Grinsekatze geht ins Netz

Grinsekatze braucht ein Pseudonym… oder?

Es gibt Momente, in denen ich feststelle, dass mein schöner Plan mit dem Veröffentlichen der Grinsekatzen-Abenteuer unter meinem eigenen Namen eventuell auch seine Schwachpunkte hat. Ich hatte mich ja vor dem Hochladen der ersten Kapitel dafür entschieden, weil ich a) schließlich mit meiner realen Identität zu dieser Geschichte, die mir ein wirkliches Anliegen ist, stehe und b) weil ich einfach keine Geheimnisse für mich behalten kann (und auch glaube, dass man sich grundsätzlich weniger Ärger einhandelt, wenn man möglichst wenig Geheimnisse hüten muss).

 
Wie aufmerksame Leser wissen, hole ich, damit meine Mutter nicht mit mir schimpft, vor jedem ersten Treffen mit einer neuen Internet-Bekanntschaft die Personaldaten des betreffenden (betroffenen?) Mannes ein. Nur damit meine Mutter einen Anhaltspunkt hat, falls ich ich mich am nächsten Morgen nicht gesund und munter zurückmelde. Diese Aktion leite ich immer mit dem Hinweis auf meine Mutter und ihre Sorge um mich ein. Weil gleiches Recht für alle gelten sollte, gehe ich dann mit gutem Beispiel voran und enthülle auch meinen Namen etc. Hat bisher immer funktioniert – wie sollte ein Mann diese Bitte wohl auch ablehnen, ohne dass sich das erste Date damit erledigt hat?
 
So weit, so gut. Ich gehe mal davon aus, dass die meisten Männer – anders als wir Frauen – erstens nicht mit ihren Müttern über ihre Erfolge beim Online-Dating reden und zweitens nicht in dem Glauben aufgewachsen sind, dass Statistiken zufolge eine von zehn Frauen, mit denen sie sich online verabreden, eine Serienmörderin ist ;-) Trotzdem möchte ich nicht ausschließen, dass vielleicht doch der eine oder andere Mann, der den vollständigen Namen seines Dates im Voraus erfährt, diesen doch bei Google oder Facebook eingibt. Nur mal schnell gucken, wie die Fotos da aussehen oder ob die Dame ihren Beziehungsstatus angibt…
 
Ist ja völlig in Ordnung und verständlich, aber… Was denkt ein Mann, der sich mit mir verabredet hat, dem ich meinen Namen sage und der dann, ohne was Böses zu ahnen, irgendwo im Netz auf meinen „Blogroman übers Online-Dating“ stößt? Wer trifft sich wohl noch unbefangen mit einer Frau, die mehr oder weniger in Echtzeit über ihre Erfahrungen mit dieser Freizeitbeschäftigung schreibt? Bei der er damit rechnen muss, bald alle guten (und noch mehr die schlechten) Witze wiederlesen zu dürfen, die er gemacht hat… und die schlechten (und vielleicht auch guten) Witze, die mir zu ihm und unserem Treffen einfallen?
 
Ich hatte mich diese Woche zu einem ersten Date verabredet (daraus ist dann allerdings nichts geworden)… und zwei Tage lang überlegt, ob ich dem Typen meine persönlichen Daten geben soll oder nicht. Die Alternative (ihm meine Daten nicht zu verraten, nach seinen nicht zu fragen und meiner Mutter die Verabredung zu verheimlichen) kam mir aber auch problematisch vor. Also war ich brav und schickte ihm – begleitet von einem kurzen Stoßgebet – die „Ich bekomme übrigens Ärger mit meiner Mutter, wenn…“-Mail und meine Kontaktdaten. Etwa vierundzwanzig Stunden vor unserer Verabredung. Er meldete sich dann dreiundzwanzigeinhalb Stunden später – und hatte mich offensichtlich noch nicht gegoogelt, war also bereit, mich zu treffen. Bis zu diesem Moment hatte ich genügend Zeit gehabt, mir bange Gedanken zu der Frage zu machen, wie ich das Risiko, dass Männer mich wegen der Grinsekatzen-Schreiberei vielleicht nicht mehr treffen wollen, minimieren kann.
 
Eingefallen sind mir – bisher – die folgenden Möglichkeiten:
1) Dating mit Googleplus: Habe ich schon einmal probiert; hatte den großen Vorteil, dass wir beide vorher wussten, mit wem wir es zu tun bekommen (um genau zu sein, war mein Hinweis auf die Grinsekatze sogar das, worauf der beteiligte Mann zunächst aufmerksam geworden war). Wenn Googleplus (oder zumindest die Kreise, in denen ich verkehre) nicht gerade täglich langweiliger und stiller würde, weil die meisten interessanten Menschen im Zusammenhang mit dem dort herrschenden Klarnamenzwang schon wieder abgewandert sind, wäre das sicher die zu favorisierende Lösung.
 
2) Dating mit Twitter („Twating“?): Bei Twitter ist kaum jemand unter seinem realen Namen unterwegs. Es interessiert sich aber auch kein Twitterer für die Identität seiner Follower im sogenannten wirklichen Leben. Mein avisiertes Date und ich würden vermutlich keine Personalbögen austauschen – wir wüssten so oder so schon viel zu viel voneinander. Meine Mutter könnte zu ihrer Beruhigung sowohl mir wie meinem Dating-Partner unter dem Hashtag #GrinsekatzenDate folgen und sozusagen live dabei sein. Kleiner Nachteil: Wie soll ich jemals jemanden in nur 140 Zeichen davon überzeugen, dass er mich treffen will?
 
3) Dating weiterhin auf Dating-Plattformen unter Pseudonym, wie gehabt. Damit ich potenziellen Partnern vor der ersten Verabredung ein Profil ohne Grinsekatzen-Stories anbieten kann, lege ich mir eine zweite Identität zu, und zwar unter meinem fast richtigen Namen (Übrigens: Danke @Ennomane für den entscheidenden Geistesblitz zu dieser Idee!). Also z. B. als „Bettina G. Kok“ („G“ stünde für Grinsekatze). Mit einem echten Foto und einer fast echten Biografie, in der nicht als einziges Hobby „Online-Dating“ steht, sondern… äh… z. B. Nordic Walking, Cupcake-Backen und bei Ikea die Schuhschrank-Abteilung umräumen. Ein solches Zweitprofil ließe sich bei Googleplus und Facebook ganz leicht einrichten und böte einem Mann bis zur ersten Verabredung genügend Material aus meinem Offline-Dasein – ohne verfängliche Details.
 
Nach einer erfolgreichen Erstbesichtigung könnte ich meinem Date dann persönlich und vorsichtig erklären, dass es die Grinsekatze gibt, er sich aber – zumindest in der nächsten Zeit – nicht darin wiederfinden wird, weil der erste Band so gut wie abgeschlossen ist. (Wenn er mir jedoch sehr gutes Material liefert, ist es natürlich möglich, dass Band 2 fast ausschließlich von ihm handeln wird… )
 

Was meint ihr? Taugt einer von diesen Ansätzen was? Hat noch jemand eine bessere Idee für mich? Könnt ihr ja mal drüber nachdenken, während ihr die Kapitel 28 und 29 lest.

 

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