Grinsekatze geht ins Netz

Ich bin nicht dick. Ich bin eine Wuchtbrumme.

Ich kann mich noch nicht so richtig entscheiden, ob ich diesen Artikel mit dem Satz “Ich bin eigentlich fast mein Leben lang dick!” oder mit “Ich habe ja im letzten Jahr ziemlich viel abgenommen!” beginnen soll. Beides stimmt. Was aber definitiv nicht stimmt, ist, dass in jeder dicken Frau eine dünne darauf wartet, endlich befreit zu werden. In mir zum Beispiel steckte eine Wuchtbrumme, die es jetzt endlich an die Oberfläche geschafft hat.

 

Die dünne Frau ist ein Mythos, ein ziemlich vergänglicher.
 
Ich kenne viele glückliche dicke Frauen. Keine von ihnen ist besonders glücklich darüber, dick zu sein, aber sie alle haben festgestellt, dass der Stress, den die ständige Sorge darüber, nicht irgendeinem Schönheitsideal zu entsprechen, und die daraus resultierenden Versuche, das Gewicht zu kontrollieren, schwerer wiegen als die positiven Effekte der (meist vorübergehenden) Gewichtsreduzierung.
 
Die meisten von ihnen sind früher oder später an den Punkt gekommen, an dem sie beschlossen haben, dass sie sich davon nicht den Tag oder gar ihr Leben versauen lassen wollen. Weil’s nämlich niemandem hilft. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass dieser Moment, in dem eine Frau denkt: “Okay, ich bin dick. Das ist an sich unpraktisch genug, denn meine Jeans sehen unangezogen aus wie Viermannzelte und angezogen schlicht so, wie Jeans nicht aussehen sollten. Außerdem fangen meine Knie und mein Rücken an, sich zu beschweren. Und meine Sitznachbarn im Flugzeug hassen mich (aus Gründen). Ich esse gern und oft zu viel. Ich kriege es nicht hin, dauerhaft abzunehmen – nennt mich willensschwach! Das alles macht mich nicht zu einem schlechteren Menschen. Ich möchte mein Leben nicht damit verbringen, heimlich zu essen und möglichst unauffällig aufzutreten.”
 
Der Satz, den wir unseren ignoranten kleinen Brüdern und impertinenten Schulfreundinnen jahrelang mit Inbrunst vor den Latz knallen – “Ja, ich bin dick. Aber ich kann abnehmen – und du wirst dann immer noch doof sein.” – dieser Satz entspricht leider nicht den Tatsachen. Wir können nicht einfach unsere Willenskraft zusammenkratzen und abnehmen. Bestenfalls reicht die Energie für eine Periode des Entsagens und Verkneifens; in dieser Zeit wird so viel Druck aufgebaut, dass an ein Halten des mühsam ertrotzten geringeren Gewichts nach dem Abschluss der Diät gar nicht zu denken ist. Zu komplex sind die Zusammenhänge zwischen Sehnsucht, Hunger, Selbstablehnung und dem dringenden Bedürfnis, “sich selbst etwas Gutes zu tun” – an jeder Station des selbstgebauten Teufelskreises gibt es mindestens eine Möglichkeit, falsch abzubiegen und prompt einen Fress-Flash zu kriegen.
 
Viele von uns stellen – vor allem in jüngeren Jahren – fest, dass sie genau die Jungs/Männer, die sie selbst interessant und attraktiv finden, nicht kriegen. Dafür zeigen aber Typen Interesse, mit denen wir nicht mal zusammen im Supermarkt gesehen werden wollten (Welche Sechzehnjährige freut sich schon, wenn man sie “Rasseweib” nennt?). Auf diese Weise sozialisiert, kommt uns der Gedankengang “Wer an mir Interesse zeigt, kann ja nicht alle Tassen im Schrank haben – also will ich auf keinen Fall was von ihm!” zumindest zeitweise ganz logisch vor.
 
