Grinsekatze geht ins Netz

Kapitel 20: Guter Sex ist besser als schlechter Sex.

Von: Ranger
An: Grinsekatze
Datum: Mittwoch, 6. April 2011, 18.10 Uhr
Betreff: Wet cat

Bis wann ist denn die Dame im Büro und wann kann man ihr zum Feierabend am Gänsemarkt auflauern? In Sachen Protein-Haushalt?


Von: Grinsekatze
An: Ranger
Datum: Mittwoch, 6. April 2011, 18.20 Uhr
Betreff: Feierabend

Wäre jetzt am Gänsemarkt. Wo bist du?


Von: Ranger
An: Grinsekatze
Datum: Mittwoch, 6. April 2011, 18.38 Uhr
Betreff: Feierabend

Noch in der Schanze!


Von: Grinsekatze
An: Ranger
Datum: Mittwoch, 6. April 2011, 18.43 Uhr
Betreff: Feierabend

Wie unpraktisch… Gehe jetzt nach Hause, hier ist es zu kalt!


SMS Bettina an eine fremde Nummer (die eine gewisse Ähnlichkeit mit Claudis Nummer hat!), 18.44 Uhr: Claudi!!!!! Hilfe, ich glaube, Ben will sich jetzt wirklich treffen!


SMS Ben an Bettina, 18:49 Uhr: So kalt ist das gar nicht…


SMS Bettina an Ben, 18:54 Uhr: Vielleicht nicht. Was schlägst du vor?


SMS Bettina an eine fremde Nummer (die eine gewisse Ähnlichkeit mit Claudis Nummer hat!), 18.55 Uhr: Claudi!!!!! Bist du da??? Ich brauche dich!!!!


SMS Ben an Bettina, 19:02 Uhr: Auch noch keine dunkle Ecke da.


SMS Bettina an Ben, 19:05 Uhr: Und was beweist das?


SMS Ben an Bettina, 19:08 Uhr: Auch keine, auf die die Beschreibung passt, hier… also erstmal nach Hause… vor dem Fernen duschen…


SMS Bettina an eine fremde Nummer (die eine gewisse Ähnlichkeit mit Claudis Nummer hat!), 19.09 Uhr: Verdammt, wo bist du??? Meld dich??? Ich versteh ihn nicht! Was ist „fernen“?


SMS von einer fremden Nummer (die eine gewisse Ähnlichkeit mit Claudis Nummer hat) an Bettina, 19.11 Uhr: Wer ist dieser Ben? Wo ist diese Claudi? Und wer, zum Geier, bist du???? PS: Keine Ahnung, was „fernen“ ist.


SMS Bettina an Ben, 19:11 Uhr: Tja, dumm gelaufen. Hätte fast geklappt!


SMS Bettina an eine fremde Nummer (die eine gewisse Ähnlichkeit mit Claudis Nummer hat!), 19.12 Uhr: Entschuldigung, falsche Nummer gewählt. Neues Telefon und hysterisch!


SMS Ben an Bettina, 19:13 Uhr: Da hätte ich wohl auf den 4er-Bus setzen sollen statt auf die Hoffnung, sich zu Fuß zu begegnen…


SMS Bettina an eine weitere fremde Nummer (die ebenfalls eine gewisse Ähnlichkeit mit Claudis Nummer hat!), 19.17 Uhr: Verdammt, wo bist du? Ich schreibe vor lauter Panik schon ständig Nachrichten an falsche Empfänger! Meld dich!


SMS von einer weiteren fremden Nummer (die ebenfalls eine gewisse Ähnlichkeit mit Claudis Nummer hat) an Bettina, 19.19 Uhr: Nicht zu fassen…


SMS Bettina an eine weitere fremde Nummer (die ebenfalls eine gewisse Ähnlichkeit mit Claudis Nummer hat!), 19.20 Uhr: Entschuldigung, kennen wir uns? Wenn nicht, gehen Sie bitte aus meiner Leitung, ich habe gerade gar keine Zeit!


