Grinsekatze geht ins Netz

Die Katze auf dem heißen Schwebebalken – Nur weil ich über meine Witze lache, sind sie noch lange nicht komisch!

Ich gehöre zu den Menschen, denen man einen eher individuellen Sinn für Humor nachsagt. Das hat zum Beispiel damit zu tun, dass ich regelmäßig – und oft in krassem Missverhältnis zu der Mühe, die ich mir damit mache, mich so klar wie möglich auszudrücken – immer mal wieder missverstanden werde. Auf Twitter und in diesem Blog ebenso wie im sogenannten wirklichen Leben. Was ich umwerfend und zum Brüllen komisch finde, bringt manchmal niemanden in meinem Umfeld zum Lachen. Das war schon immer so und wird sich vermutlich auch zu meinen Lebzeiten nicht mehr ändern.

Diesen Tweet fand offenbar keiner witzig… außer mir!

Ebenso wird meine Sichtweise auf die verschiedenen Aspekte des Online-Datings gelegentlich missinterpretiert. Was sicherlich damit zu tun hat, dass diese Sicht von zwei sehr unterschiedlichen Hauptbestandteilen genährt wird. Nämlich
1) von dem schlichten und ernsthaften Wunsch, auf diese Weise Männer ausfindig zu machen, die mir ohne Dating-Plattform aller Wahrscheinlichkeit nach nicht begegnen würden, und festzustellen, ob es unter ihnen vielleicht einen gibt, den ich toll finde und der das wiederum nicht schrecklich findet;
2) von der Hoffnung, dass bei dieser Suche der Weg zu einem nicht unerheblichen Teil das Ziel sein kann. Wohl wissend, dass die für mich geeigneten Männer nicht gerade an jeder Ecke warten und dass der Findungsprozess sich noch etwas hinziehen kann (mal davon abgesehen, dass es keine Erfolgsgarantie gibt), halte ich es für nicht nur legitim, sondern geradezu für lebenswichtig, Freude an dem zu haben, was ich da tue.

Diese zwei Komponenten bestimmen mein Vorgehen beim Online-Dating in gleicher Weise wie mein Schreiben über das Thema. Der Grinsekatzen-Roman, der sich ja mehr oder weniger als ein Online-Tagebuch meiner Anfänge auf diesem Gebiet präsentiert, ist noch ganz stark von der ersten Komponente, der Suche nach dem passenden Partner, bestimmt und zum Teil mit viel Emotion und wenig Abstand geschrieben worden. Die als Einleitung zu den Roman-Kapiteln veröffentlichten und mehr noch die späteren Artikel in diesem Blog hingegen finden ihre Inhalte und auch ihre Perspektive überwiegend durch die zweite Komponente: Seit meine Beschäftigung mit dem Grinsekatzen-Roman (zunächst einmal) abgeschlossen ist, greife ich unterschiedliche Aspekte des Online-Datings auf, die mir persönlich wichtig sind und zu denen ich etwas zu sagen habe. Mal mit mehr, mal mit weniger Emotion und mal mit mehr, mal mit weniger Humor.


Nicht witzig? Echt nicht?

Gemein ist allen Artikeln in diesem Blog der „therapeutische Hintergrund“ meines Schreibens – so wie übrigens auch mein Online-Dating selbst zu Beginn so eine Art selbstverordnete Therapie darstellte. Was Männer, Liebe und Sexualität anging, war ich schlicht total planlos, bevor ich auf die hervorragende Idee kam, es mit dem Online-Dating zu probieren. Meine langjährige Beziehung war aufgrund der Erkrankung meines Freundes und der Nebenwirkungen seiner Therapie zu einer „Freundschaft minus“ geworden. Ziemlich lange war ich darüber so sehr im Schock, dass ich nichts vermisste… oder zu vermissen meinte. Dann nahm ich allmählich wieder Bedürfnisse meinerseits wahr – und hatte zunächst keine Idee, wie ich damit umgehen sollte. Bis ich mich beim Joyclub anmeldete… daraufhin hatte ich endlich wieder konkrete Probleme…

Die Sache ist nämlich die: Wenn ich mich aufs Online-Dating auch emotional einlasse, werde ich früher und/oder später auch mal enttäuscht und verletzt. Es fühlt sich schon eigenartig an, wenn ein interessanter Mann mir ein paar Tage oder Wochen lang schreibt, mir Komplimente macht und dann plötzlich ohne Abschied aus meiner Kontaktleiste verschwindet. Wenn ich aber sogar ein Treffen mit diesem interessanten Mann verabrede, dieses Treffen tatsächlich stattfindet, für beide Seiten erfolgreich verläuft und der Mann sich anschließend trotzdem nie wieder meldet (und auf eine eventuelle Nachfrage meinerseits gar nicht oder höchst abwehrend reagiert), fühlt sich das nicht nur eigenartig, sondern ziemlich mies an. Und sobald eine Online-Dating-Geschichte vom virtuellen ins sogenannte wirkliche Leben überführt wird, ist eine Abfuhr – Überraschung! – genauso schlimm wie im wirklichen Leben.