Wenn wir ganz viel Glück haben, ändert sich das irgendwann mit den Jahren und wir kommen an den Punkt, an dem wir a) mit unserer Figur und uns halbwegs im Reinen sind und b) nicht grundsätzlich jedem Mann, der Interesse an uns zeigt, einen Rubens-Fetisch unterstellen. Zum Beispiel weil wir merken, dass wir erfolgreich und beliebt sind (und dazu noch eine unwiderstehlich dreckige Lache haben und keine Angst davor, dass man auch mal über uns lacht). Oder weil uns ein einziger toller Mann glaubhaft versichert, dass er uns unabhängig von unserer Körbchengröße großartig findet. Oder weil wir merken, dass wir zumindest versuchen können, unsere Essstörung unabhängig von vielen anderen offenen Fragen zu betrachten.
 
Eine Kombination dieser Erkenntnisse und noch ein paar andere Kleinigkeiten haben es bei mir im Laufe des letzten Jahres tatsächlich geschafft, dass ich ohne besondere Anstrengung ganz gut abnehmen konnte. Keine Ahnung, wieviel – ich besitze keine Waage – aber ungefähr drei Kleidergrößen. Dünn bin ich damit noch lange nicht, aber ich passe – nach einer langen Zeit in den verhassten Übergrößen – jetzt wieder in normale Klamotten. Und werde – aus Gründen! – versuchen, diesen Winter ausschließlich kurze Röcke zu tragen (auch wenn es Gefrierbrand am Hintern geben sollte); die Jeans, die ich letzten Winter getragen habe, mag ich nämlich nicht mehr sehen. Das ist aber auch schon die größte mit dem Gewichtsverlust einhergehende Veränderung. Ansonsten bin ich derselbe Mensch, dieselbe Frau wie vorher. Vielleicht etwas couragierter, aber im Wesentlichen ganz genau die, die ich war. Sexy war ich auch vorher schon, wenn auch vielleicht nicht so offensiv sexy. Kar, dass die tollen Typen, mit denen ich so zu tun habe, vor allem meine Kurven mögen – seit ich als Arbeits-Hypothese in den Raum gestellt habe, dass ich eine Wuchtbrumme bin und dass das eben so gehört. Die Männer finden das gut und lustigerweise machen sie sich höchstens Sorgen, dass ich zu dünn werden könnte! Was natürlich ballaballa ist und sehr charmant.
 
Diät ist nicht nur ein schmutziges Wort.
 
Ich weiß ja noch nicht einmal mit Sicherheit, ob ich nicht vielleicht doch irgendwann wieder dick werde. Im Moment glaube ich, dass ich den schützenden Fettpanzer nie wieder brauchen werde, aber wissen kann ich das doch nicht! Aber selbst wenn es so ist (und ich eines schönen Tages wieder Jeans in Viermannzeltgröße trage): Ich bin derselbe Mensch und dieselbe Frau. Ich bin nicht besser und nicht schlechter, nur weil ich dünner oder dicker bin. Nur eben dünner oder dicker. Und ihr könnt im Umgang mit mir auch einfach dieselben Menschen bleiben, dünner oder dicker, wie es bei euch gerade angesagt ist.
 
Übrigens: Wenn ich bei einer dieser angeblich manchmal vorbeikommenden guten Fee einen Wunsch frei hätte, würde ich mir statt der Gewissheit, nie wieder richtig dick zu werden, viel dringender wünschen, dass meine Haare nicht grau würden. Denn das ist was, wovor es mich wirklich ernsthaft gruselt – und ein anderes Thema, auf das ich eventuell zu einem anderen Zeitpunkt ausführlich zu sprechen kommen werde.
 

Hier ist die vorletzte Portion der Grinsekatzen-Story (Kapitel 36 und 37). In der nächsten Woche erwartet uns dann das große Finale. Ich bin schon so gespannt, wie die Geschichte ausgehen wird…

 

Meine Mitbewohnerinnen (Katzencontent)

Zur Begleitung der drei Kapitel, die ich heute hochlade, würde ich ja gerne einen schlauen Artikel schreiben. Über das Online-Dating an sich, im Individualfall oder auch sonst einen anderen spannenden Aspekt meines Lebens. Wird aber schwierig, denn sie sind wieder schon vor mir da. Die Keinzahnkatzen, und zwar – strategisch verteilt – auf meinem Laptop und mir. Die rechte Hand kann ich zwar noch bewegen, aber nur noch auf der linken Hälfte des Keyboards.

