Grinsekatze geht ins Netz

Jüngere Männer? Niemals! (Wofür gibt es schließlich Prinzipien? – Zum Überbordwerfen, genau!)

Sich selbst und seine Grundsätze immer mal wieder in Frage zu stellen, ist ja eine gute Sache. Meistens wenigstens. Nicht, dass es so wahnsinnig viele Grundsätze in meinem Leben gäbe – in den meisten Bereichen bin ich durchaus offen für Neues (und wenn auch manchmal nur, weil mir bisher einfach noch kein Standpunkt überzeugend genug war, um ihn gegen Anfeindungen zu verteidigen). Auch was Männer angeht, eigentlich: Ich haben keinen bevorzugten Typ oder so was. Die Männer, die mir bisher so gefallen haben, sahen alle sehr unterschiedlich aus und auch ihre Persönlichkeiten waren ganz verschieden.

 
Ein verbindendes Merkmal gab es: Die Männer, die mir gefielen, waren fast alle erheblich älter als ich. Von Anfang an übrigens: Meinen ersten Crush hatte ich – mit zwölf Jahren – für meinen Deutschlehrer. Es folgten weitere Lehrer, ein Opernsänger, ein Jurist, ein Taxifahrer. Alle älter als ich. Ein Filmschauspieler, der sogar schon tot war (ja, ich war ein merkwürdiges Kind!). Ein einziger Gleichaltriger kurz dazwischen, ein Kollege vom Theater, der aber dann doch lieber schwul wurde. Meine bisher längste Beziehung (wenn man sie so nennen will): mit einem über zwanzig Jahre älteren Mann.
 
Jüngere und gleichaltrige Jungs bzw. Männer wollten nie was von mir – und ich nichts von ihnen. Daran hatte sich auch nach über dreißig Jahren im mehr oder weniger geschlechtsreifen Zustand für mich nichts geändert: Manche Tatsachen sind eben einfach feststehende Tatsachen.
 
Ich war ein dicker, witziger, kreativer, unerschrockener und durchaus beliebter Teenager. Eigentlich dekorativ, aber definitiv anders als alle anderen Mädchen. Ich konnte fast alles, nur nicht in der Menge untergehen. In einer feindlichen Natur, in der Lebewesen sich zum Überleben anpassen müssen, wäre ich schneller ausgestorben gewesen als ein Säbelzahntiger im Salatbeet. Das Prinzip „Wer sich anpassen kann, hat es gelegentlich leichter! “ fand in meinem Leben keine Anwendung. Schüchtern und extrovertiert – eine tödliche Mischung. Jungs betrachteten mich mit einer Mischung aus Bewunderung und Panik, aber ganz sicher nicht als potentielle Beute. Niemals. Nicht, dass ich was von diesen kleinen pickligen Kerlchen gewollt hätte… ich wollte einen erwachsenen Mann, der keine Angst vor mir hatte.
 
Als ich mit dem Online-Dating anfing, hatte sich an dieser Einstellung noch nicht viel geändert. Gut, die Stimme der Vernunft gab zu bedenken, dass für eine Frau von 45 Jahren ein zwanzig Jahre älterer Mann wohl keine gute Idee mehr sei – und wurde erhört. In meiner Suchmaske gab ich also 45 bis 55 Jahre ein; Männer dieser Altersgruppe waren im Joyclub reichlich angemeldet, wie eine kleine Feldstudie ergab. Und sie schrieben mich auch an, zum Glück, denn ich war ja bekanntlich noch nicht mutig genug, um selbst aktiv zu werden. Ich ließ mich lieber finden, überwiegend tatsächlich von den Männern der von mir gewählten Zielgruppe. Die zwei oder drei jüngeren Männer, die mir interessierte Nachrichten schrieben, hielt ich mehr oder weniger für Irrläufer, mit denen ich mich auf keinen ausführlichen Austausch einlassen wollte oder musste.
 
Weil ich anfing, alles über das Thema Online-Dating zu lesen, stolperte ich dann im Netz über einen Artikel, der sich mit den Schwierigkeiten von Frauen über 40, einen neuen Partner zu finden, befasste. Sehr überrascht las ich, dass wir, die Ü-40-Frauen, als schwer vermittelbar gelten (wie z. B. auch Männer, die kleiner als 1,65 Meter sind!). Das war mir noch gar nicht so aufgefallen… wurde in dem Artikel aber als Fakt gehandelt: Frauen zwischen 30 und 40 haben noch reichliche Auswahl und Frauen ab… äh… nun, dem Punkt, wo sie keine Bedenken mehr haben, sich auf einer Senioren-Seite anzumelden, auch. Dazwischen… na ja, das könnte schwierig werden. Bringen Sie viel Geduld mit und schrauben Sie Ihre Ansprüche herunter.
 
Genau das wollen Frauen ab 40 nicht hören: Wir haben keine Zeit mehr, geduldig zu warten: Wer weiß denn, wann die Wechseljahre zuschlagen und was sie mit uns und aus uns machen? Und unsere Ansprüche herunterschrauben… jetzt, wo wir uns endlich soweit sortiert und eingerichtet haben, dass wir das Leben genießen können? Wo wir uns mühsam an den Punkt vorgearbeitet haben, an dem wir einen Mann in unserem Leben nicht mehr unbedingt brauchen (weil wir uns ohne ihn nicht vollwertig fühlen), sondern ihn uns nur wünschen (weil manche Sachen mit einem Mann einfach mehr Spaß machen als mit einem Hund, der besten Freundin oder einem Vibrator)? Da wollen wir doch nicht unsere Ansprüche herunterschrauben und uns mit irgendeinem Typen zufriedengeben, der seinerseits nichts Besseres kriegen kann. Nicht mein Ansatz, wirklich nicht.
 
Ein anderer Artikel riet der Ü-40-Problemgruppe ganz fröhlich, den eigenen Horizont zu erweitern und offener zu sein für die Männer, die auf den ersten Blick nicht ins Beuteschema passen. Aha. Und das wären welche Männer?
 
Kurze Analyse der vorhandenen Bestände und des sich daraus ergebenden Bedarfs:
• Junge Frauen suchen im Allgemeinen junge Männer, die keine Angst vor Frauen haben, die eine Beziehung suchen und vermutlich früher oder später eine Familie gründen möchten.
• Ältere Frauen suchen im Allgemeinen gleichaltrige oder geringfügig ältere Männer, die nach Möglichkeit gut in Form, ungebunden, (finanziell) unabhängig, attraktiv und beziehungsfähig sein sollen.
• Junge Männer suchen im Allgemeinen junge Frauen. Der Wunsch nach einer festen Beziehung und Familiengründung ist bei den meisten Exemplaren häufig noch nicht so ausgeprägt wie bei den gleichaltrigen Frauen, aber doch zumindest latent vorhanden. Außer bei den jungen Männern, die – aus Gründen – eben das vermeiden wollen.
• Ältere Männer suchen im Allgemeinen… junge Frauen. Oft haben sie eine Beziehung mit einer gleichaltrigen Frau hinter sich – und möchten jetzt etwas anderes. Die Tatsache, dass jüngere Frauen mit Familienwunsch sich für sie interessieren, schmeichelt durchaus ihrer Eitel- und Männlichkeit. Da es genügend junge Frauen gibt, die für den Charme eines reiferen Mannes anfällig sind, haben zumindest die attraktiven und finanziell unabhängigen Herren auch reichlich Auswahl.
Und – wer hat’s bemerkt? Genau: Die Interessen der jungen und der älteren Frauen überschneiden sich an dieser Stelle.
 
Wer ist also noch nicht vermittelt? Natürlich: Die älteren Frauen. Wer noch? Richtig: Die jungen Männer, die bei den jungen Frauen nicht landen können (z. B. weil sie schon Kinder aus einer früheren Beziehung mitbringen, finanziell klamm oder zu ungeschickt und unerfahren im Umgang mit Frauen sind) oder wollen (z. B. weil ihnen gerade ihre eigene Karriere wichtiger als ist als die Selbstverwirklichung ihrer Partnerin und sie sich deshalb nicht dauerhaft binden wollen).
 
Gibt es Alternativen für die älteren Frauen? Sicher. Bestimmt einer von hundert reiferen Männern entscheidet sich bei der Frage, ob er lieber eine attraktive Mittdreißigerin oder eine nicht minder attraktive Mittvierzigerin will, für die ältere Frau. Mehr nicht? Doch, klar: Es bleibt noch eine (gar nicht mal so kleine) Gruppe von Männern, die – sterbenslangweilig, obwohl vielleicht auch erst 45 – bei einer Frau, die ihren neugierigen Blick über das Online-Profil schweifen lässt, nur eine Reaktion hervorruft: „Was willst du denn? Restpflege?“ Diese Männer wollen wir mal außen vor lassen, okay?
 
Kommen wir zurück zu den beiden großen, noch nicht vermittelten Gruppen: Den jungen Männern ohne Familiengründungswunsch und den älteren Frauen (ebenfalls ohne Familiengründungswunsch; dieser ist entweder bereits verwirklicht oder mittlerweile abgehakt). Möglicherweise ist die Schnittmenge an Gemeinsamkeiten viel größer als gedacht. Lustigerweise scheinen die Männer dies eher zu realisieren (obwohl Frauen sicher viel mehr über diese Themen nachdenken): Nur wenige reifere Frauen schreiben aktiv jüngere Männer an; umgekehrt werden es täglich mehr junge Männer, die ihr Beuteschema erweitern und ihr Glück bei Frauen versuchen, die zehn oder fünfzehn Jahre älter sind als sie.
 
