (!) sind aber die meisten von ihnen Männer, was ja – wenn man das Ganze vom „Online-Dating ist überall“-Standpunkt aus betrachtet – nicht weiter schlimm ist.
 
Mit der Onlinesucht ist einiges anders geworden: Vorbereitungen für Reisen und Ausflüge ins Grüne drehen sich nicht mehr um den Wetterbericht und darum, ob man Gummistiefel, Bikini und/oder Handschuhe mitnimmt, sondern um die Frage, ob es „da“ wohl WLAN gibt und wo ich den Smartphone-Akku aufladen kann (und im Zweifelsfall nehme ich dann mein Netbook mit. Nicht, um online zu gehen oder ein Grinsekatzen-Kapitel zu schreiben, sondern um daran unterwegs den Handy-Akku zu laden). Wenn jetzt jemand sagt, dass diesem Verhalten der Geschmack von Besschaffungskriminalität anhängt, widerspreche ich nicht.
 
Mein Leben hat sich aber auch dahingehend verändert, dass ich kreativer geworden bin. Diese Website gäbe es – logisch! – nicht ohne Internet. Sicher hätte ich meine persönliche Geschichte des Online-Datings auch „ganz normal“ schreiben können – aber dann läge jetzt vermutlich ein weiteres halbfertiges und von niemandem gelesenes Romanmanuskript in meiner Schublade.
 
Vernachlässigt habe ich bisher außer dem Fernsehprogramm nicht vieles, glaube ich. Doch, eins vielleicht: Kochen und essen. Seit ich meine freien Abende gerne im Internet verbringe, habe ich so ganz nebenbei zwei bis drei Kleidergrößen an Umfang verloren. Was aber auch nicht direkt ein Problem darstellt ;-)
 

Mein Fazit: Onlinesucht gefällt mir! Zumindest meine persönliche. Und empfehlen und teilen würde ich sie auch. Mit euch. Wenn ihr denn wollt. Ach ja, und die Kapitel 26 und 27 habe ich auch fertig.

 

Die Grinsekatze, die innere Schlampe und die Stimme der Vernunft

Die meisten von uns geraten ja im Laufe der Zeit in Kontakt mit unseren abgespaltenen multiplen Persönlichkeiten. Viele mit dem höchst populären inneren Kind, Übergewichtige wie ich auch gerne mit der dünnen Frau, die angeblich an die Oberfläche will (die in meinem Fall aber von diesem bei jeder Diät drohenden Jojo-Effekt rausgeschleudert worden ist und infolgedessen nichts mehr sagt). Statt dessen meldet sich aber gerne die in mir lebende innere Schlampe zu Wort. Seit ich mit dem Online-Dating begonnen habe, immer häufiger; sie zwingt mich morgens schon vor dem ersten Kaffee zum Mailchecken an den Laptop.

 
Sie weiß schon, wie sie mich manipulieren kann: Nur mal angenommen, ich lerne auf einer der einschlägigen Seiten im Internet einen tollen, aber eigentlich völlig unpassenden Typen kennen: Der findet mich schön, macht mir total unanständige Komplimente, will offensichtlich nur spielen und ist vor allem viel, viel zu jung. Ich bin mehr als unentschlossen, doch plötzlich höre ich die sanfte Stimme meiner inneren Schlampe: „Wenn er spielen will, dann spiel doch mit ihm. Muss ja nichts dabei rauskommen.“
 
Andererseits gibt es da natürlich auch noch die Stimme der Vernunft. Die ist ein bisschen außer Übung (weil sie ewig nichts zu tun hatte – ich war jahrelang so brav, dass sogar die Vernunft die Hoffnung auf ein bisschen Unterhaltung aufgegeben hatte!) und merkt deswegen ziemlich spät, dass die Schlampe in mir ungehemmt in Richtung Oberfläche drängt. Die Stimme der Vernunft – etwas schrill und mit kleinem Vibrato – meldet sich pflichtbewusst zu Wort und geht der Schlampe und mir ganz schön auf die Nerven mit ihren Bedenken und Ermahnungen.
 