 

Andererseits ist das vielleicht die Gelegenheit, endlich mal zu Ehren meiner Mitbewohnerinnen, der Keinzahnkatzen, den Prozentsatz an katzenrelevanten Inhalten (“Catcontent”) auf dieser Seite drastisch zu erhöhen. Schließlich, so habe ich mit großer Freude gelernt, darf man das im Umfeld der Bloggerszene – nach Einbruch der Dunkelheit sitzen da mehr Katzen an und auf Keyboards, als man angesichts der hochseriösen Inhalte, die die dazugehörigen, meist sehr aktiven Menschen tagsüber ins Netz stellen, vermuten würde. Die hinter vorgehaltener Hand verbreitete These, hinter jedem erfolgreichen Blogger stehe eine ziemlich entschlossene Katze, hat also durchaus ihre Berechtigung. Und von Zeit zu Zeit (die einzuhaltenden Mindestabstände hängen von sehr vielen unterschiedlichen Faktoren ab, die ich, um nicht den Rahmen zu sprengen, jetzt nicht aufzählen werde) ist es auch ohne allzu gravierende Folgen statthaft, Catcontent zu posten.

Daran nehme ich mir gerne ein Beispiel. Olga und Ida sind schließlich diejenigen, die meine Schreibtätigkeit ständig begleiten und überwachen, die mich anstacheln und ermuntern, ehrlich kritisieren – und oft auch die ersten, die ein Lob über eine gelungene Formulierung zum Ausdruck bringen. Sie haben – lange vor mir – den Nutzen von Social Media erkannt und unser gemeinsamer Twitter-Account läuft noch immer auf ihren Namen; sie haben dort auch die ersten Freunde gewonnen und mir den Einstieg ganz wesentlich erleichtert.

Mal was anderes:

Falls jemand dazu eine Idee hat: Bitte melden!

Die Keinzahnkatzen nehmen auch regen Anteil an meiner Online-Dating-Aktivität. Sie lieben diese gemeinsamen Abende, an denen wir in Singlebörsen zusammen Männer-Profile studieren, neckische Mails austauschen und uns – mit Glück – an eine Verabredung herantasten. Niemals würden sie mir gestatten, mich mit einem bekennenden Katzenhasser zu treffen. Einen Allergiker, der bei ihrem Anblick niesen muss und Pickel kriegt, würden sie allerdings recht lustig finden (ja, Katzen haben durchaus sadistische Neigungen). Wenn ich mal einen Mann mit nach Hause bringe, unterziehen sie ihn einem – ganz unauffälligen – Test durch minutenlanges Anstarren ohne Blinzeln, scheinbar unmotiviertes (aber lautes) Rumjammern im Nebenzimmer und das Klauen und Verstecken von Schuhen und Kleidungsstücken. Ein Mann, der dabei nicht Haltung bewahrt, wird selbstverständlich kein zweites Mal eingeladen.

Obwohl ich mich ja sehr großstädtisch fühle (und auch gebe), habe ich den größten Teil meiner jungen Jahre in einem Vorort von Hamburg verbracht. In Sicht- und Hörweite der Kirche, die pflichtgemäß an jedem Sonntagmorgen so viele Besucher wie möglich zu aktivieren versuchte. Mit Glockenläuten. Zweimal, um neun und um viertel vor zehn – also zu nachtschlafender Zeit aus der Sicht einer Spätpubertierenden. Und wofür? Wer in den Gottesdienst gehen wollte, ging hin – die Termine waren allgemein bekannt und schon damals hatte praktisch jeder Bürger eine eigene Armbanduhr und einen Wecker. Die anderen (also die meisten) hatten was anderes vor und blieben zu Hause. Dass jemals jemand spontan in die Kirche gegangen wäre, weil gerade die Glocken läuteten, ist mir zumindest nicht zu Ohren gekommen.

Ich schweife ab… Was ich sagen wollte: Jeden Sonntag wachte ich durch das Glockenläuten auf, fühlte mich gestört und ärgerte mich. Bis ich eines Sonntagmorgens – entsetzlich! – um neun Uhr wach wurde, weil es nicht läutete!!!! Die Kirchenglocken bzw. die sie in Bewegung setzende Maschinerie war defekt. Himmlische Ruhe lag über dem Ort – und was war: Mein Unterbewusstsein fühlte sich gestört, weil es nicht läutete! ARGH!!!!