Es ist in der Grinsekatze nachzulesen: In meine erste Begegnung mit einem jüngeren Mann bin ich irgendwie so reingestolpert. Nummer 4 (der in die Gruppe der jungen Männer gehört, die keine Zeit für eine Beziehung haben) wollte nur spielen und ich hatte gerade nichts Besseres zu tun und habe mitgespielt. Dass sich daraus eine so große Geschichte entwickelt, war weder abzusehen noch geplant. Über den Altersunterschied haben wir nie gesprochen. Als ich letzten Sommer, des Ja-und-Nein-Spiels mit Nummer 4 vorübergehend müde, mal wieder Männerprofile durchforstete, war ich noch der festen Ansicht, dass dieser eine junge Mann ein Ausrutscher war und eine Ausnahme bleiben würde (dementsprechend wies ich die mich zwischendurch immer mal wieder anschreibenden jungen Männer ohne genauere Überprüfung ab).
 
Zu dieser Zeit überarbeitete ich auch meinen Profiltext im Joyclub: Mein Profil wurde weniger harmlos und sympathisch und dafür sehr viel frecher und herausfordernder. Entsprechend veränderten sich auch die Zuschriften bzw. die Männer, die mir schrieben. Plötzlich schienen das Gros der interessierten Männer nicht mehr in die Gruppe der Junggesellen zwischen 45 und 55 zu passen: Mindestens die Hälfte der Männer war jünger als ich und die meisten älteren Männer, die mir noch schrieben, gaben „Feste Beziehung“ als Status an. Da ich gebundene Männer grundsätzlich aussortiere (das hatte ich vor meinen Online-Dating-Zeiten schon mal und brauche ich nicht wieder), blieben überwiegend jüngere Männer übrig, die meisten zwischen 35 und 40. Und mir wurde plötzlich klar, dass die auch schon erwachsen sind! Was für eine Erkenntnis – und was sagt die über mich??? (Memo an mich selbst: Diesen Gedanken besser nicht weiter verfolgen!)!
 
Die jüngeren Männer unterscheiden sich von den älteren Männern im Großen und Ganzen vor allem durch ihren Blick aufs Leben. Die, mit denen ich bisher zu tun hatte, sind alle recht erfolgreich in ihrem Beruf und scheinen auch sonst mit ihrem Leben ganz gut klarzukommen. Was mir an ihnen sehr angenehm auffällt: Sie sind nicht ständig auf der Suche nach Lob und Bestätigung, weder durch mich noch durch andere. Da sie an mir meistens meinen extrem feinsinnigen und geistreichen Humor schätzen (neben meinen optischen Vorzügen, versteht sich), lassen sie es sich gefallen, dass ich sie nicht immer ernst nehme und manchmal sogar ein bisschen verschaukele. Entsprechend verschaukeln sie mich dann auch, vor allem, wenn sie erst mal gemerkt haben, dass ich Frechheit durchaus zu schätzen weiß. Auf die Weise sind eigentlich die bisher ergiebigsten Mailwechsel entstanden – unabhängig davon, ob man sich dann später trifft oder nicht.
 
Natürlich schrieben und schreiben mir auch weiterhin die Männer aus meiner ursprünglichen Zielgruppe. Und ich überrasche mich selbst beim Lesen ihrer Zuschriften und ihrer Profile immer häufiger bei dem Gedanken: „Was willst du alter Knacker eigentlich von mir?“ Dann gucke ich noch mal schnell auf die Altersangabe, denke „Ups, zwei Jahre jünger als ich! “ und trete mich innerlich in den Allerwertesten. Schreibe freundlich und ermutigend zurück und stelle immer mal wieder fest, dass auch Männer über 40 oder gar 45 noch ganz unterhaltsam sein können – auch wenn sie oft keine Lust auf lange Korrespondenz haben (was vielleicht auch daran liegt, dass sie zum Schreiben eigentlich eine Sekretärin brauchen) und sich stattdessen so schnell wie möglich treffen wollen.
 

Letztendlich sollte meine Devise wahrscheinlich lauten: Flexibel bleiben und offen für alles! Ich mag nun mal Männer, die (noch) nicht alles so ernst nehmen, die Freude an den Dingen haben, mit denen sie sich umgeben und die mit wachem Interesse und einer gesunden Neugier in die Zukunft schauen. Klagen wie „Früher war mehr Lametta!“ und „Ich glaube, diese Schmerzen im Rücken sind jetzt chronisch!“ lassen sich bei Twitter gut verwerten, sind aber im wirklichen Leben eher unsexy. Meine Meinung. Natürlich leide ich auch mal am Leben und jammere sowieso total gerne rum. Aber dafür habe ich doch Familie und Kollegen und nicht die Männer, die ich gerade erst kennen lerne und denen ich gefallen möchte. Ich hatte schon viel Spaß im Leben, mit oder ohne Männer. Ich brauche keinen Mann, um mich zu amüsieren, aber manche Sachen… ach, siehe oben! Ich bin 47 – alt und langweilig werde ich von ganz alleine. Aber bis es so weit ist, können ruhig noch ein paar Typen kommen und mich ein Stückchen auf meinem Weg begleiten, möglichst ohne mein Leben dadurch langweiliger zu machen. Wo das alles enden soll? Keine Ahnung. Hauptsache, es endet nicht zu schnell!

„Beziehungsstatus: Mit Vögeln kenn‘ ich mich nicht so aus!“ – (Warum ich auf einer „verruchten Erotik-Plattform“ mehr Spaß habe als bei einem „harmlosen Flirt-Portal“)

Es kommt mittlerweile häufiger vor, dass Freunde und Bekannte sich mit mir über das Online-Dating unterhalten wollen. Darüber freue ich mich immer, denn ich amüsiere mich ja prächtig mit vielen Männern, die im Internet unterwegs sind, und tausche auch sehr gerne Erfahrungen zu diesem Themenkomplex aus. Hier kommt also mein persönlicher Vergleich verschiedener Dating-Portale (bzw. der erste Teil dieses ausufernden Vergleichs).

Die Erfahrungen meiner Gesprächspartner, vor allem der weiblichen, sind keineswegs immer so erfreulich sind wie meine. Viele berichten gar, dass sie sich nach einer kurzen Testphase bei einer Singlebörse entnervt wieder abgemeldet haben, weil entweder niemand oder nur nicht in Frage kommende Männer (die aber dafür in großer Anzahl) Interesse an ihnen angemeldet hatten. Inzwischen frage ich dann schon immer direkt: „Dann warst du sicher bei einer dieser grundsätzlich kostenlosen Singlebörsen, wo der Schwerpunkt angeblich auf Dating und Beziehung liegt, oder?“ und das trifft meistens sogar zu.
 
Es gibt mehrere sehr mitgliederreiche Dating-Plattformen, bei denen laut Anbieterangaben das Kontakteknüpfen im Vordergrund steht. Man kann sich ohne große Formalitäten und aufwendige Echtheitsprüfungen anmelden und dann sofort loslegen. Entweder mit dem liebevollen Ausfüllen seines Profils oder damit, andere Mitgliederprofile anzusehen und eventuell direkt Kontakte anzubahnen. Das tun viele, vor allem viele Männer, und im Eifer des Gefechts vergessen sie dann auch später gerne, ihr eigenes Profil etwas informativer zu gestalten. Die Frage, ob es Frauen gibt, die auf eine Zuschrift mit einem Text wie „Hallo du, ich finde dich attraktiv. Wollen wir uns mal treffen? Lg der Dings“ von einem Mann ohne persönliche Angaben im Profil und ohne Foto, positiv reagieren, kann definitiv verneint werden. Das scheinen aber viele Männer nicht zu realisieren. Was nervt.
 
Noch mehr nerven tun die Typen, die eine Frau direkt nach der Anmeldung in einem dieser Foren anschreiben oder zum Chat einladen. Direkt nach der Anmeldung – damit meine ich: Bevor die Frau nur ein Wort in ihr Profil schreiben oder ein Bild hochladen konnte. Die Männer sehen also: Einen Benutzernamen, das Alter und den Wohnort. Wie persönlich geschmeichelt kann frau sich mit einer Zuschrift in diesem Moment fühlen? Genau. Von zwei oder drei Seiten habe ich mich aus diesem Grund mehr oder weniger direkt nach der Anmeldung wieder abgemeldet.
 
Vor etwas mehr als einem Jahr, als in mir der Entschluss herangereift war, es mit dem Online-Dating mal zu versuchen, habe ich mich nach einer kurzen Informations- und Testphase (es gibt verschiedene sehr nützliche unabhängige Vergleichsportale) nicht für eins dieser Dating-Portale entschieden, sondern für den Joyclub, eine Seite, die als Erotik-Portal kategorisiert wird. Und diese Entscheidung bisher in keiner Weise bereut.
 