Nun ja, ihr habt es ja schon gelesen: Die Stimme der Vernunft verhallte damals mehr oder weniger ungehört. Ich habe mich trotz ihrer Einwände mit Ranger getroffen und die innere Schlampe hatte ihren großen Tag. Die Vernunft blieb an dem Abend übrigens aus Protest zu Hause und schmollte. Was ich ihr allerdings hoch anrechne, ist, dass sie in den folgenden Tagen und Wochen, in den Ranger nicht zu einer Reaktion zu bewegen war, nicht ständig triumphierend darauf herumritt, dass sie es ja immer gewusst habe und es uns hätte sagen können, wenn wir nicht zu blöd gewesen wären… schadenfroh ist sie dann doch nicht. Statt dessen berieten sich die innere Schlampe und die Stimme der Vernunft sogar stunden- und tagelang miteinander.
 
Um auf andere Gedanken zu kommen, sichtete ich währenddessen mal wieder die Männerprofile im Internet, schrieb einen netten, aber harmlosen Typen an und verabredete mich mit ihm. War so unspannend, wie es klingt: Die innere Schlampe schlief schon beim Essen mit dem Mann ein und ließ mich und die Vernunft sitzen. Und selbst die langweilte sich, so dass wir an diesem Abend dann doch allein nach Hause gingen.
 
Am nächsten Tag war ich verwirrter denn je. Mein Umfeld glaubte längst nicht mehr daran, dass mit Ranger noch etwas laufen könnte, und reagierte eher entnervt auf meine Ankündigung, dass ich nicht frei für andere Männer sein könne und wolle, bevor ich da nicht noch was geklärt habe. Die Schlampe leistete stundenlange Überzeugungsarbeit bei der Vernunft, bis diese wieder auf der richtigen Seite stand. Und so schrieben wir dann quasi zu dritt eine Mail an Ranger…
 

Hier sind die Kapitel 23, 24 und 25: Alles Geschichten, die das Leben so oder so ähnlich schreiben könnte.

 

Grinsekatzenjammer

Im Nachhinein kommt mir die Woche nach meinem ersten Treffen mit Ranger ziemlich surreal vor. Immerhin hatte ich die großartigste Nacht aller Zeiten hinter mir (zumindest nach meiner Zeitrechnung) – und dann verschwindet der daran auf nicht unwesentliche Weise beteiligte Mann plötzlich von unserem Planeten? Und ich dusselige Kuh brauche auch noch tagelang, das zu bemerken?

 
Es stimmt, ich war unheimlich beschäftigt in den ersten Tagen, an denen ich durchaus hätte merken können, dass etwas nicht stimmt. Richard war wieder in Hamburg, ich musste (wegen des fehlenden Personalbogens von Ranger) den zeitlichen Ablauf der Dinge für meine Mutter etwas verändern – und ich war ja fest entschlossen, ganz entspannt mit der Tatsache umzugehen, dass Ranger mich total von den Socken gehauen hatte. Bloß keinen Stress und keine Panik verbreiten, dachte ich… und außerdem ist das ja alles nichts Ernstes, sondern nur Spielkram.
 
Einziger Haken: Es fühlte sich plötzlich nicht mehr wie ein Spiel an. Die Grinsekatze hing im Netz, und zwar gründlich. Und mal ehrlich: Nur wegen eines läppischen Altersunterschieds im zweistelligen Bereich und der Tatsache, dass ein Mann in einem Paralleluniversum namens Web 2.0 lebt, verliert eine Begegnung, an der es nun mal wirklich gar nichts auszusetzen gibt, doch nicht an Bedeutung! Ebenso wenig der Wunsch, dem ersten Treffen weitere folgen zu lassen.
 
Als ich also endlich kapiert hatte, dass Ranger ganz offensichtlich nicht die Absicht hatte, unseren Kontakt fortzusetzen oder gar auszubauen, und statt dessen wohl beschlossen hatte, sämtliche Versuche meinerseits, wieder ins Gespräch zu kommen, zu ignorieren, wurde mir (unter anderem) klar, dass er wahrscheinlich noch weniger von mir wusste als ich von ihm. Denn wenn ich was bin, dann hartnäckig! Wenn mir ein Anliegen nur wichtig genug ist, dann auch bis weit über die Schmerz- und Peinlichkeitsgrenze hinaus! Aber das konnte Ranger ja zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen, der Arme. Er dachte wohl wirklich, ich würde mich schon beleidigt zurückziehen, wenn er nur cool bleibt und einfach nicht reagiert. Das kommt davon, wenn man sich mit fremden Frauen einlässt…

Kapitel 21 und 22 stellen den Beginn des zweiten Teils der Grinsekatze dar, der (zwangsläufig ;-) eher eine kontemplative und selbstreflexive Phase widerspiegelt. Diese dokumentiert übrigens auch meine beginnende Besessenheit mit dem modernen Internet (ohne Google hätte ich Ranger nämlich wahrscheinlich nie wieder gefunden).