Von: Ranger
An: Grinsekatze
Datum: Mittwoch, 6. April 2011, 19.53 Uhr
Betreff: Feierabend

So, Schweif frisch gewaschen und bereit zu ferkeln … wo soll ich hinkommen?


Von: Grinsekatze
An: Ranger
Datum: Mittwoch, 6. April 2011, 20.16 Uhr
Betreff: Feierabend

Hm, jetzt läuft meine Waschmaschine, das dauert noch…


Von: Ranger
An: Grinsekatze
Datum: Mittwoch, 6. April 2011, 20.19 Uhr
Betreff: Feierabend

Ich greif dir da gerne beim Aufhängen unter die Arme oder zwischen die Beine.


Von: Grinsekatze
An: Ranger
Datum: Mittwoch, 6. April 2011, 20.22 Uhr
Betreff: Feierabend

Zu Hause? Ist das nicht langweilig? So gegen halb zehn könnte ich auch irgendwo anders sein. Hast du eine gute Idee?


Von: Ranger
An: Grinsekatze
Datum: Mittwoch, 6. April 2011, 20.27 Uhr
Betreff: Feierabend

Alster zu frisch? Vielleicht ein Kino mit Kabine?


Von: Grinsekatze
An: Ranger
Datum: Mittwoch, 6. April 2011, 20.31 Uhr
Betreff: Feierabend

Ja, ich glaube, Alster ist zu frisch. Kennst du denn ein nettes Kino?


Von: Ranger
An: Grinsekatze
Datum: Mittwoch, 6. April 2011, 20.35 Uhr
Betreff: Feierabend

Oder wir bummeln gen St. Georg … Stundenhotel verrucht genug?


Von: Ranger
An: Grinsekatze
Datum: Mittwoch, 6. April 2011, 20.40 Uhr
Betreff: Wobei ich mit dir…

… eigentlich gerne an der Alster rumferkeln würde … oder vor der Waschmaschine… günstige Gelegenheit, wenn du dich gerade bückst, um auszuladen, und dein Rock sich hebt…


Von: Grinsekatze
An: Ranger
Datum: Mittwoch, 6. April 2011, 20.41 Uhr
Betreff: Feierabend

Vermieten in St. Georg nicht alle Hotels stundenweise? Aber uns da zu treffen und dann mal zu schauen, wo man landen kann, ist eine gute Idee!


Von: Ranger
An: Grinsekatze
Datum: Mittwoch, 6. April 2011, 20.41 Uhr
Betreff: Feierabend

Ich war mal auf der Reeperbahn in einem, direkt vorne… das hatte so einzelne Kabinen … konnten auch Herren von außen reingucken!
Dann um halb zehn wo genau?


Von: Grinsekatze
An: Ranger
Datum: Mittwoch, 6. April 2011, 20.45 Uhr
Betreff: Feierabend

Am unteren Ende der Langen Reihe, Ecke Kirchenallee?


Von: Ranger
An: Grinsekatze
Datum: Mittwoch, 6. April 2011, 20.51 Uhr
Betreff: Feierabend

Okay, passt.


Von: Grinsekatze
An: Ranger
Datum: Mittwoch, 6. April 2011, 20.56 Uhr
Betreff: Feierabend

Gut, dann muss ich mich jetzt beeilen. Ich hoffe, du erkennst mich, denn ich bin trotz Brille nachtblind… und aufgeregt. ARGH!


Von: Ranger
An: Grinsekatze
Datum: Mittwoch, 6. April 2011, 21.17 Uhr
Betreff: Feierabend

Keine Sorge. Bin bei dir.


SMS Bettina an eine dritte fremde Nummer (die – ach, echt? – eine gewisse Ähnlichkeit mit Claudis Nummer hat!), 21.32 Uhr: Claudi, ich bin in St. Georg und treffe mich gleich mit Ben. Falls er kommt. Ich weiß seinen Nachnamen nicht, aber seine Handynummer ist 0176-äh, wie soll ich die jetzt im Telefon finden, während ich eine SMS schreibe??? Verdammt. Oh, ich glaube, da kommt er… muss aufhören!