Was ich noch eigentlicher und vor allem sagen sollte: Natürlich beschwere ich mich gerne darüber, dass eine dicke Katze auf meinem Sofa, meinem Schoß oder meiner Tastatur sitzt und mir beim Schreiben eine ungeahnte Gelenkigkeit sowie eine gewisse Unempfindlichkeit gegenüber Zungenküssen mit Katzenfuttergeschmack abverlangt. Das erwartet die dicke Katze auch von mir. Weil sie – wie ich und ihr wahrscheinlich auch – ja weiß, dass sich die Realität wieder einmal etwas anders darstellt: Ohne meine feline Schreibblockade wäre ich nichts, kein Wort flösse aus meiner Feder bzw. in meine Tastatur. Weil ich nicht in Stimmung käme und mir nichts einfiele. Keine neuen Kapitel, so wie heute. Gar nichts. Nicht mal ein klitzekleiner Keinzahnkatzentweet bei Nacht.

 

Grinsekatze feiert: Ein Jahr Online-Dating (Hoch die Tassen!)

In diesen Tagen feiere ich mein einjähriges Online-Dating-Jubiläum. Es ist eigenartig; einerseits kann ich mich noch bestens an meine Gedanken und Gefühle rund um meine Anmeldung im “Funclub” erinnern (‘”als wäre es gestern gewesen!”), andererseits habe ich den Eindruck, dass mein Leben und ich uns seitdem mehrmals um die jeweils eigene Achse, umeinander und durch den Wolf gedreht haben – und dass fast alles irgendwie ein bisschen anders geworden ist.

 
Vor etwas mehr als einem Jahr lebte ich in dem Glauben, dass ich wahrscheinlich nie wieder einen Mann kennen lernen würde, der mich genug interessiert, um eine wie auch immer geartete Anstrengung zu unternehmen, ihn irgendwie in mein Leben zu integrieren. Das offizielle Ende meiner letzten Beziehung – “aus technischen Gründen” – lag zu diesem Zeitpunkt eineinhalb Jahre zurück, aus meinem langjährigen Liebhaber war mein bester Freund geworden. Der Schock über diese erzwungene Umstellung war so langsam verarbeitet – und mit “verarbeitet” meine ich “einer tief sitzenden Erschöpfung gewichen”. Mit Mitte dreißig war ich verliebt, optimistisch und hüpfenden Schrittes in diese Beziehung hineingegangen, zehn Jahre später kam ich wieder raus und fühlte mich schlapp, verbraucht und seltsam getrennt von meinem Gefühlsleben. Schlimm genug an sich, aber das Schlimmste war: Resignation. Ich hatte keine Idee, wie ich die Situation ändern könnte.
 
Obwohl ich, so glaube ich zumindest, in meinem Unglück nicht direkt unauffällig war (ich konnte, wenn auch gefühlsmäßig distanziert, ohne Weiteres darüber sprechen), hat mir aus meinem grundsätzlich empathischen Umfeld niemand jemals vorgeschlagen, es doch mit Online-Dating zu versuchen. Nicht mal die Bekannten und Freunde, die damit tatsächlich schon selbst Erfahrungen hatten!
Warum? Und warum ergeben aktuelle Studien in Deutschland, dass jede/r vierte Erwachsene bereits Erfahrungen mit dem Online-Dating hat, während sich in meinem nicht direkt kleinen Freundes- und Bekanntenkreis gerade mal sechs Personen dazu bekennen?
 
Woher die Idee in meinem Kopf dann plötzlich kam? Keine Ahnung. Ich hab’s auch vorher niemandem erzählt (anders als im Roman hat Claudi sich nämlich nicht auch dort angemeldet- sie hat erst einige Tage später von meiner Aktion erfahren!) , sondern mir heimlich still und leise ein paar Webportale angeschaut, auf denen verschiedene Dating-Sites verglichen wurden, in einige Seiten reingeschaut und mich dann für eine entschieden. Dass dieses Forum von vorneherein einen klaren Schwerpunkt auf Erotik setzt (statt auf Partnerschaft und Dating wie die meisten Portale, die “einen besseren Ruf” haben), störte mich keineswegs, im Gegenteil. Ich sah mich zu der Zeit nicht als Single, hatte mich emotional noch nicht von meinem Ex-Freund gelöst und war in erster Linie auf der Suche mehr nach einem Bett- als nach einem Lebenspartner.
 