Aus Gründen:

  • Für Frauen gibt es – ohne Altersgrenze, aber mit Echtheitsprüfung – eine kostenlose Mitgliedschaft, mit der man alle wichtigen Funktionen der Seite nutzen kann (für Männer leider nicht, die müssen zahlen, sobald sie aktiv werden möchten).
  • Das Design ist verhältnismäßig ansprechend in rot und schwarz gehalten – und es gibt keine lästigen Werbe-Popups, die sich bei jedem Klicken bemerkbar machen.
  • Es gibt einen kleinen Messenger, der gut funktioniert, und für das Mobiltelefon angepasste Seiten, so dass man die wesentlichen Funktionen der Seite auch von unterwegs nutzen kann.
  • Beim Ausfüllen des eigenen Profils gibt es relativ viele Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung – und viele Mitglieder nutzen das ganz kreativ, so dass es durchaus Spaß macht, fremde Profile anzuschauen.
  • Man kann innerhalb des Joyclubs Fotos als Mail-Anhang verschicken (auf Seiten, wo das nicht geht, muss man also für die Männer, die (warum auch immer) kein Foto im Profil haben und von denen man eins sehen möchte, also immer eine Pseudonym-E-Mail-Adresse bereithalten.
  • Es gibt einen gut funktionierenden Privatchat-Bereich, wahlweise mit oder ohne Kamera. Auch dafür muss man keine Kontaktdaten preisgeben.
  • Über den eigentlichen Dating-Bereich hinaus gibt es ein großes Forum und sehr viele Gruppen verschiedener „Interessengemeinschaften“, in denen man viele Informationen findet und auch ohne Stress Kontakte knüpfen kann.
  • Es ist nicht vorgeschrieben, dass man/frau auf seinen/ihren Profilfotos erkennbar sein muss: unkenntlich gemachte Gesichter, Teilfotos (z. B. von Füßen) etc. sind ausdrücklich erlaubt.

Dass der Joyclub von vorneherein einen klaren Schwerpunkt auf Erotik setzt (statt auf Partnerschaft und Dating wie die meisten Portale, die einen besseren Ruf haben), fand ich bei meiner Anmeldung nicht weiter schlimm – ich war ja schließlich nicht auf der Suche nach einem Brieffreund oder einer platonischen Beziehung. Die Möglichkeiten, in meinem Profil anzugeben, wonach ich suche (bzw. für was ich gerne gefunden werden möchte), erschienen mir vollkommen ausreichend. Man kann hier sowohl verschiedene Wünsche (so ziemlich alles zwischen Seelenfreund und Sex) anklicken als auch frei formulieren, was einem wichtig ist.
 
Das Schreiben meines ersten Profiltextes war eine aufregende Sache; die Frage „Wen will ich ansprechen und was muss ich dafür von mir mitteilen (und was lieber nicht?“) stellt man sich ja im Privatleben sonst nicht häufig! Noch lustiger war die Frage, was für Fotos ich hochlade! Die Fotos, für die ich mich entschied, musste ich erst machen, und zwar höchstpersönlich mit der Digicam und dem Selbstauslöser, den ich – lebenslang als wenig fotogen geltend – vorher noch nie benutzt hatte. Halbwegs taugliche Klamotten mit der richtigen Dosis Einblick fanden sich auch erst nach längerem Suchen in den Tiefen des Kleiderschranks. Einen ganzen Abend verbrachte ich damit, mich in Szene zu setzen und dabei verführerisch und nicht zu blöd bzw. billig auszusehen. Erstaunlicherweise waren diese ersten Fotos gar nicht so schlecht. Und die Aktion machte unheimlich Spaß! Schnell noch schwarze Balken vor die Augen montieren und hochladen.
 
Meine früher übrigens legendäre Schüchternheit gegenüber Männern hat sich im letzten Jahr weitgehend verloren; es würde mir jetzt keinen Stress mehr bereiten, von mir aus interessante Männer anzuschreiben (das muss ich bloß kaum noch, weil mir immer genug Männer zuerst schreiben, um mich beschäftigt zu halten!). Zu Beginn meiner Zeit beim Joyclub hätte ich mich das niemals getraut, damals hatte ich noch Angst vor Ablehnung und anderen Peinlichkeiten (völlig überflüssig, wie ich heute weiß – rund 95% der Männer sind zumindest dankbar und gerührt, wenn frau sie anschreibt, und selbst wenn sie nicht wirklich interessiert sind, werden sie auf eine freundliche Zuschrift, mit der eine Frau sich Mühe gegeben hat, mehr als freundlich reagieren).
 
Meinen Profiltext, meine persönlichen Angaben (nicht nur die zum Gewicht), meine Bilder und vor allem mein Motto ergänze und ändere ich regelmäßig. Mein Einstiegsmotto war „Wer immer um den heißen Brei herumredet, fällt selbst hinein!“, war zwischendurch lange „Alles muss, nichts kann! “ und ist jetzt im Allgemeinen von auf Twitter beliebten Formulierungen inspiriert („Beziehungsstatus: Mimimi!“). Das Hochladen eines neuen hübschen Fotos wirkt bei einer eventuellen Flaute im Posteingang auch Wunder, denn neue Mitgliederfotos werden 24 Stunden lang auf der Startseite angezeigt – und ganz offensichtlich von vielen Mitgliedern regelmäßig angeschaut: Ein neues Bild bringt also immer reichlich neue Besucher auf das eigene Profil.
 
Am Rande bemerkt und um eventuellen Missverständnissen vorzubeugen: Meine Profilfotos sehen mir ähnlich. Sie sind alle von mir selbst mit einer einfachen Digicam und Selbstauslöser gemacht und nicht digital nachbearbeitet (außer mit dem Pornobalken über den Augen). Ich bin auf allen Fotos ziemlich angezogen und in erster Linie darum bemüht, authentisch und sympathisch auszusehen. Fast jugendfrei also. Und vielleicht ein bisschen sexy, aber eher in der Weise, die hoffentlich die männliche Fantasie anregt (und weniger in der Art, die männliche Fantasien befriedigt). Das funktioniert sehr gut und ich bekomme zahlreiche Komplimente – und viele Männer loben ausdrücklich die Tatsache, dass ich ihrer Vorstellungskraft genügend Freiraum lasse.
 
Für meinen Profiltext braucht ein Leser Freude an schrägem Humor und ein gutes Selbstbewusstsein. Die Tatsache, dass ich im Profiltext gerne mal Unsinn verbreite („Gib mir Tiernamen, wenn es dich glücklich macht, aber nenn mich nicht klein! Oder gar nett! „), ohne diesen in irgendeiner Weise durch Emoticons oder Hinweise wie *grins* zu entschärfen, hat sicher schon viele potentielle Interessenten abgeschreckt. Was völlig in Ordnung ist. Man kann es Männern sicher leichter machen – aber warum sollte ich?
 
Es finden sich immer genug Mutige, die mich anschreiben, und viele von denen sind auch durchaus ganz coole Typen, die selbst sehr witzige Texte verfassen und über deren Interesse ich mich freue. Manchmal schreibt man sich dann eine Weile und trifft sich dann. Manchmal schreibt man sich eine Weile und trifft sich dann doch nicht. Manchmal schreibt man sich nur ganz kurz und trifft sich – oder auch nicht. Alles ist möglich und mit jedem neuen Verehrer werden die Karten neu gemischt. Und nur weil die Korrespondenz auf einer Erotik-Plattform stattfindet, befasst sie sich keinesfalls nur mit Sex und dem dringenden Wunsch nach selbigem (das kommt – wenigstens in meinem Posteingang – viel häufiger auf den angeblich harmloseren Dating-Seiten vor), sondern auch mit Essen, Katzen, Internet, Fußball und Tagespolitik (also im Grunde denselben Themen wie bei Twitter…).
 

Mein persönliches Fazit: Da die meisten Männer im Joyclub für ihre Mitgliedschaft bezahlen, geben sie sich definitiv mehr Mühe bei der Kontaktanbahnung als die Kollegen auf den Umsonst-Seiten (auch wenn sie berechtigtermaßen über diese Ungleichbehandlung jammern). Ich würde mal schätzen, dass über die Hälfte der Zuschriften, die ich bekomme, zumindest so seriös ausfällt, dass ich sie gerne beantworte. Das scheint mir eine sehr gute Quote zu sein; auf den anderen Seiten, die ich probiert habe, liegt sie allenfalls bei 10 %, eher niedriger (wahlweise sehr viel niedriger). Ich bekomme nicht mehr Zuschriften, als ich beantworten kann (pro Tag so drei bis fünf Erstzuschriften, würde ich sagen, dazu natürlich noch die Mails von den Männern, denen ich schon mal geantwortet habe). Viele grundsätzlich aktive Mitglieder sind mindestens einmal täglich online; trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass einen eigentlich nie jemand drängelt, wenn man sich mal mit einer Antwort länger als 24 Stunden Zeit lässt. Was auch nicht überall selbstverständlich ist und einiges über den allgemeinen Umgangston und die Atmosphäre im Joyclub aussagt. Meine Erfolgsquote mit den im Joyclub geknüpften Kontakten, finde ich, spricht auch durchaus für sich: Etwa die Hälfte der Männer, mit denen ich mehr als zehn Mails getauscht hatte, habe ich mindestens einmal im sogenannten wirklichen Leben getroffen. Und von diesen Treffen – unabhängig ob dabei dann was rum- und rauskam – habe ich definitiv noch keins bereut.