SMS von einer dritten fremden Nummer (die – ach, echt? – eine gewissen Ähnlichkeit mit Claudis Nummer hat!) an Bettina, 21.34 Uhr: Ey, Alte, ich weiß nicht, wer du bist, aber du klingst voll krass, und wenn der Typ nicht auftaucht, ruf mich an!!!


Von: Grinsekatze
An: Ranger
Datum: Donnerstag, 7. April 2011, 08:31 Uhr
Betreff: Verschlafen?

Guten Morgen Ben,
na, noch kein Lebenszeichen von dir? Hast du etwa doch verpennt?
Viele Grüße
Bettina


Von: Ranger
An: Grinsekatze
Datum: Donnerstag, 7. April 2011, 08:38 Uhr
Betreff: Verschlafen?

Musste mich auf jeden Fall beeilen, daher jetzt erst.


Von: Grinsekatze
An: Ranger
Datum: Donnerstag, 7. April 2011, 08:41 Uhr
Betreff: Verschlafen?

Sowas. Aber hoffentlich gut geschlafen?


Von: Ranger
An: Grinsekatze
Datum: Donnerstag, 7. April 2011, 12.34 Uhr
Betreff: Verschlafen?

Sehr gut geschlafen. Du auch?


Von: Grinsekatze
An: Ranger
Datum: Donnerstag, 7. April 2011, 12.55 Uhr
Betreff: Verschlafen?

Bisschen kurz, aber gut. Und heute schon ganz wichtig in einer recht lauten Probe versucht, die Augen offen zu halten… Wenn sie dann doch zufallen, erinnere ich mich gerne an gestern Abend…


Von: Grinsekatze
An: Ente_im_Feld
Datum: Donnerstag, 7. April 2011, 19.02 Uhr
Betreff: Du wirst es nicht glauben…

Hallo Claudi,

ich weiß nicht genau, wie es dazu gekommen ist, aber gestern Abend habe ich mich spontan mit Ben getroffen. Eigentlich hatte er mir ja am Montag geschrieben, dass er in dieser Woche total fies verplant sei und wir uns nicht treffen können. Darauf hatte ich angemerkt, dass wir ja wenigstens versuchen könnten, miteinander zu chatten, was er zugesagt hatte. Na ja, jedenfalls hatte ich eigentlich keinen Grund, was Böses zu ahnen…

Wir hatten am Mittwoch auch schon ein paar ganz normale kurze Mails gewechselt, die aber nicht darauf hindeuteten, dass irgendwas Besonderes anstehen könnte. Mein Plan für den Feierabend war ein kurzer Einkauf und dann ein ruhiger Abend mit den Katzen vor dem Fernseher (Mittwoch: Grey’s Anatomy).

Warum ich dann um kurz nach sechs, an der Bushaltestelle am Gänsemarkt stehend, meine Mails gecheckt habe, weiß ich selbst nicht mehr (wahrscheinlich weil ich mein neues Telefon so toll finde). Jedenfalls war da eine Mail von Ben mit der Frage, wann ich denn Feierabend hätte und am Gänsemarkt wäre. Habe das erstmal gar nicht so ernst genommen, ihm aber zurückgetextet: „Eigentlich jetzt. Wo bist du?“ Dann zwei Busse abfahren lassen, während ich mich unauffällig umsah. Kein Typ, der Ähnlichkeit mit dem Mann, den ich vom Foto (oberes Viertel) und vom Chat (obere Hälfte) kannte, gehabt hätte. Keine Mail. Dann doch in den Bus eingestiegen. Kurz vorm Wiederaussteigen bei Karstadt kam dann die Antwort „Noch in der Schanze!“ – dumm gelaufen, dachte ich. Schrieb dann zurück, dass es mir jetzt zu kalt wäre und ich nach Hause ginge. Mein Akku war auch fast leer und außerdem fand ich es extrem unpraktisch, von unterwegs Funclub-Mails zu verschicken. Dachte dann auch: Schatzi, ich hab dir doch am Wochenende meine Handy-Nummer gegeben, warum benutzt du sie nicht? War dann schon auf dem Weg nach Hause, als seine Mail kam, er würde dann auch nach Hause gehen, zum „Duschen vor dem Fernen“. Häh? Was wollen mir diese Worte („Fernen“) sagen? Erst viel später kapiert, dass er „Ferkeln“ meinte, nicht „Fernsehen“, wie ich zunächst gedacht hatte… wenn mir klar gewesen wäre, dass er sich wirklich noch treffen will, hätte ich natürlich nicht noch gemütlich die Waschmaschine angeschmissen! Aber da dachte ich, dann klappt es eben heute wieder nicht, das scheint ja doch irgendwie Programm zu sein bei ihm.