Das Schreiben meines ersten Profiltextes war eine aufregende Sache; die Frage “Wen will ich ansprechen und was muss ich dafür von mir mitteilen (und was lieber nicht?)” stellt man sich ja im Privatleben sonst nicht häufig! Noch lustiger war die Frage, was für Fotos ich hochlade! Die Bilder, für die ich mich dann entschied, musste ich erst machen, und zwar höchstpersönlich mit der Digicam und dem Selbstauslöser, den ich vorher noch nie benutzt hatte. Reizvolle Klamotten mit der richtigen Dosis Einblick fanden sich auch erst nach längerem Suchen in den Tiefen des Kleiderschranks. Einen ganzen Abend verbrachte ich damit, mich in Szene zu setzen und dabei möglichst verführerisch und nicht zu blöd bzw. billig auszusehen. Erstaunlicherweise waren diese ersten Fotos gar nicht so schlecht. Und die Aktion machte unheimlich Spaß, so dass ich mein Profil schließlich sehr aufgeregt, aber auch sehr optimistisch vervollständigte und ins Netz hochlud! Die ersten Reaktionen (Komplimente für die Fotos und die Texte inklusive) lagen schon am nächsten Morgen vor. Allein die Erfahrung, dass ich, die ich wegen meiner weithin sichtbaren Attribute “schlau, fett und extrem eigensinnig” mein Leben lang als “schwer vermittelbar” galt (nämlich nur an Männer mit “special interest”, von denen ich aber wenige getroffen habe und noch weniger selbst attraktiv fand), plötzlich ins Beuteschema mehrerer Männer gleichzeitig passte und sozusagen freie Auswahl hatte, war absolut unbezahlbar.
 
Das Thema dieses Artikels ist ein anderes: Ich möchte hier und jetzt eine Lanze für das Online-Dating brechen. Es ist einfach, es ist bezahlbar und es macht Spaß! Man fängt einfach damit an und entwickelt seine Strategien durch Versuch und Irrtum weiter. Für fast alles gibt es im Zweifelsfall eine zweite oder dritte Chance. Es ist unglaublich gut für das Selbstbewusstsein, als Frau muss man fast nichts tun, um tolle Zuschriften von tollen Männern zu bekommen. Man kommt ganz leicht ins Gespräch mit Menschen, die man im wirklichen Leben niemals getroffen hätte (oder bei denen man nicht auf die Idee gekommen wäre, dass sie vielleicht auch auf der Suche und sogar interessiert sind). Man hat alle Fäden selbst in der Hand und entscheidet individuell, wie viel Engagement und Emotion man ins Suchen, ins Gefundenwerden oder einen speziellen Kontakt investieren möchte.
 
Ich persönlich habe mit ziemlich vielen Männern online korrespondiert. Mit manchen freundschaftlich, mit anderen sehr lustig und mit einigen wenigen eher knapp. Mit bisher sieben Männern hat sich tatsächlich so etwas wie ein echtes und gegenseitiges Interesse entwickelt, mit sechs von diesen sieben Typen habe ich mich dann tatsächlich getroffen. Mit drei von diesen Männern war nach dem ersten Date Schluss (das ist nachzulesen in der Grinsekatze) mit den anderen drei Männern nicht (das ist auch nachzulesen bzw. wird es in Bälde sein). Einer von ihnen hat mir ziemlich den Kopf verdreht – das ist auch ziemlich klasse! Mein Fazit nach einem Jahr lautet also: Ich fühle mich zuversichtlich, lebendig, glücklich, traurig, hysterisch (manchmal alles gleichzeitig!) und bin einfach wieder da! Ich probiere tausend neue Dinge aus, für die ich vor zehn Jahren zu verklemmt und unsicher war. Ich spreche und vor allem: schreibe über alles, was mich bewegt – und vielleicht ist das sogar noch besser als der verdrehte Kopf. Schreiben wollte ich immer, mein Leben lang – und jetzt mache ich es endlich! Das wäre ohne das ganze Material, das mir durch das Online-Dating in den Schoß fällt, vermutlich nicht passiert…
 