Gib mir ein Zeichen. Kommas und Bindestriche im zwischenmenschlichen Austausch

Ich gehöre zu einer aussterbenden Spezies. Einer offensichtlich schnell aussterbenden. Ich bin ein Rechtschreib- und Zeichensetzungsjunkie. Ich finde gutgebaute Satzkonstruktionen, die durch sinnvoll und richtig platzierte Satzzeichen gegliedert werden, erotisch stimulierend. Natürlich vor allem auch dann, wenn die Inhalte stimmen, aber ein guter Schreibstil, der unter Nutzung der zur Verfügung stehenden Hilfsmittel, die Texte verständlich, eindeutig und generell lesefreundlich machen, entstanden ist, bereitet mir grundsätzlich Freude.

Lange Zeit hielt ich „eine schlechte Schreibe“ für ein Zeichen fehlender Bildung oder sogar beschränkter Intelligenz. In dieser Hinsicht bin ich mittlerweile, zumindest grundsätzlich, eines Besseren belehrt worden: Gleich zwei mir wichtige Menschen, die mir im Hinblick auf den Intellekt keineswegs unterlegen sind und hervorragend quatschen können, schreiben überraschenderweise wie die Dorfdeppen. Nicht was ihre Inhalte betrifft, aber in so ziemlich jeder anderen Hinsicht: Da finden sich Sätze, die ins Nichts führen (oder die deutlich zeigen, dass der Verfasser sich zwischen zwei möglichen Konstruktionen nicht entscheiden konnte und deswegen – möglicherweise unbewusst – eine Mischform „gewählt“ hat), Kommas, die – soweit überhaupt vorhanden – den englischen Regeln entsprechen, fehlende Bindestriche bzw. jede Menge Leerzeichen, wo sie nicht hingehören. Im privaten Schriftverkehr gerne ergänzt durch Emoticons an jedem Satzende (die dann von der Autokorrektur – auch ein Thema, über das man gar nicht genug weinen kann! – in Smileys umgewandelt werden).
 
Warum? Warum gibt sich jemand, der zu seinem Thema etwas zu sagen hat und dies auch freiwillig tut, so wenig Mühe mit Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung? Oder sind die immer zahlreicher und sichtbarer werdenden Fehler im Umgang mit der Schriftsprache gar nicht in erster Linie die Folge von Nachlässigkeit, sondern gar Programm? Ein interessanter Erklärungsansatz dafür, warum sich zum Beispiel das „Deppenleerzeichen“ mehr und mehr durchsetzt (weil nämlich die „Alleinstellung“ des Produktnamens eine Marketing-Maßnahme ist), findet sich in einem schönen Blog namens „Deppenleerzeichen.de“.
 
Eigentlich glaube ich persönlich aber, dass die angebliche Überzeugung, man könne ein Wort nur dann wirksam hervorheben, wenn man es unverbunden im Satz stehen lässt, eine – vielleicht von Marketing-Fachleuten – vorgeschobene Begründung ist, die vom eigentlichen Problem ablenken soll. Und das liegt eben doch eher in der Nachlässigkeit – und in gewissen Erscheinungen, die beim Verfassen von Texten mit dem mobilen Endgerät (in den meisten Fällen einem Smartphone) nun einmal auftreten. Wer die auf modernen Smartphones üblichen QWERTZ-Tastaturen kennt, weiß, dass hier die Versuchung groß ist, einzelne Wörter unverbunden aneinanderzureihen. Auf der direkt sichtbaren „Haupttastatur“ liegen die Buchstaben, der Punkt und die Leertaste (die größer als alle anderen Tasten ist). Komma, Bindestrich und weitere Satzzeichen finden sich auf einer zweiten Seite, die man über eine Sondertaste nach vorne holen muss. Was manchem Schreiber vielleicht gar nicht bewusst und anderen schlicht zu aufwendig ist („Was ich nicht sehe, brauche ich auch nicht.“).
 
Weitere Komplikationen bietet immer gerne die so geschimpfte Autokorrektur, die eigentlich eher eine Autovervollständigung ist: Mein Smartphone ist nämlich schlau und errät anhand der bereits eingetasteten Zeichen, was ich schreiben möchte. Oder auch nicht. Das ist natürlich toll, wenn es – nach nur drei von mir eingegebenen Buchstaben – mir schon das zwanzig Buchstaben lange Wort vorschlägt, das ich tatsächlich schreiben wollte. Dann genügt nämlich ein weiterer Touch und schon steht dieses Wort im Text. Nicht so toll ist, wenn das Smartphone „mein“ Wort partout nicht erkennen will und mir hartnäckig andere Vorschläge unterbreitet, die so ähnlich aussehen wie das Wort, das ich schreiben wollte. Vor allem, wenn ich – weil gerade unterwegs – nur mit einem Auge auf die Vorschläge schaue, weil ein weiteres Auge verhindern muss, dass ich beim Schreiben gegen eine Mauer laufe. Da kommt es schon mal vor, dass ein falsches Wort in der Nachricht landet („Bei Feueralarm wird das ganze Gebäude ejakuliert.“). Und zumindest bei meiner Tastatur ist es auch noch so, dass die Schreibanwendung in der Standardeinstellung nach dem Wort ein Leerzeichen setzt, sobald ich einen Vorschlag der Autokorrektur annehme. Sollte ich nach dem Wort also noch etwas anfügen wollen (ein weiteres Wort zum Beispiel oder auch nur ein Satzzeichen), muss ich mit der Rücktaste erst das Leerzeichen löschen.
 
Als ich mit dem Online-Dating anfing, besaß ich noch kein Smartphone; Online-Dating bestand für mich aus dem schnellen Prüfen des Posteingangs am Morgen und dem ausführlichen Verfassen von Mails am Abend, beides selbstverständlich unter Zuhilfenahme einer ausgewachsenen PC-Tastatur. Wie vorgestrig von mir! Wenn man den bekannten amerikanischen Studien und weiteren verlässlichen Prognosen trauen darf, ist das mobile Endgerät nicht nur unser aller Zukunft, auch beim Online-Dating, sondern bereits die Realität.
 
Mit diesem Wissen im Hinterkopf wundere ich mich natürlich nicht mehr über Erstkontakt-Mails mit Texten wie „finde dein profil spannend ;-) lust auf ein spontan treffen ? lg uli“ und vermute nicht mehr von vorneherein, wie vor einem Jahr noch, dass der Verfasser eher simpel gestrickt und der deutschen Sprache nicht mächtig ist, sondern ziehe auch in Erwägung, dass vielleicht ein eigentlich durchaus „brauchbarer“ Mann gerade nicht so viel Zeit und/oder Kommunikationsprobleme mit seinem Smartphone hatte. Vielleicht wäre er auch gerne ausführlich auf meinen Profiltext eingegangen, wenn nicht die Autokorrektur ihm die Lust auf Vokabeln wie „melancholisch“ oder „hinreißend“ verdorben hätte (oder wenn er noch fünf Minuten länger in der Supermarktschlange hätte warten müssen). Also schaue ich doch erst aufs Profil, bevor ich dem Bewerber eine freundliche Absage (auch nicht viel länger als eine Zeile, aber immerhin im ganzen Satz) schreibe. Und manchmal finde ich auch das Profil eines Smartphone-Einzeilen-Schreibers gar nicht so uninteressant, so dass ich – in der Hoffnung, dass die nächste Nachricht mit Hilfe einer richtigen Tastatur verfasst wird – etwas ausführlicher antworte. Klappt manchmal, manchmal auch nicht; einige Menschen schreiben aus purer Gewohnheit auf einer PC-Tastatur mittlerweile genauso schlampig wie auf ihrem Smartphone… aber selbst die sind nicht alle hoffnungslos und -obwohl der Rechtschreibjunkie in mir beim Verfassen einer ermutigenden Mail leise weint – manchmal lohnt sich ein tieferer Einblick.
 
Natürlich lässt sich auch etwas Gutes über die allgemeine Entwicklung auf dem Schreibsektor sagen: Bei dezenten und liebevollen Hinweisen auf gewisse Defizite beim Gestalten ihrer Texte sind die reizenden jungen Männer, deren eigentlich gute Mails manchmal mehr Fehler als Sätze enthalten, keineswegs beleidigt. Sie antworten vielmehr auf eine Textnachricht „Ich wusste nicht, was ich dir zum Geburtstag schenken soll… außer vielleicht einer Tüte Kommas (,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,)!“ ganz lässig mit „danke kann ich brauchen ;-)“. Was ja auch seinen Charme hat – auch wenn ich insgeheim davon träume, dass diese jungen Männer mir eines Tages Texte mit Groß- und Kleinschreibung schicken… und richtigen Satzzeichen… vielleicht sogar mal einem Semikolon an passender Stelle…?!?! Das könnte mir nämlich gefallen.
  

Weiterführende Literatur

Ein Erklärungsansatz dafür, warum sich zum Beispiel das „Deppenleerzeichen“ mehr und mehr durchsetzt, findet sich bei deppenleerzeichen.de
 
Neulich erst gelernt: Für das überflüssige und falsche Leerzeichen vor anderen Satzzeichen („Los jetzt !“) gibt es sogar einen Namen: Plenken (eine vermutlich vom englischen „blank“ abgeleitete Wortschöpfung).
 
Mehr Spaß mit der Autovervollständigung: autocompletefail.de
  

Grinsekatze räumt auf. Das sieht man.

Dieses Blog wird gerade aufgeräumt und ein bisschen neu gestaltet. Was ja mal sein muss. Eventuelle Unannehmlichkeiten wie vorübergehend fehlende Seiten, Logos, Navigationsleisten etc. bitten wir zu entschuldigen.

