Grinsekatze geht ins Netz

Kapitel 22: Ist er nun wech?

Von: Ente_im_Feld
An: Grinsekatze
Datum: Donnerstag, 14. April 2011, 11.45 Uhr
Betreff: Vom Erdboden verschluckt?

Hallo Bettina,
wie wäre es, wenn du ihn anrufst und fragst, was los ist?
Viele Grüße
Claudi


Von: Grinsekatze
An: Ente_im_Feld
Datum: Donnerstag, 14. April 2011, 21.02 Uhr
Betreff: Vom Erdboden verschluckt?

Anrufen? Bist du wahnsinnig? Da würde ich kein sinnvolles Wort rauskriegen! Ich hatte mehr an Auflauern gedacht!


Von: Ente_im_Feld
An: Grinsekatze
Datum: Donnerstag, 14. April 2011, 21.15 Uhr
Betreff: Vom Erdboden verschluckt?

Auflauern? Das würde ich nicht machen! Wenn er sich gestalkt fühlt, ist er doch sofort in der Defensive und wird vielleicht sogar böse! Mach das lieber nicht!!!


Von: Grinsekatze
An: Ente_im_Feld
Datum: Donnerstag, 14. April 2011, 21.37 Uhr
Betreff: Vom Erdboden verschluckt?

Gestalkt? Ich möchte doch nur wissen, warum er mir aus dem Weg geht, nachdem wir nach einem Monat supertollem Online-Vorspiel einen absolut genialen Abend miteinander hatten. Und ja, ich bin mir vollkommen sicher, dass der Abend für ihn auch gut war! Mehr als gut. Und dass das nicht nur sexuelle Anziehungskräfte waren… Ich bin ja vielleicht manchmal wahrnehmungsgestört, aber die Schwingungen zwischen uns waren ziemlich klar! Dass ich darüber gerne mit ihm reden möchte, ist doch kein Stalking.
Stalking ist das, was ich im Internet (Web 2.0) mit ihm mache. Ich kann nicht aufhören, den Typen zu googeln… obwohl ich jedes Mal, wenn ich auf eine neue Seite mit Infos über ihn stoße, rote Ohren und Herzrhythmusstörungen kriege! Er hat ungefähr zwei private und drei geschäftliche Blogs, ist bei Facebook, Twitter, Foursquare (das perfekte Stalking-Instrument), flickr, quora, qype, getglue und ich weiß nicht (noch nicht!), wo sonst noch überall. Ich kenne bereits seinen Geschmack in Bezug auf Restaurants, Fußball, Bücher (viele Übereinstimmungen), Filme (sehr viele Übereinstimmungen) und Musik (absolut negative Schnittmenge – von keinem seiner Favoriten habe ich jemals gehört!!!).
Und das sind nur die Sachen, die ich völlig legal bei Google über ihn gefunden habe.
Ob ich mich bei Facebook anmelden soll? Bei Twitter bin ich ja schon, weil die Katzenbetreuung darüber immer mitteilt, wie es den Mädels geht, wenn ich unterwegs bin.
Wenn du glaubst, dass ich kurz vor dem Durchdrehen bin, hast du wahrscheinlich recht.
Ich rufe morgen mal Mamilein an. Vielleicht hat sie ja eine Idee und auch nach „ihrer Zeitrechnung“ hat er sich ja dann ein paar Tage nicht gemeldet, so dass ich sie jetzt auch um Rat fragen kann.
Viele Grüße
Bettina


Von: Ente_im_Feld
An: Grinsekatze
Datum: Freitag, 15. April 2011, 16.17 Uhr
Betreff: Vom Erdboden verschluckt?

Hallo Bettina,
in deiner Situation kurz vor dem Durchdrehen zu sein, ist ganz in Ordnung. Pass bloß auf, wenn du bei Rot über die Straße gehst!
Wenn du bei Facebook neue Männer treffen kannst, solltest du dich da auf jeden Fall anmelden (denn es gibt noch mehr von der Sorte auf dieser Welt, das wirst du ja wohl hoffentlich nicht vergessen!). Was war noch mal Twitter? Und versuch gar nicht erst, mir die anderen Sachen zu erklären…
Ich will dir ja nicht den Spaß am Stalken verderben, aber hattest du nicht selbst irgendwann mal gesagt, dass es sehr, sehr viele Gründe gibt, warum das mit Ben und dir nicht funktionieren kann? Vielleicht sind Ben davon inzwischen auch ein paar eingefallen??? Wenn er – warum auch immer- wirklich nicht mehr will, kannst du nicht viel tun, oder? Dann war es eben der beste One-Night-Stand aller Zeiten und du suchst weiter, bis du einen Typen findest, der auch genügend Mumm für eine zweite Nacht hat!
Viele Grüße
Claudi


Von: askmomwhoasksback@web.de
An: Bettina@web.de
Datum: Freitag, 15. April 2011, 21.12 Uhr
Betreff: Personalbogen

