Grinsekatze geht ins Netz

Meine Mitbewohnerinnen (Katzencontent)

Zur Begleitung der drei Kapitel, die ich heute hochlade, würde ich ja gerne einen schlauen Artikel schreiben. Über das Online-Dating an sich, im Individualfall oder auch sonst einen anderen spannenden Aspekt meines Lebens. Wird aber schwierig, denn sie sind wieder schon vor mir da. Die Keinzahnkatzen, und zwar – strategisch verteilt – auf meinem Laptop und mir. Die rechte Hand kann ich zwar noch bewegen, aber nur noch auf der linken Hälfte des Keyboards.

 

Andererseits ist das vielleicht die Gelegenheit, endlich mal zu Ehren meiner Mitbewohnerinnen, der Keinzahnkatzen, den Prozentsatz an katzenrelevanten Inhalten („Catcontent“) auf dieser Seite drastisch zu erhöhen. Schließlich, so habe ich mit großer Freude gelernt, darf man das im Umfeld der Bloggerszene – nach Einbruch der Dunkelheit sitzen da mehr Katzen an und auf Keyboards, als man angesichts der hochseriösen Inhalte, die die dazugehörigen, meist sehr aktiven Menschen tagsüber ins Netz stellen, vermuten würde. Die hinter vorgehaltener Hand verbreitete These, hinter jedem erfolgreichen Blogger stehe eine ziemlich entschlossene Katze, hat also durchaus ihre Berechtigung. Und von Zeit zu Zeit (die einzuhaltenden Mindestabstände hängen von sehr vielen unterschiedlichen Faktoren ab, die ich, um nicht den Rahmen zu sprengen, jetzt nicht aufzählen werde) ist es auch ohne allzu gravierende Folgen statthaft, Catcontent zu posten.

Daran nehme ich mir gerne ein Beispiel. Olga und Ida sind schließlich diejenigen, die meine Schreibtätigkeit ständig begleiten und überwachen, die mich anstacheln und ermuntern, ehrlich kritisieren – und oft auch die ersten, die ein Lob über eine gelungene Formulierung zum Ausdruck bringen. Sie haben – lange vor mir – den Nutzen von Social Media erkannt und unser gemeinsamer Twitter-Account läuft noch immer auf ihren Namen; sie haben dort auch die ersten Freunde gewonnen und mir den Einstieg ganz wesentlich erleichtert.

Mal was anderes:

Falls jemand dazu eine Idee hat: Bitte melden!

Die Keinzahnkatzen nehmen auch regen Anteil an meiner Online-Dating-Aktivität. Sie lieben diese gemeinsamen Abende, an denen wir in Singlebörsen zusammen Männer-Profile studieren, neckische Mails austauschen und uns – mit Glück – an eine Verabredung herantasten. Niemals würden sie mir gestatten, mich mit einem bekennenden Katzenhasser zu treffen. Einen Allergiker, der bei ihrem Anblick niesen muss und Pickel kriegt, würden sie allerdings recht lustig finden (ja, Katzen haben durchaus sadistische Neigungen). Wenn ich mal einen Mann mit nach Hause bringe, unterziehen sie ihn einem – ganz unauffälligen – Test durch minutenlanges Anstarren ohne Blinzeln, scheinbar unmotiviertes (aber lautes) Rumjammern im Nebenzimmer und das Klauen und Verstecken von Schuhen und Kleidungsstücken. Ein Mann, der dabei nicht Haltung bewahrt, wird selbstverständlich kein zweites Mal eingeladen.

Obwohl ich mich ja sehr großstädtisch fühle (und auch gebe), habe ich den größten Teil meiner jungen Jahre in einem Vorort von Hamburg verbracht. In Sicht- und Hörweite der Kirche, die pflichtgemäß an jedem Sonntagmorgen so viele Besucher wie möglich zu aktivieren versuchte. Mit Glockenläuten. Zweimal, um neun und um viertel vor zehn – also zu nachtschlafender Zeit aus der Sicht einer Spätpubertierenden. Und wofür? Wer in den Gottesdienst gehen wollte, ging hin – die Termine waren allgemein bekannt und schon damals hatte praktisch jeder Bürger eine eigene Armbanduhr und einen Wecker. Die anderen (also die meisten) hatten was anderes vor und blieben zu Hause. Dass jemals jemand spontan in die Kirche gegangen wäre, weil gerade die Glocken läuteten, ist mir zumindest nicht zu Ohren gekommen.

Ich schweife ab… Was ich sagen wollte: Jeden Sonntag wachte ich durch das Glockenläuten auf, fühlte mich gestört und ärgerte mich. Bis ich eines Sonntagmorgens – entsetzlich! – um neun Uhr wach wurde, weil es nicht läutete!!!! Die Kirchenglocken bzw. die sie in Bewegung setzende Maschinerie war defekt. Himmlische Ruhe lag über dem Ort – und was war: Mein Unterbewusstsein fühlte sich gestört, weil es nicht läutete! ARGH!!!!

Was ich noch eigentlicher und vor allem sagen sollte: Natürlich beschwere ich mich gerne darüber, dass eine dicke Katze auf meinem Sofa, meinem Schoß oder meiner Tastatur sitzt und mir beim Schreiben eine ungeahnte Gelenkigkeit sowie eine gewisse Unempfindlichkeit gegenüber Zungenküssen mit Katzenfuttergeschmack abverlangt. Das erwartet die dicke Katze auch von mir. Weil sie – wie ich und ihr wahrscheinlich auch – ja weiß, dass sich die Realität wieder einmal etwas anders darstellt: Ohne meine feline Schreibblockade wäre ich nichts, kein Wort flösse aus meiner Feder bzw. in meine Tastatur. Weil ich nicht in Stimmung käme und mir nichts einfiele. Keine neuen Kapitel, so wie heute. Gar nichts. Nicht mal ein klitzekleiner Keinzahnkatzentweet bei Nacht.

 

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