Die Keinzahnkatzen und ich arbeiten auf Hochtouren, um die Seite so schnell wie möglich in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Das grundsätzliche Layout finden wir auch schon ganz gut, aber am Feinschliff fehlt es natürlich noch (das Titelbild ist unscharf und die Formatierung der frühen Romankapitel ist beim Umbau ein bisschen abgestürzt). Wird alles wieder gut, so oder so.
 
Den Roman werde ich in den nächsten Tagen als pdf-Datei auf die Seite stellen; da stimmen die Formatierungen dann wieder. Und leichter runterladen und ausdrucken (Das hab ich jetzt nicht gesagt, oder?) lässt sich die Sache dann auch.
 
Ein neuer Artikel mit garantiert nicht w-wortlicher Thematik ist auch schon fast fertig und außerdem bekommen die Keinzahnkatzen, die ja viel mehr Freunde und Fans haben als ich, ihre feste Seite (auf der Seite).

Bleibt dran, es wird alles wieder schön – und passt bis dahin gut auf, dass ihr nicht versehentlich in die Baugrube fallt.

 

Grinsekatze geht ins Netz. Das große Finale.

Ein Wort vorweg: Natürlich ist die Geschichte der Grinsekatze nicht zu Ende erzählt. Sie wirft weiterhin ihre Netze auf Online-Dating-Seiten aus und zieht auch immer wieder ohne große Anstrengung großartiges und für eine literarische Verwurstung geeignetes Material an Land. Nichtsdestotrotz finde ich, dass das zum Finale des Blogromans aufgemotzte letzte Wochenenende im August, von dem diese finalen Kapitel handeln, einen guten (vorläufigen) Abschluss darstellt: Es gibt noch mal ganz großes Online-Dating-Kino vom Feinsten mit Sex, Lügen und Krankenhaus. Und dann eigentlich nicht mehr viel zu sagen…

Um eventuellen Unklarheiten vorzubeugen: Aus meiner Sicht kann ein offenes Ende definitiv ein Happy End sein, jawohl!
 
Vielleicht schreibe ich auch eines Tages die Fortsetzung der Grinsekatzen-Geschichte, das ist gar nicht mal so unwahrscheinlich. Aber vorher freue ich mich darauf, ein bisschen über die zahlreichen (zum großen Teil thematisch verwandten) Themen bloggen zu können, die im Roman keinen Platz gefunden haben, zum Beispiel über die Fragestellung „Online-Dating per Smartphone – Muss es mir egal sein, ob ein Mann keine Kommas setzen kann?“. Brennt mir auf den Nägeln, wirklich!
 
Den Grinsekatzen-Blogroman werde ich demnächst noch ein bisschen überarbeiten und dann als pdf-Datei auf die Seite stellen (Falls also noch jemand einen Fehler findet: Bitte nicht behalten, sondern bei mir abliefern!).

Danke für euer Interesse, die vielen motivierenden Rückmeldungen und Kommentare. Mir hat dieses Projekt unendlich viel Freude bereitet; wenn ihr auch Spaß hattet: umso besser! Lasst uns in Kontakt bleiben!

 

Ich bin nicht dick. Ich bin eine Wuchtbrumme.

Ich kann mich noch nicht so richtig entscheiden, ob ich diesen Artikel mit dem Satz „Ich bin eigentlich fast mein Leben lang dick!“ oder mit „Ich habe ja im letzten Jahr ziemlich viel abgenommen!“ beginnen soll. Beides stimmt. Was aber definitiv nicht stimmt, ist, dass in jeder dicken Frau eine dünne darauf wartet, endlich befreit zu werden. In mir zum Beispiel steckte eine Wuchtbrumme, die es jetzt endlich an die Oberfläche geschafft hat.

 

Die dünne Frau ist ein Mythos, ein ziemlich vergänglicher.
 
Ich kenne viele glückliche dicke Frauen. Keine von ihnen ist besonders glücklich darüber, dick zu sein, aber sie alle haben festgestellt, dass der Stress, den die ständige Sorge darüber, nicht irgendeinem Schönheitsideal zu entsprechen, und die daraus resultierenden Versuche, das Gewicht zu kontrollieren, schwerer wiegen als die positiven Effekte der (meist vorübergehenden) Gewichtsreduzierung.
 
Die meisten von ihnen sind früher oder später an den Punkt gekommen, an dem sie beschlossen haben, dass sie sich davon nicht den Tag oder gar ihr Leben versauen lassen wollen. Weil’s nämlich niemandem hilft. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass dieser Moment, in dem eine Frau denkt: „Okay, ich bin dick. Das ist an sich unpraktisch genug, denn meine Jeans sehen unangezogen aus wie Viermannzelte und angezogen schlicht so, wie Jeans nicht aussehen sollten. Außerdem fangen meine Knie und mein Rücken an, sich zu beschweren. Und meine Sitznachbarn im Flugzeug hassen mich (aus Gründen). Ich esse gern und oft zu viel. Ich kriege es nicht hin, dauerhaft abzunehmen – nennt mich willensschwach! Das alles macht mich nicht zu einem schlechteren Menschen. Ich möchte mein Leben nicht damit verbringen, heimlich zu essen und möglichst unauffällig aufzutreten.“
 
Der Satz, den wir unseren ignoranten kleinen Brüdern und impertinenten Schulfreundinnen jahrelang mit Inbrunst vor den Latz knallen – „Ja, ich bin dick. Aber ich kann abnehmen – und du wirst dann immer noch doof sein.“ – dieser Satz entspricht leider nicht den Tatsachen. Wir können nicht einfach unsere Willenskraft zusammenkratzen und abnehmen. Bestenfalls reicht die Energie für eine Periode des Entsagens und Verkneifens; in dieser Zeit wird so viel Druck aufgebaut, dass an ein Halten des mühsam ertrotzten geringeren Gewichts nach dem Abschluss der Diät gar nicht zu denken ist. Zu komplex sind die Zusammenhänge zwischen Sehnsucht, Hunger, Selbstablehnung und dem dringenden Bedürfnis, „sich selbst etwas Gutes zu tun“ – an jeder Station des selbstgebauten Teufelskreises gibt es mindestens eine Möglichkeit, falsch abzubiegen und prompt einen Fress-Flash zu kriegen.
 
Viele von uns stellen – vor allem in jüngeren Jahren – fest, dass sie genau die Jungs/Männer, die sie selbst interessant und attraktiv finden, nicht kriegen. Dafür zeigen aber Typen Interesse, mit denen wir nicht mal zusammen im Supermarkt gesehen werden wollten (Welche Sechzehnjährige freut sich schon, wenn man sie „Rasseweib“ nennt?). Auf diese Weise sozialisiert, kommt uns der Gedankengang „Wer an mir Interesse zeigt, kann ja nicht alle Tassen im Schrank haben – also will ich auf keinen Fall was von ihm!“ zumindest zeitweise ganz logisch vor.
 
Wenn wir ganz viel Glück haben, ändert sich das irgendwann mit den Jahren und wir kommen an den Punkt, an dem wir a) mit unserer Figur und uns halbwegs im Reinen sind und b) nicht grundsätzlich jedem Mann, der Interesse an uns zeigt, einen Rubens-Fetisch unterstellen. Zum Beispiel weil wir merken, dass wir erfolgreich und beliebt sind (und dazu noch eine unwiderstehlich dreckige Lache haben und keine Angst davor, dass man auch mal über uns lacht). Oder weil uns ein einziger toller Mann glaubhaft versichert, dass er uns unabhängig von unserer Körbchengröße großartig findet. Oder weil wir merken, dass wir zumindest versuchen können, unsere Essstörung unabhängig von vielen anderen offenen Fragen zu betrachten.
 
Eine Kombination dieser Erkenntnisse und noch ein paar andere Kleinigkeiten haben es bei mir im Laufe des letzten Jahres tatsächlich geschafft, dass ich ohne besondere Anstrengung ganz gut abnehmen konnte. Keine Ahnung, wieviel – ich besitze keine Waage – aber ungefähr drei Kleidergrößen. Dünn bin ich damit noch lange nicht, aber ich passe – nach einer langen Zeit in den verhassten Übergrößen – jetzt wieder in normale Klamotten. Und werde – aus Gründen! – versuchen, diesen Winter ausschließlich kurze Röcke zu tragen (auch wenn es Gefrierbrand am Hintern geben sollte); die Jeans, die ich letzten Winter getragen habe, mag ich nämlich nicht mehr sehen. Das ist aber auch schon die größte mit dem Gewichtsverlust einhergehende Veränderung. Ansonsten bin ich derselbe Mensch, dieselbe Frau wie vorher. Vielleicht etwas couragierter, aber im Wesentlichen ganz genau die, die ich war. Sexy war ich auch vorher schon, wenn auch vielleicht nicht so offensiv sexy. Kar, dass die tollen Typen, mit denen ich so zu tun habe, vor allem meine Kurven mögen – seit ich als Arbeits-Hypothese in den Raum gestellt habe, dass ich eine Wuchtbrumme bin und dass das eben so gehört. Die Männer finden das gut und lustigerweise machen sie sich höchstens Sorgen, dass ich zu dünn werden könnte! Was natürlich ballaballa ist und sehr charmant.
 
Diät ist nicht nur ein schmutziges Wort.
 