Hallo Kind,
wie geht es dir inzwischen? Hast du unser Telefonat von vorhin gut verkraftet? Ich war nicht sicher, ob es für dich okay war, dass ich das Gespräch nach eindreiviertel Stunden beenden musste, aber mein Ohr war wie eine heiße, rote Masse (und bekommt komische Zuckungen, wenn es unvermittelt angesprochen wird).
Hast du dir überlegt, was du tun willst, um Ben zu erreichen? Wenn du noch Bedenkzeit brauchst, kann ich dir ein gutes Buch empfehlen: „Sich glücklich verlieben ist für Feiglinge – Frauen kämpfen um das Unmögliche“.
Ruf mich gerne an, aber nicht vor nächster Woche! Bis dahin halt mich bitte schriftlich auf dem Laufenden!
Mitfühlende Grüße
Dein Mamilein


Von: Grinsekatze
An: Ente_im_Feld
Datum: Sonnabend, 16. April 2011, 12.37 Uhr
Betreff: Vom Erdboden verschluckt?

Hallo Claudi,
so leicht gebe ich aber nicht auf. Wenn er mich nicht mehr sehen will, wird er mir das schon sagen müssen. Nur einfach verschwinden überzeugt mich nicht.
Mamilein glaubt übrigens, dass ich Ben verliebt bin. Das ist natürlich Unsinn, aber ein One-Night-Stand reicht mir trotzdem nicht aus. Dafür war da viel zu viel zwischen uns (und ich bin im Grunde genommen fast eigentlich ziemlich sehr sicher, dass ich mir das nicht einbilde). Es stimmt natürlich, dass es – wenn man wirklich längerfristig denken wollen würde – nicht klappen kann zwischen uns, aber das ist doch kein Grund, so zu tun, als wäre da nie was gewesen. So zu tun passt auch nicht zu Ben, so wie ich ihn kennengelernt habe… und ich brauche eine Gelegenheit, ihm das zu sagen… aber nicht am Telefon.
Wahrscheinlich mache ich wieder mal das, was ich am besten kann: Ich schreibe ihm eine schöne, lange Mail…
Viele Grüße
Bettina


Von: Grinsekatze
An: Ranger
Datum: Sonntag, 17. April 2011, 23.40 Uhr
Betreff: Vierzigtausend Gründe dagegen!

Lieber Ben,
wenn ich dein Schweigen richtig deute, sind dir inzwischen so an die vierzigtausend Gründe eingefallen, warum wir nicht wirklich etwas miteinander anfangen sollten. Auch ich habe geschätzte dreißigtausend Gründe, weshalb das nicht geht.
Trotzdem bin ich – wie mir so nach und nach klar wird – überaus betrübt, wenn das schon alles zwischen uns gewesen sein soll.
Unsere E-Mail-Korrespondenz hatte mich so neugierig auf dich gemacht und unsere beiden vielversprechenden Begegnungen im Chat haben bei mir viele Ideen und Wünsche geweckt. Von denen sich dann bei unserer ersten Begegnung wunderbarerweise einige erfüllt haben, und zwar für meine Begriffe ohne Anlauf- und Verständigungsschwierigkeiten. Was mir so bisher noch nie passiert ist (ich hatte vorher zwar schon guten Sex, wenn ich verliebt war, aber noch nie genialen Sex mit einem fast Fremden, mit dem ich „nur“ ein paar wilde Fantasien teile!).
Eigentlich hatte ich den Eindruck, dass unser gemeinsamer Abend auch dich nicht enttäuscht hat, dass du dir eine Fortsetzung wünschst – um so mehr verwirrt es mich jetzt, wo mein Interesse erst richtig entflammt ist, so unvermittelt nichts mehr von dir zu hören.
Was ich eigentlich von dir will, kann ich dir im Moment nicht so genau sagen, aber – auch wenn es bescheuert klingt! – ich vermisse dich!
Viele Grüße
Bettina


Von: Bettina@web.de
An: askmomwhoasksback@web.de; claudi@web.de
Datum: Montag, 18. April 2011, 8.34 Uhr
Betreff: Mein Leben ist große Oper!

Hai Claudi, hai Mamilein,
war gestern in der „Eugen Onegin“-Vorstellung (schöne traurige russische Oper) und danach mal wieder unheilvoll inspiriert (Tatjana schreibt Onegin, in den sie sich verliebt hat, nachts einen langen, intimen Brief, mit dem sie sich total ausliefert… unnötig zu sagen, dass diese Oper kein Happy End hat), so dass ich hinterher noch Ben eine Mail geschrieben habe.
Bin ganz zufrieden mit meinem Text, ist ziemlich ehrlich – und nicht zu peinlich, hoffe ich.
Haltet mir die Daumen, dass er sich meldet.
Viele Grüße
Bettina


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