Zu Hause dann also das Telefon zum Aufladen an die Steckdose, Laptop hochfahren. Essen in den Kühlschrank, Waschmaschine einschalten. Kurz vor acht dann die nächste Mail von Ben: Er sei jetzt geduscht, bereit – wo er denn hinkommen solle! Bei mir ein kurzer Moment mit Panik: Wie jetzt, jetzt will er plötzlich wirklich??? Und nun?

Um Zeit zu schinden, habe ich dann erstmal gesagt, ich müsse jetzt auf meine Waschmaschine warten. Seine umgehende Antwort, jetzt immerhin per SMS: Er würde mit gerne beim Aufhängen der Wäsche unter die Arme greifen. Ich dachte: Nein, keine fremden Männer in die Wohnung lassen!

Und: Vielleicht will er mich nur abschrecken, damit ich aufhöre, mich real treffen zu wollen. Oder er hat sich überlegt, dass er mir diese eine Chance anbietet – nur die eine. Und wenn ich jetzt Panik kriege und nein sage, dann war es das! Schrieb dann also zurück, er solle doch was vorschlagen.

Nach einigem Hin und Her haben wir uns dann für halb zehn am unteren Ende der Langen Reihe verabredet. Da war es zehn vor neun (Grey’s Anatomy lief längst… völlig unbeachtet, versteht sich).

Ich war zwischen den SMS und Mails schon mal unter die Dusche gesprungen und hatte es jetzt eilig, in meine Klamotten zu kommen. Nachdem wir so oft über kurze Röcke korrespondiert hatten, dachte ich, es wäre doch extrem unangebracht, jetzt in meinem normalen Rock für erste Dates (lang und schwarz) loszuziehen. Also den kurzen Jeansrock aus dem Schrank, dazu einen stabilen Strapsgürtel und lange schwarze Strümpfe (mit Klebestift fixiert). In die neuen halbhohen schwarzen Pumps gequetscht und im gestreckten Galopp aus dem Haus. An der Bushaltestelle dann natürlich stundenlang gewartet, trotzdem zu nervös, um dir oder meiner Mutter eine vernünftige SMS zu schreiben, damit jemand weiß, dass ich ein Date habe (mit dem Smartphone ist ja alles viel einfacher – ich habe total panisch drei Fremden, die fast deine Nummer haben, SMS geschrieben!!!!)… egal (hätte ja Mamilein sowieso nicht schreiben können, weil ich keine Kontaktdaten liefern konnte – da muss ich mir noch was einfallen lassen. Erzähl ihr also bloß nichts von dem Treffen!)!

Am Hauptbahnhof dann eine SMS von Ben, der seine U-Bahn verpasst hat und spät dran ist. Ich bummele also sehr langsam zum Treffpunkt, bin aber trotzdem vor ihm da. Schlendere so auf und ab, gut, dass es schon dunkel ist…Kurz nach mir kommt er aber auch, ich sehe ihn um die Ecke biegen und erkenne ihn sofort, obwohl ich ihn nie zuvor gesehen habe und er seinem Profilfoto nur bedingt ähnlich sieht. Kompakter Typ, schlaue Brille, etwas zu kurz geratene Haare (darüber hat er sich nach seinem Friseurbesuch neulich beschwert) mit Jeans, Turnschuhen, Kapuzenpulli und Kopfhörern um den Hals. Er kommt er auf mich zu; ich gehe ihm entgegen und denke: Scheiße, sieht der jung aus (aber immerhin nicht kleiner, als er behauptet hat – das ist mal etwas Neues!) ! Will lieber nicht wissen, was sein erster Eindruck von mir ist, aber immerhin nimmt er mich direkt in den Arm und drückt mich. Wir reden zwei völlig unbedeutende Sätze zur Begrüßung und er schlägt vor, erst mal die Lange Reihe hochzulaufen.