Ich weiß ja noch nicht einmal mit Sicherheit, ob ich nicht vielleicht doch irgendwann wieder dick werde. Im Moment glaube ich, dass ich den schützenden Fettpanzer nie wieder brauchen werde, aber wissen kann ich das doch nicht! Aber selbst wenn es so ist (und ich eines schönen Tages wieder Jeans in Viermannzeltgröße trage): Ich bin derselbe Mensch und dieselbe Frau. Ich bin nicht besser und nicht schlechter, nur weil ich dünner oder dicker bin. Nur eben dünner oder dicker. Und ihr könnt im Umgang mit mir auch einfach dieselben Menschen bleiben, dünner oder dicker, wie es bei euch gerade angesagt ist.
 
Übrigens: Wenn ich bei einer dieser angeblich manchmal vorbeikommenden guten Fee einen Wunsch frei hätte, würde ich mir statt der Gewissheit, nie wieder richtig dick zu werden, viel dringender wünschen, dass meine Haare nicht grau würden. Denn das ist was, wovor es mich wirklich ernsthaft gruselt – und ein anderes Thema, auf das ich eventuell zu einem anderen Zeitpunkt ausführlich zu sprechen kommen werde.
 

Hier ist die vorletzte Portion der Grinsekatzen-Story (Kapitel 36 und 37). In der nächsten Woche erwartet uns dann das große Finale. Ich bin schon so gespannt, wie die Geschichte ausgehen wird…

 

Meine Mitbewohnerinnen (Katzencontent)

Zur Begleitung der drei Kapitel, die ich heute hochlade, würde ich ja gerne einen schlauen Artikel schreiben. Über das Online-Dating an sich, im Individualfall oder auch sonst einen anderen spannenden Aspekt meines Lebens. Wird aber schwierig, denn sie sind wieder schon vor mir da. Die Keinzahnkatzen, und zwar – strategisch verteilt – auf meinem Laptop und mir. Die rechte Hand kann ich zwar noch bewegen, aber nur noch auf der linken Hälfte des Keyboards.

 

Andererseits ist das vielleicht die Gelegenheit, endlich mal zu Ehren meiner Mitbewohnerinnen, der Keinzahnkatzen, den Prozentsatz an katzenrelevanten Inhalten („Catcontent“) auf dieser Seite drastisch zu erhöhen. Schließlich, so habe ich mit großer Freude gelernt, darf man das im Umfeld der Bloggerszene – nach Einbruch der Dunkelheit sitzen da mehr Katzen an und auf Keyboards, als man angesichts der hochseriösen Inhalte, die die dazugehörigen, meist sehr aktiven Menschen tagsüber ins Netz stellen, vermuten würde. Die hinter vorgehaltener Hand verbreitete These, hinter jedem erfolgreichen Blogger stehe eine ziemlich entschlossene Katze, hat also durchaus ihre Berechtigung. Und von Zeit zu Zeit (die einzuhaltenden Mindestabstände hängen von sehr vielen unterschiedlichen Faktoren ab, die ich, um nicht den Rahmen zu sprengen, jetzt nicht aufzählen werde) ist es auch ohne allzu gravierende Folgen statthaft, Catcontent zu posten.

Daran nehme ich mir gerne ein Beispiel. Olga und Ida sind schließlich diejenigen, die meine Schreibtätigkeit ständig begleiten und überwachen, die mich anstacheln und ermuntern, ehrlich kritisieren – und oft auch die ersten, die ein Lob über eine gelungene Formulierung zum Ausdruck bringen. Sie haben – lange vor mir – den Nutzen von Social Media erkannt und unser gemeinsamer Twitter-Account läuft noch immer auf ihren Namen; sie haben dort auch die ersten Freunde gewonnen und mir den Einstieg ganz wesentlich erleichtert.

Mal was anderes:

Falls jemand dazu eine Idee hat: Bitte melden!

Die Keinzahnkatzen nehmen auch regen Anteil an meiner Online-Dating-Aktivität. Sie lieben diese gemeinsamen Abende, an denen wir in Singlebörsen zusammen Männer-Profile studieren, neckische Mails austauschen und uns – mit Glück – an eine Verabredung herantasten. Niemals würden sie mir gestatten, mich mit einem bekennenden Katzenhasser zu treffen. Einen Allergiker, der bei ihrem Anblick niesen muss und Pickel kriegt, würden sie allerdings recht lustig finden (ja, Katzen haben durchaus sadistische Neigungen). Wenn ich mal einen Mann mit nach Hause bringe, unterziehen sie ihn einem – ganz unauffälligen – Test durch minutenlanges Anstarren ohne Blinzeln, scheinbar unmotiviertes (aber lautes) Rumjammern im Nebenzimmer und das Klauen und Verstecken von Schuhen und Kleidungsstücken. Ein Mann, der dabei nicht Haltung bewahrt, wird selbstverständlich kein zweites Mal eingeladen.

Obwohl ich mich ja sehr großstädtisch fühle (und auch gebe), habe ich den größten Teil meiner jungen Jahre in einem Vorort von Hamburg verbracht. In Sicht- und Hörweite der Kirche, die pflichtgemäß an jedem Sonntagmorgen so viele Besucher wie möglich zu aktivieren versuchte. Mit Glockenläuten. Zweimal, um neun und um viertel vor zehn – also zu nachtschlafender Zeit aus der Sicht einer Spätpubertierenden. Und wofür? Wer in den Gottesdienst gehen wollte, ging hin – die Termine waren allgemein bekannt und schon damals hatte praktisch jeder Bürger eine eigene Armbanduhr und einen Wecker. Die anderen (also die meisten) hatten was anderes vor und blieben zu Hause. Dass jemals jemand spontan in die Kirche gegangen wäre, weil gerade die Glocken läuteten, ist mir zumindest nicht zu Ohren gekommen.

Ich schweife ab… Was ich sagen wollte: Jeden Sonntag wachte ich durch das Glockenläuten auf, fühlte mich gestört und ärgerte mich. Bis ich eines Sonntagmorgens – entsetzlich! – um neun Uhr wach wurde, weil es nicht läutete!!!! Die Kirchenglocken bzw. die sie in Bewegung setzende Maschinerie war defekt. Himmlische Ruhe lag über dem Ort – und was war: Mein Unterbewusstsein fühlte sich gestört, weil es nicht läutete! ARGH!!!!

Was ich noch eigentlicher und vor allem sagen sollte: Natürlich beschwere ich mich gerne darüber, dass eine dicke Katze auf meinem Sofa, meinem Schoß oder meiner Tastatur sitzt und mir beim Schreiben eine ungeahnte Gelenkigkeit sowie eine gewisse Unempfindlichkeit gegenüber Zungenküssen mit Katzenfuttergeschmack abverlangt. Das erwartet die dicke Katze auch von mir. Weil sie – wie ich und ihr wahrscheinlich auch – ja weiß, dass sich die Realität wieder einmal etwas anders darstellt: Ohne meine feline Schreibblockade wäre ich nichts, kein Wort flösse aus meiner Feder bzw. in meine Tastatur. Weil ich nicht in Stimmung käme und mir nichts einfiele. Keine neuen Kapitel, so wie heute. Gar nichts. Nicht mal ein klitzekleiner Keinzahnkatzentweet bei Nacht.

 

Grinsekatze feiert: Ein Jahr Online-Dating (Hoch die Tassen!)

In diesen Tagen feiere ich mein einjähriges Online-Dating-Jubiläum. Es ist eigenartig; einerseits kann ich mich noch bestens an meine Gedanken und Gefühle rund um meine Anmeldung im „Funclub“ erinnern (‚“als wäre es gestern gewesen!“), andererseits habe ich den Eindruck, dass mein Leben und ich uns seitdem mehrmals um die jeweils eigene Achse, umeinander und durch den Wolf gedreht haben – und dass fast alles irgendwie ein bisschen anders geworden ist.

 
Vor etwas mehr als einem Jahr lebte ich in dem Glauben, dass ich wahrscheinlich nie wieder einen Mann kennen lernen würde, der mich genug interessiert, um eine wie auch immer geartete Anstrengung zu unternehmen, ihn irgendwie in mein Leben zu integrieren. Das offizielle Ende meiner letzten Beziehung – „aus technischen Gründen“ – lag zu diesem Zeitpunkt eineinhalb Jahre zurück, aus meinem langjährigen Liebhaber war mein bester Freund geworden. Der Schock über diese erzwungene Umstellung war so langsam verarbeitet – und mit „verarbeitet“ meine ich „einer tief sitzenden Erschöpfung gewichen“. Mit Mitte dreißig war ich verliebt, optimistisch und hüpfenden Schrittes in diese Beziehung hineingegangen, zehn Jahre später kam ich wieder raus und fühlte mich schlapp, verbraucht und seltsam getrennt von meinem Gefühlsleben. Schlimm genug an sich, aber das Schlimmste war: Resignation. Ich hatte keine Idee, wie ich die Situation ändern könnte.
 
Obwohl ich, so glaube ich zumindest, in meinem Unglück nicht direkt unauffällig war (ich konnte, wenn auch gefühlsmäßig distanziert, ohne Weiteres darüber sprechen), hat mir aus meinem grundsätzlich empathischen Umfeld niemand jemals vorgeschlagen, es doch mit Online-Dating zu versuchen. Nicht mal die Bekannten und Freunde, die damit tatsächlich schon selbst Erfahrungen hatten!
Warum? Und warum ergeben aktuelle Studien in Deutschland, dass jede/r vierte Erwachsene bereits Erfahrungen mit dem Online-Dating hat, während sich in meinem nicht direkt kleinen Freundes- und Bekanntenkreis gerade mal sechs Personen dazu bekennen?
 
