Grinsekatze geht ins Netz

Quitter oder was? Erste Erfahrungsberichte aus dem Twitter-Exil.

Haben Sie auch schon ein neues soziales Netzwerk im Auge, jetzt, wo Twitter uns plötzlich unsere Basis, die frei gewählte, chronologische Timeline entziehen will? Sich gar schon irgendwo angemeldet? Ich (@keinzahnkatzen) auch, gestern, und heute muss ich unbedingt davon erzählen.

Meine Damen und Herren,
liebe alte Freunde bei Twitter,
liebe neue Freunde bei Quitter,

ich hänge an Twitter, wirklich, sehr sogar. Noch mehr hänge ich aber an den Menschen hinter den Accounts, denen ich folge und die mir folgen. Und wenn diese Menschen sich entscheiden bzw. dazu durchringen, auf eine chronologische, frei gewählte Timeline nicht verzichten zu wollen, und Twitter diese nicht mehr bieten möchte, dann hoffe ich sehr, dass diese Menschen sich ohne größere Verluste auf eine Alternative verständigen und sich dort wiederfinden können.

Deswegen habe ich mich nun gestern – zu Testzwecken und um dort schon mal einen Fuß in der (oder einer) alternativen Tür zu haben – bei quitter.se angemeldet. Das ist eine kleine, unabhängige und in Schweden beheimatete Plattform, deren Web-Nutzerschnittstelle Twitter durchaus ähnlich sieht.

Quitter ist natürlich – noch – kein adäquater Ersatz für Twitter. Vieles sieht bei näherer Betrachtung anders aus, z. B. wurde hier bisher offenbar eher weniger Wert auf Favs und RT (die dort Requeets heißen); man muss seine „Queets“ mühsam in der TL suchen, wenn man überprüfen möchte, ob jemand Sternchen verteilt oder requeetet hat. Nur über Replies und neue Follower kann man sich informieren lassen.

Da ich nun nicht die einzige deutsche Spaßtwittererin war, die sich gestern bei Quitter angemeldet hat, ist der arme kleine schwedische Server gleich mal direkt in die Knie gegangen… die Timeline baut sich nur äußerst schleppend auf und viele Beiträge findet man sowohl in der eigenen wie auch in der öffentlichen TL nur sehr mühsam.

Aus freundlichen Hinweisen technisch erprobter und mit unabhängigen Social Media vertrauten Usern erfuhr, ich dass Quitter nur ein Server aus einem größeren Netzwerk ist und man sich auch auf anderen Servern anmelden und von dort aus quittern kann – ohne Überlastungserscheinungen.

Nun gut, testweise erstellte ich auch ein Profil bei micro.vinilox.eu, das in einem Blogbeitrag http://pastebin.com/kkZR1bA7 als „am twitterähnlichsten“ empfohlen wird. Dort ist aber in der deutschsprachigen Community nicht wirklich was los – und außerdem konnte ich zwar einen Account erstellen, aber keine Einstellungen verändern, so dass ich dort noch nicht einmal einen Avatar einrichten konnte. Auf einen Hilferuf in der öffentlichen Timeline gab es auch nach zwei Stunden keine einzige Reaktion. Hm. Leider kann ich – habe ja keine Einstellungsmöglichkeiten – meinen Account auch nicht löschen, aber das wird wohl irgendwann mal meine erste und einzige Amtshandlung bei Vinilox bleiben.

Also, zurück zu Quitter. Dort tauchen nach und nach einige meiner Twitter-Freunde auf, ich folge jetzt 65 Accounts und mir folgen 60. So weit, so gründerzeitlerisch. Und inzwischen steht zwischen den ganzen Fragen, aus denen man in 48 Stunden wahrscheinlich ganz leicht, ein Handbuch zusammenklöppeln könnte, und den Meldungen darüber, wer jetzt wieder wem folgt, auch ab und zu mal ein ganz normaler „Queet“. Was mich hoffen lässt, denn wegen dieser bin ich ja schließlich da.

Aber was ist, wenn ich aus dem Haus muss und nur mein tapferes Smartphone mich begleitet? Der Google-Playstore hat unter dem Namen Quitter nur eine Nichtraucher-App im Angebot. Aber natürlich gibt es über die Web-Benutzerschnittstelle zahlreiche Emfpehlungen: Zurzeit teste ich auf meinem Androiden parallel die Anwendungen „Mustard“ und „AndStatus“. Beide laufen so halbwegs stabil und sind so hässlich, dass man weinen möchte. Aber was soll’s? Angeblich gewöhnt man sich ja an alles – und was ich wirklich brauche, das nutze ich, auch wenn es mir nicht gefällt. Also, Klobürsten, den Öffentlichen Nahverkehr, die hässlichen Kaffeebecher im Büro und von mir aus auch eine App – sofern sie nicht ständig das ganze Telefon abstürzen lässt (bisher noch nicht). Und vielleicht wird sie ja auch noch schöner.

Im Moment bin ich auf beiden Plattformen, Twitter und Quitter, gleichzeitig aktiv. Für eine gewisse Zeit wird das ja vielleicht funktionieren, auch wenn es etwas mühsam ist, sehr zeitaufwändig und eventuell für die Katz (die aber ihre Verbindung zur Twitterwelt auch nicht verlieren will). Ich freue mich über jeden „normalen“ Tweet/Queet, der nicht mit der Nutzung sozialer Netzwerke zu tun hat – trotzdem brauchen wir natürlich den Austausch über das, was hier gerade läuft, damit jeder für sich entscheiden kann, was sie/er mit den veränderten Gegebenheiten anfangen möchte.

Mal angenommen: Die Trendsetter, die Mehrzahl der Twitterverbindungen, die Lieblingstwitterer, die Mitläufer, die Zögerlichen (die aber nicht vergessen werden wollen), die Schüchternen (die ein „Du musst aber mit uns mitkommen, ohne dich macht es doch keinen Spaß!“ hören möchten), die Neugierigen und Unternehmungslustigen (die eventuelle Zweifel durch gesteigerte Aktivität beseitigen wollen) – das sind wir doch alle irgendwie ein bisschen. Und niemand von uns möchte alleine und ohne eigene und fremde Aktivitäten in einem sozialen Netzwerk herumsitzen.

Also: Sagt was. Fragt was. Probiert was aus. Erzählt, wie es war. Regt was an. Regt euch auf. Habt Spaß. Erzählt, wie es war. Habt keine Angst, alleine zurückzubleiben. Löscht nicht eure Accounts, weil ihr glaubt, es sei den anderen egal. Verschafft euch Gehör. Macht Erfahrungen. Sagt euren Lieblingstwitterern, dass sie euch wichtig sind. Beeinflusst die Entscheidung, was aus dieser Community wird! So oder so.

  

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