Ich überlege noch, ob es okay ist, ihn jetzt doch ein bisschen nach seinem Leben zu fragen (das haben wir bisher weitgehend vermieden und nur rumgebaggert), da fängt er schon an, sich ganz normal mit mir zu unterhalten. Über Hunde und Katzen und Job und Wohnen in Hamburg und ich weiß nicht was… meine Befangenheit verfliegt schnell. Ben kann prima quatschen, ist sehr selbstbewusst und scheint sich für viele Dinge zu interessieren – und möglicherweise hat er sogar Ahnung von den Sachen, über die er redet!

Das Ende der Langen Reihe ist schnell erreicht, wir biegen nun doch ab und gehen in Richtung Außenalster. Dort ist, da es ja nicht wirklich ein lauschiger Abend ist, nicht sehr viel los und wir finden schnell eine ruhig gelegene Bank in dem kleinen Stückchen Park am Ufer. Ben freut sich über meinen kurzen Rock, das ist mal klar. Wir küssen uns kurz und nett und dann kommt er auch schon ohne Umschweife zur Sache. Was sich durchaus lohnt – ich bin bereits bestens in Stimmung (und gar nicht mehr sehr nervös, keine Ahnung, wieso!)! Seine wandernde Hand fühlt sich gut an, was ich ihm auch sofort sage. Ihm scheint es auch zu gefallen. Unsere Unterhaltung kommt durch die Aktion etwas ins Stocken, wir starren aufs Wasser, ich stöhne ein bisschen und Ben gibt sich alle Mühe, damit mir nicht kalt wird! Meine Unterwäsche scheint ihm auch zu gefallen, obwohl er sie nur ertastet bisher.

Es geht ein Wind vorne am Wasser; es ist arschkalt, wenn man es genau betrachtet. Ben hat schnell kapiert, dass er sich keine Sorgen machen muss, dass es mir zu schnell gehen könnte, und es dauert gar nicht lange und ich habe einen Höhepunkt. Nicht den größten, lautesten und längsten Höhepunkt aller Zeiten, aber einen sehr realen und unbefangenen Frischluftorgasmus. Bei gefühlten 3 Grad (plus, immerhin).

Wir beschließen, nicht zu warten, bis es noch kälter wird, und brechen auf. Hand in Hand spazieren wir am Alsterufer zurück in die Stadt. Die ganze Zeit unterhalten wir uns angeregt. Ben wohnt offenbar im Internet und arbeitet auch dort – und das anscheinend sogar mit Erfolg. Ich bin fasziniert.

Nebenbei wird mir langsam klar, dass es keine sehr schlaue Idee war, zu diesem Ausflug Pumps zu tragen, die noch nicht eingelaufen sind – mindestens sechs werdende Blasen kann ich genau spüren. Ist mir aber egal, ich würde nicht eine Sekunde von unserem Spaziergang missen wollen.

Wir erreichen meine Wohnung und steuern zunächst das Sofa an. Trinken einen Schluck Wasser, knutschen ein bisschen und fangen dann an, uns gegenseitig auszuziehen. Bens Brille beschlägt und er legt sie vorübergehend auf dem Tisch ab. Für einen Mann, der in seinem Profil bei der Frage „dominant oder devot“ mit „weder/noch“ geantwortet hat, hat er übrigens ein verdammt entschlossenes Kinn!!!!