Woher die Idee in meinem Kopf dann plötzlich kam? Keine Ahnung. Ich hab’s auch vorher niemandem erzählt (anders als im Roman hat Claudi sich nämlich nicht auch dort angemeldet- sie hat erst einige Tage später von meiner Aktion erfahren!) , sondern mir heimlich still und leise ein paar Webportale angeschaut, auf denen verschiedene Dating-Sites verglichen wurden, in einige Seiten reingeschaut und mich dann für eine entschieden. Dass dieses Forum von vorneherein einen klaren Schwerpunkt auf Erotik setzt (statt auf Partnerschaft und Dating wie die meisten Portale, die „einen besseren Ruf“ haben), störte mich keineswegs, im Gegenteil. Ich sah mich zu der Zeit nicht als Single, hatte mich emotional noch nicht von meinem Ex-Freund gelöst und war in erster Linie auf der Suche mehr nach einem Bett- als nach einem Lebenspartner.
 
Das Schreiben meines ersten Profiltextes war eine aufregende Sache; die Frage „Wen will ich ansprechen und was muss ich dafür von mir mitteilen (und was lieber nicht?)“ stellt man sich ja im Privatleben sonst nicht häufig! Noch lustiger war die Frage, was für Fotos ich hochlade! Die Bilder, für die ich mich dann entschied, musste ich erst machen, und zwar höchstpersönlich mit der Digicam und dem Selbstauslöser, den ich vorher noch nie benutzt hatte. Reizvolle Klamotten mit der richtigen Dosis Einblick fanden sich auch erst nach längerem Suchen in den Tiefen des Kleiderschranks. Einen ganzen Abend verbrachte ich damit, mich in Szene zu setzen und dabei möglichst verführerisch und nicht zu blöd bzw. billig auszusehen. Erstaunlicherweise waren diese ersten Fotos gar nicht so schlecht. Und die Aktion machte unheimlich Spaß, so dass ich mein Profil schließlich sehr aufgeregt, aber auch sehr optimistisch vervollständigte und ins Netz hochlud! Die ersten Reaktionen (Komplimente für die Fotos und die Texte inklusive) lagen schon am nächsten Morgen vor. Allein die Erfahrung, dass ich, die ich wegen meiner weithin sichtbaren Attribute „schlau, fett und extrem eigensinnig“ mein Leben lang als „schwer vermittelbar“ galt (nämlich nur an Männer mit „special interest“, von denen ich aber wenige getroffen habe und noch weniger selbst attraktiv fand), plötzlich ins Beuteschema mehrerer Männer gleichzeitig passte und sozusagen freie Auswahl hatte, war absolut unbezahlbar.
 
Das Thema dieses Artikels ist ein anderes: Ich möchte hier und jetzt eine Lanze für das Online-Dating brechen. Es ist einfach, es ist bezahlbar und es macht Spaß! Man fängt einfach damit an und entwickelt seine Strategien durch Versuch und Irrtum weiter. Für fast alles gibt es im Zweifelsfall eine zweite oder dritte Chance. Es ist unglaublich gut für das Selbstbewusstsein, als Frau muss man fast nichts tun, um tolle Zuschriften von tollen Männern zu bekommen. Man kommt ganz leicht ins Gespräch mit Menschen, die man im wirklichen Leben niemals getroffen hätte (oder bei denen man nicht auf die Idee gekommen wäre, dass sie vielleicht auch auf der Suche und sogar interessiert sind). Man hat alle Fäden selbst in der Hand und entscheidet individuell, wie viel Engagement und Emotion man ins Suchen, ins Gefundenwerden oder einen speziellen Kontakt investieren möchte.
 
Ich persönlich habe mit ziemlich vielen Männern online korrespondiert. Mit manchen freundschaftlich, mit anderen sehr lustig und mit einigen wenigen eher knapp. Mit bisher sieben Männern hat sich tatsächlich so etwas wie ein echtes und gegenseitiges Interesse entwickelt, mit sechs von diesen sieben Typen habe ich mich dann tatsächlich getroffen. Mit drei von diesen Männern war nach dem ersten Date Schluss (das ist nachzulesen in der Grinsekatze) mit den anderen drei Männern nicht (das ist auch nachzulesen bzw. wird es in Bälde sein). Einer von ihnen hat mir ziemlich den Kopf verdreht – das ist auch ziemlich klasse! Mein Fazit nach einem Jahr lautet also: Ich fühle mich zuversichtlich, lebendig, glücklich, traurig, hysterisch (manchmal alles gleichzeitig!) und bin einfach wieder da! Ich probiere tausend neue Dinge aus, für die ich vor zehn Jahren zu verklemmt und unsicher war. Ich spreche und vor allem: schreibe über alles, was mich bewegt – und vielleicht ist das sogar noch besser als der verdrehte Kopf. Schreiben wollte ich immer, mein Leben lang – und jetzt mache ich es endlich! Das wäre ohne das ganze Material, das mir durch das Online-Dating in den Schoß fällt, vermutlich nicht passiert…
 

Online-Dating ist sicher kein Allheilmittel für jeden Kummer dieser Welt. Mir persönlich hat es eine Möglichkeit eröffnet, mein Leben nach einer ziemlichen Flaute frisch und positiv zu sortieren, mich selbst ein bisschen neu zu erfinden (erst im Netz, dann auch im wirklichen Leben) und ein paar lange vorhandene und nie gelebte Ideen noch mal genauer zu betrachten und zum Teil zu verwirklichen. Zum Feiern meines einjährigen Online-Dating-Jubiläums habe ich also jeden Grund – hoch die Tassen! Und drei neue Kapitel gibt es auch.

 

Grinsekatze braucht ein Pseudonym… oder?

Es gibt Momente, in denen ich feststelle, dass mein schöner Plan mit dem Veröffentlichen der Grinsekatzen-Abenteuer unter meinem eigenen Namen eventuell auch seine Schwachpunkte hat. Ich hatte mich ja vor dem Hochladen der ersten Kapitel dafür entschieden, weil ich a) schließlich mit meiner realen Identität zu dieser Geschichte, die mir ein wirkliches Anliegen ist, stehe und b) weil ich einfach keine Geheimnisse für mich behalten kann (und auch glaube, dass man sich grundsätzlich weniger Ärger einhandelt, wenn man möglichst wenig Geheimnisse hüten muss).

 
Wie aufmerksame Leser wissen, hole ich, damit meine Mutter nicht mit mir schimpft, vor jedem ersten Treffen mit einer neuen Internet-Bekanntschaft die Personaldaten des betreffenden (betroffenen?) Mannes ein. Nur damit meine Mutter einen Anhaltspunkt hat, falls ich ich mich am nächsten Morgen nicht gesund und munter zurückmelde. Diese Aktion leite ich immer mit dem Hinweis auf meine Mutter und ihre Sorge um mich ein. Weil gleiches Recht für alle gelten sollte, gehe ich dann mit gutem Beispiel voran und enthülle auch meinen Namen etc. Hat bisher immer funktioniert – wie sollte ein Mann diese Bitte wohl auch ablehnen, ohne dass sich das erste Date damit erledigt hat?
 
So weit, so gut. Ich gehe mal davon aus, dass die meisten Männer – anders als wir Frauen – erstens nicht mit ihren Müttern über ihre Erfolge beim Online-Dating reden und zweitens nicht in dem Glauben aufgewachsen sind, dass Statistiken zufolge eine von zehn Frauen, mit denen sie sich online verabreden, eine Serienmörderin ist ;-) Trotzdem möchte ich nicht ausschließen, dass vielleicht doch der eine oder andere Mann, der den vollständigen Namen seines Dates im Voraus erfährt, diesen doch bei Google oder Facebook eingibt. Nur mal schnell gucken, wie die Fotos da aussehen oder ob die Dame ihren Beziehungsstatus angibt…
 
Ist ja völlig in Ordnung und verständlich, aber… Was denkt ein Mann, der sich mit mir verabredet hat, dem ich meinen Namen sage und der dann, ohne was Böses zu ahnen, irgendwo im Netz auf meinen „Blogroman übers Online-Dating“ stößt? Wer trifft sich wohl noch unbefangen mit einer Frau, die mehr oder weniger in Echtzeit über ihre Erfahrungen mit dieser Freizeitbeschäftigung schreibt? Bei der er damit rechnen muss, bald alle guten (und noch mehr die schlechten) Witze wiederlesen zu dürfen, die er gemacht hat… und die schlechten (und vielleicht auch guten) Witze, die mir zu ihm und unserem Treffen einfallen?
 