Und noch einer, über den keiner gelacht hat…

Wenn ich mich aufs Online-Dating aber nicht emotional einlasse, sondern immer schön meine Distanz wahre (zu den Männern ebenso wie zu meiner Gefühlswelt), dann wird das Ganze sehr schnell sehr beliebig. Wenn mir die Männer sowieso egal bleiben, egal wie toll sie sind, dann müssen sie ja auch gar nicht so toll sein. Hauptsache, es gibt keine Tage, an denen mein Posteingang leer bleibt und mir niemand Komplimente macht. Lieber ein paar Männer mehr als weniger in der Warteschleife; dann ist es auch nicht so schlimm, wenn mal einer wegbleibt. Aber ist es wirklich eine gute Idee, sich online ausführlich mit Männern auszutauschen, von denen man genau weiß, dass man, träfe man sie in einer Kneipe oder im Supermarkt, nach fünf Minuten aus der Unterhaltung aussteigen würde, weil es einfach nicht passt? Es bleibt ja meistens nicht beim Schreiben, früher oder später fragen die meisten Herren nach einem Date. Und dann? Sagen: Ach, du bist überhaupt nicht mein Typ, ich habe dir nur immer diese ausführlichen und lustigen Mails geschrieben, weil mein Fernseher kaputt ist? Oder sich treffen mit einem Mann, der nicht passt, und ihm dann sagen: Du bist genau, wie ich erwartet habe – nämlich der Falsche für mich? Oder mit dem falschen Typen bedeutungslosen Sex haben?

Ich fürchte, man stumpft in dieser Hinsicht schneller ab, als man gemeinhin so denkt. Ich auf jeden Fall. Nicht erstrebenswert. Und außerdem habe ich mit dem Online-Dating angefangen, um wieder mit meinem Gefühlsleben am selben Strang zu ziehen – es kann also nicht Sinn der Sache für mich sein, mich grundsätzlich emotional nicht auf das, was ich mache, einzulassen. Da ich mich andererseits aber auch nicht ständig prophylaktisch in einem Mann verlieben will, mit dem sich dann doch nicht viel ergibt, um anschließend unglücklich sein zu können, gilt es, einen Mittelweg zu finden. Die Männer im Großen und Ganzen ernst zu nehmen und manchmal sogar mich selbst. Aber nicht so ernst, dass ich nicht auch die komischen und skurrilen Momente zu schätzen wüsste, die sich auch in den schönsten und romantischen Momenten unweigerlich ergeben.

Ach, Menno!

Einen Mittelweg, auf dem ich einerseits offen für mein Gefühlsleben (und vielleicht sogar für die Gefühle meines Gegenübers) sein kann und andererseits nicht hilf-, schutz- und distanzlos meinen Emotionen ausgeliefert bin. Das ist gar nicht so einfach. Ich muss für jeden Mann, mit dem ich zu tun habe, meine Position neu und individuell bestimmen. Klappt mal besser, mal weniger gut. Was dabei hilft: Spaß daran zu haben. An dem, was ich erlebe, und daran, wie ich das Erlebte verarbeite. An den Sachen, die gut laufen, und auch an den Sachen, die überhaupt nicht gut laufen. Nach einem vergurkten Date nach Hause kommen und denken: „Na warte, darüber werde ich schreiben! Du wirst dich wundern!“ Nach einem geglückten Date nach Hause kommen und denken: „Na warte… oh, Moment, darüber sollte ich wohl besser nicht schreiben! Wie wunderbar.“

Und dabei sollen Witze mit Tieren doch immer gehen…

Für mich funktioniert es so. Wenn ich das Online-Dating einerseits ganz ernst nehme und andererseits immer nach den Aspekten (vor allem) meines Daseins Ausschau halte, über die ich mich lustig machen kann, dann kann der sorgsam erarbeitete Mittelweg sogar ein Schwebebalken sein, von dem ich – voller Freude – gelegentlich kopfüber abstürze: Der therapeutische Effekt bleibt erhalten. Und die Freude an dem, was ich da mache, auch. Selbst wenn mal wieder niemand über meine Witze lacht.

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