Ich will mehr von Ben sehen als nur seinen mir beim Öffnen der Jeans fröhlich entgegenkommenden *BEEP* (hier schlägt leider die Zensur zu!) und befreie ihn von Pulli und T-Shirt. Kriege einen kleinen Schreck beim Anblick seines gar nicht mal so kleinen Tattoos, aber auf junger Haut sieht so was ja noch ganz sexy aus! Mein T-Shirt liegt längst am Boden, mein BH baumelt mir von einer Schulter, der kurze Jeansrock knüdelt sich um die Körpermitte. Strapsgürtel und Strümpfe scheinen Ben zu gefallen (was gut ist, denn die Strümpfe sind ja am Bein festgeklebt und lassen sich nicht ohne Weiteres ausziehen!). Auch meine Überlegungen, ob ich ihm jetzt vielleicht doch zu dick sein könnte, verflüchtigen sich sehr schnell. Als Ben sich aus seiner Jeans schält, verlagern wir unsere Aktivitäten ins Schlafzimmer. Er rennt dann aber noch mal zurück ins Wohnzimmer, um seine Brille zu holen. Dann schubst er mich einfach rückwärts aufs Bett.

Ich bin mehr als bereit und Ben will offenbar auch endlich zur Sache kommen. Er scheint es auch zu mögen, wenn ich nicht zu zögerlich bin.
Die Gefahr besteht aber nicht, denn ich bin mittlerweile so in Fahrt, dass mein Hirn seinen Betrieb mehr oder weniger einstellt. Aber es wird auch nicht gebraucht, ebenso wenig das Sprachzentrum. Entweder fantasieren wir wirklich sehr heftig in dieselbe Richtung oder mindestens einer von uns kann Gedanken lesen. Wenn unser Austausch nicht so entspannt wäre, wäre es mir schon fast unheimlich, was sich da zwischen uns abspielt.

Wer ist hier eigentlich außer uns noch im Bett, überlege ich, also wem gehören diese Füße neben meinen Ohren? Ach so, das sind meine (wie kann das sein, so gelenkig bin ich nicht!). Schade nur, denke ich noch, dass das klassische Rein-und-Raus bei mir nicht so richtig funktioniert und mir deshalb auch nicht viel bringt… da merke ich schon, dass ich diesen Standpunkt unbedingt neu überdenken muss! So kenne ich das nicht. Ben muss nicht nach der Richtung fragen und ich will nur, das er nicht aufhört, womit auch immer…

Es dauert nicht lange, da kommt er auch lange und ausführlich. Findet auf meinem Nachttisch das letzte Papiertaschentuch und murmelt etwas wie „Nächstes Mal kannst du da gleich die Küchenrolle hinstellen!“
Er schwitzt heftig, seine Brille ist total beschlagen, aber das scheint ihm egal zu sein. Es dauert einen Moment, bis er wieder Luft geschnappt hat. Ganz einschlafen tut er dann doch nicht, sondern schlägt die Augen wieder auf und sagt etwas von „total tiefenentspannt“. Ich kraule derweil alles, was in Reichweite ist. Nach einer kurzen Verschnaufpause erholt Ben sich, krault mich auch noch ein bisschen.

Leider fällt sein Blick dann auf meinen Wecker – es ist schon ziemlich spät! Und so siegt die Vernunft und wir beenden unseren Abend, beide sehr zufrieden und erstaunlich vertraut miteinander. Der Abschied ist kurz, aber herzlich. „Wir schreiben uns! Gute Nacht!“.

Wahnsinn, oder? Jetzt muss ich mich wieder hinlegen, etwas Schlaf nachholen. Und mir überlegen, wo ich die Kontaktdaten für meine Mutter herbekomme, damit ich ihr dann – leicht zeitversetzt – von diesem Abend erzählen kann. Habe ja jetzt Bens Handynummer, bin aber heute zu müde, um die zu googlen. Er hat mir auch nach ein paar kurzen Mails heute Morgen nicht mehr geschrieben… na ja, wird er schon noch.

Bis bald, viele Grüße
Bettina


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