Ich hatte mich diese Woche zu einem ersten Date verabredet (daraus ist dann allerdings nichts geworden)… und zwei Tage lang überlegt, ob ich dem Typen meine persönlichen Daten geben soll oder nicht. Die Alternative (ihm meine Daten nicht zu verraten, nach seinen nicht zu fragen und meiner Mutter die Verabredung zu verheimlichen) kam mir aber auch problematisch vor. Also war ich brav und schickte ihm – begleitet von einem kurzen Stoßgebet – die „Ich bekomme übrigens Ärger mit meiner Mutter, wenn…“-Mail und meine Kontaktdaten. Etwa vierundzwanzig Stunden vor unserer Verabredung. Er meldete sich dann dreiundzwanzigeinhalb Stunden später – und hatte mich offensichtlich noch nicht gegoogelt, war also bereit, mich zu treffen. Bis zu diesem Moment hatte ich genügend Zeit gehabt, mir bange Gedanken zu der Frage zu machen, wie ich das Risiko, dass Männer mich wegen der Grinsekatzen-Schreiberei vielleicht nicht mehr treffen wollen, minimieren kann.
 
Eingefallen sind mir – bisher – die folgenden Möglichkeiten:
1) Dating mit Googleplus: Habe ich schon einmal probiert; hatte den großen Vorteil, dass wir beide vorher wussten, mit wem wir es zu tun bekommen (um genau zu sein, war mein Hinweis auf die Grinsekatze sogar das, worauf der beteiligte Mann zunächst aufmerksam geworden war). Wenn Googleplus (oder zumindest die Kreise, in denen ich verkehre) nicht gerade täglich langweiliger und stiller würde, weil die meisten interessanten Menschen im Zusammenhang mit dem dort herrschenden Klarnamenzwang schon wieder abgewandert sind, wäre das sicher die zu favorisierende Lösung.
 
2) Dating mit Twitter („Twating“?): Bei Twitter ist kaum jemand unter seinem realen Namen unterwegs. Es interessiert sich aber auch kein Twitterer für die Identität seiner Follower im sogenannten wirklichen Leben. Mein avisiertes Date und ich würden vermutlich keine Personalbögen austauschen – wir wüssten so oder so schon viel zu viel voneinander. Meine Mutter könnte zu ihrer Beruhigung sowohl mir wie meinem Dating-Partner unter dem Hashtag #GrinsekatzenDate folgen und sozusagen live dabei sein. Kleiner Nachteil: Wie soll ich jemals jemanden in nur 140 Zeichen davon überzeugen, dass er mich treffen will?
 
3) Dating weiterhin auf Dating-Plattformen unter Pseudonym, wie gehabt. Damit ich potenziellen Partnern vor der ersten Verabredung ein Profil ohne Grinsekatzen-Stories anbieten kann, lege ich mir eine zweite Identität zu, und zwar unter meinem fast richtigen Namen (Übrigens: Danke @Ennomane für den entscheidenden Geistesblitz zu dieser Idee!). Also z. B. als „Bettina G. Kok“ („G“ stünde für Grinsekatze). Mit einem echten Foto und einer fast echten Biografie, in der nicht als einziges Hobby „Online-Dating“ steht, sondern… äh… z. B. Nordic Walking, Cupcake-Backen und bei Ikea die Schuhschrank-Abteilung umräumen. Ein solches Zweitprofil ließe sich bei Googleplus und Facebook ganz leicht einrichten und böte einem Mann bis zur ersten Verabredung genügend Material aus meinem Offline-Dasein – ohne verfängliche Details.
 
Nach einer erfolgreichen Erstbesichtigung könnte ich meinem Date dann persönlich und vorsichtig erklären, dass es die Grinsekatze gibt, er sich aber – zumindest in der nächsten Zeit – nicht darin wiederfinden wird, weil der erste Band so gut wie abgeschlossen ist. (Wenn er mir jedoch sehr gutes Material liefert, ist es natürlich möglich, dass Band 2 fast ausschließlich von ihm handeln wird… )
 

Was meint ihr? Taugt einer von diesen Ansätzen was? Hat noch jemand eine bessere Idee für mich? Könnt ihr ja mal drüber nachdenken, während ihr die Kapitel 28 und 29 lest.

 

Grinsekatze packt aus: Auch ich bin onlinesüchtig.

Hallo. Ich heiße Grinsekatze – und bin onlinesüchtig. Jawohl, ich auch. Und das, obwohl ich als Frau und im stolzen Alter von 47 gar nicht so richtig zur Zielgruppe dieser Sucht gehöre. Ich habe auch einen Job, den ich die meiste Zeit echt toll finde, und ebensolche Freunde im so genannten realen Leben. Trotzdem: Ich bin ganz klar onlinesüchtig, die wesentlichen Kriterien (Eingenommensein vom Internet, Unfähigkeit zur Abstinenz, Toleranzentwicklung, Entzugssymptome) sind nicht zu übersehen.

 
Ich bin nämlich sehr vom Internet eingenommen, halte es sozusagen für die beste Erfindung seit Katzenfutter in Dosen. Freiwillige Abstinenz kommt praktisch nicht mehr vor; wenn ich nicht per Büro-Rechner, Heimat-Laptop oder Unterwegs-Notebook online bin, ist mein internetfähiges Smartphone im Einsatz – und das schalte ich nur in Flugzeugen, beim Arzt und im Theater aus (dort vor allem, damit die Bühnentechniker nicht plötzlich meine Twitter-Timeline auf ihrem Funkkanal haben!). Sonst bestenfalls (und um netten Offlinern einen Gefallen zu tun): lautlos. Toleranzentwicklung, das „Mehr ist mehr“-Gefühl, ergibt sich aus der Menge der morgens abgegebenen Kommentare in sozialen Netzwerken und Blogs, bei denen im Laufe des Tages überwacht werden muss, ob sie ihrerseits wieder kommentiert werden. Über die Entzugssymptome in den Momenten, in denen ich zwangsweise über eine längere Zeit offline sein muss, möchte ich hier nicht sprechen, aber glaubt mir: Es gibt sie und sie sind kein schöner Anblick!
 
Bei den von Fachleuten in Aussicht gestellten negativen sozialen Konsequenzen bin ich nicht ganz sicher. Ich verspüre eigentlich keine, aber vielleicht meine Mitmenschen? Immerhin sind manche von ihnen hochgradig irritiert, wenn z. B. ein gemeinsames Mittagessen damit beginnt, dass ich bei Foursquare einchecke und dabei entweder jubele (weil ich gerade Bürgermeister des öffentlichen Klos am Hauptbahnhof geworden bin) oder fluche (weil mir der Bürgermeistertitel gerade weggeschnappt wurde oder – noch schlimmer – das blöde GPS nicht funktioniert und ich nicht einchecken kann!). Oder weil ich in einer Gesprächspause plötzlich anfange zu kichern, um dann auf Nachfrage zu erklären: „Gnihihi. Der @bako 13 hat heute getwittert: ‚Der Erfinder der Autokorrektur ist ein Armschlauch!‘ Gnihihi!“).
 
Positive soziale Konsequenzen gibt es auf jeden Fall: Nicht nur beim Online-Dating (da aber natürlich auch!) habe ich großartige neue Kontakte geknüpft. Einige davon bleiben online, andere halten auch in mein Offline-Leben Einzug. Bereichern tun mich beide Gruppen gleichermaßen. Leider habe ich noch nicht viele Online-Süchtige meines Alters getroffen; meine Generation dominieren die „Ich nutze das Internet schon beruflich den ganzen Tag, privat will ich diesen Zeitfresser nicht“-Sturköpfe und natürlich die Internet-Ausdrucker (die nur dann zu entschuldigen sind, wenn ihr Geburtsdatum nachweislich vor 1945 liegt). Onlinesucht betrifft größtenteils Personen, die mindestens zehn Jahre jünger sind als ich. Immerhin (!) sind aber die meisten von ihnen Männer, was ja – wenn man das Ganze vom „Online-Dating ist überall“-Standpunkt aus betrachtet – nicht weiter schlimm ist.
 
Mit der Onlinesucht ist einiges anders geworden: Vorbereitungen für Reisen und Ausflüge ins Grüne drehen sich nicht mehr um den Wetterbericht und darum, ob man Gummistiefel, Bikini und/oder Handschuhe mitnimmt, sondern um die Frage, ob es „da“ wohl WLAN gibt und wo ich den Smartphone-Akku aufladen kann (und im Zweifelsfall nehme ich dann mein Netbook mit. Nicht, um online zu gehen oder ein Grinsekatzen-Kapitel zu schreiben, sondern um daran unterwegs den Handy-Akku zu laden). Wenn jetzt jemand sagt, dass diesem Verhalten der Geschmack von Besschaffungskriminalität anhängt, widerspreche ich nicht.
 
Mein Leben hat sich aber auch dahingehend verändert, dass ich kreativer geworden bin. Diese Website gäbe es – logisch! – nicht ohne Internet. Sicher hätte ich meine persönliche Geschichte des Online-Datings auch „ganz normal“ schreiben können – aber dann läge jetzt vermutlich ein weiteres halbfertiges und von niemandem gelesenes Romanmanuskript in meiner Schublade.
 
Vernachlässigt habe ich bisher außer dem Fernsehprogramm nicht vieles, glaube ich. Doch, eins vielleicht: Kochen und essen. Seit ich meine freien Abende gerne im Internet verbringe, habe ich so ganz nebenbei zwei bis drei Kleidergrößen an Umfang verloren. Was aber auch nicht direkt ein Problem darstellt ;-)
 

Mein Fazit: Onlinesucht gefällt mir! Zumindest meine persönliche. Und empfehlen und teilen würde ich sie auch. Mit euch. Wenn ihr denn wollt. Ach ja, und die Kapitel 26 und 27 habe ich auch fertig.

 

Favicon Plugin made by Alesis