 

Grinsekatze, nachts im Park.

So, das Warten hat ein Ende: Endlich kommen wir zu dem Moment, wo die Grinsekatze und der Ranger sich im selben Moment aus dem Haus trauen und es tatsächlich zu einer Begegnung in der echten und wirklichen Welt kommen lassen, um mal zu schauen, was von der gegenseitigen Attraktion aus der virtuellen Welt dort bestehen kann.

 
Und das auch noch unter den bestmöglichen Umständen, nämlich spontan, in höchster Eile und mit kleinen Missverständnissen. Diese Vorgehensweise kann ich nur empfehlen! Funktioniert super und hilft – auch wenn man wegen irgendwelcher Kleinigkeiten natürlich trotzdem hysterisch wird – gegen die Basis-Aufregung, die sonst bei einem Erstbesichtigungstermin mit einem Mann, mit dem man einen ganzen Monat lang per Mail kleine und größere Unanständigkeiten ausgetauscht hat, komplett unvermeidlich wäre (zumindest in meinem Fall).
 
Fast unnötig sicherlich zu erwähnen, dass mein Treffen mit Ranger dann absolut perfekt war – nämlich mehr oder weniger so, wie wir uns das vorher zurecht-fantasiert hatten. Ein kleineres Wunder eben, das – so glaube ich – nur möglich wurde, weil wir zwar mit einem klaren Vorsatz in unser Treffen gegangen sind, dann aber offenbar im richtigen Moment damit aufgehört haben, irgendetwas erzwingen zu wollen. Wir haben das, was sich da alles zwischen uns „angesammelt“ hatte, aufeinander prallen lassen und dann einfach alles mitgenommen, was passieren wollte.

Anbei die Kapitel 18, 19 und 20. Beim Lesen viel Vergnügen!

 

Grinsekatze zappelt im Netz.

Es hat sich ja schon in den letzten Kapiteln angedeutet: Nach dem Eintreten von Ranger in mein Leben ist nichts mehr wie vorher. Ich bin komplett fasziniert von meinem neuen Brieffreund und habe gleichzeitig keine Ahnung, was ich mit ihm anfangen soll (in den seltenen Momenten, in denen mein Hirn eingeschaltet ist und ich mir überhaupt irgendwelche Gedanken mache). Obwohl: Wenn ich die Korrespondenz jetzt wieder lese: Ist doch klar, worauf das hinausläuft, oder? Wahrscheinlich merken es alle, bloß ich nicht…

 
Es dauert allerdings noch, bis wir uns im sogenannten wirklichen Leben gegenüber stehen (was den Blogroman angeht: bis nächste Woche). Bis dahin schaukeln wir uns gegenseitig hoch (ich stelle beim Wiederlesen übrigens fest, dass ich hier oft die treibende Kraft bin – sollte mir das im Nachhinein unangenehm sein?) und tun so, als gäbe es ständig Möglichkeiten, frei über die in Frage kommenden Aktionen und Reaktionen zu entscheiden. Ich versichere: Gibt es nicht. Das Schicksal sieht uns oder zumindest mich im Netz zappeln, sagt sich „Niedlich – aber wir haben ja noch viel Zeit, kein Grund zu überstürzter Eile!“ und lässt uns einfach machen. Wohl wissend, dass keine wie auch immer gearteten Bedenken uns jetzt noch ernstlich aufhalten werden. Tolle Wurst. Vegetarische Wurst, versteht sich.
 

Es kommen die Kapitel 15 bis 17. Für die, die finden, dass ich mich mal wieder unmöglich verhalte: Das hier ist nichts gegen das, was wenig später noch alles passiert. Viel Spaß!

 

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