Online-Dating ist sicher kein Allheilmittel für jeden Kummer dieser Welt. Mir persönlich hat es eine Möglichkeit eröffnet, mein Leben nach einer ziemlichen Flaute frisch und positiv zu sortieren, mich selbst ein bisschen neu zu erfinden (erst im Netz, dann auch im wirklichen Leben) und ein paar lange vorhandene und nie gelebte Ideen noch mal genauer zu betrachten und zum Teil zu verwirklichen. Zum Feiern meines einjährigen Online-Dating-Jubiläums habe ich also jeden Grund – hoch die Tassen! Und drei neue Kapitel gibt es auch.

 

Grinsekatze braucht ein Pseudonym… oder?

Es gibt Momente, in denen ich feststelle, dass mein schöner Plan mit dem Veröffentlichen der Grinsekatzen-Abenteuer unter meinem eigenen Namen eventuell auch seine Schwachpunkte hat. Ich hatte mich ja vor dem Hochladen der ersten Kapitel dafür entschieden, weil ich a) schließlich mit meiner realen Identität zu dieser Geschichte, die mir ein wirkliches Anliegen ist, stehe und b) weil ich einfach keine Geheimnisse für mich behalten kann (und auch glaube, dass man sich grundsätzlich weniger Ärger einhandelt, wenn man möglichst wenig Geheimnisse hüten muss).

 
Wie aufmerksame Leser wissen, hole ich, damit meine Mutter nicht mit mir schimpft, vor jedem ersten Treffen mit einer neuen Internet-Bekanntschaft die Personaldaten des betreffenden (betroffenen?) Mannes ein. Nur damit meine Mutter einen Anhaltspunkt hat, falls ich ich mich am nächsten Morgen nicht gesund und munter zurückmelde. Diese Aktion leite ich immer mit dem Hinweis auf meine Mutter und ihre Sorge um mich ein. Weil gleiches Recht für alle gelten sollte, gehe ich dann mit gutem Beispiel voran und enthülle auch meinen Namen etc. Hat bisher immer funktioniert – wie sollte ein Mann diese Bitte wohl auch ablehnen, ohne dass sich das erste Date damit erledigt hat?
 
So weit, so gut. Ich gehe mal davon aus, dass die meisten Männer – anders als wir Frauen – erstens nicht mit ihren Müttern über ihre Erfolge beim Online-Dating reden und zweitens nicht in dem Glauben aufgewachsen sind, dass Statistiken zufolge eine von zehn Frauen, mit denen sie sich online verabreden, eine Serienmörderin ist ;-) Trotzdem möchte ich nicht ausschließen, dass vielleicht doch der eine oder andere Mann, der den vollständigen Namen seines Dates im Voraus erfährt, diesen doch bei Google oder Facebook eingibt. Nur mal schnell gucken, wie die Fotos da aussehen oder ob die Dame ihren Beziehungsstatus angibt…
 
Ist ja völlig in Ordnung und verständlich, aber… Was denkt ein Mann, der sich mit mir verabredet hat, dem ich meinen Namen sage und der dann, ohne was Böses zu ahnen, irgendwo im Netz auf meinen “Blogroman übers Online-Dating” stößt? Wer trifft sich wohl noch unbefangen mit einer Frau, die mehr oder weniger in Echtzeit über ihre Erfahrungen mit dieser Freizeitbeschäftigung schreibt? Bei der er damit rechnen muss, bald alle guten (und noch mehr die schlechten) Witze wiederlesen zu dürfen, die er gemacht hat… und die schlechten (und vielleicht auch guten) Witze, die mir zu ihm und unserem Treffen einfallen?
 
Ich hatte mich diese Woche zu einem ersten Date verabredet (daraus ist dann allerdings nichts geworden)… und zwei Tage lang überlegt, ob ich dem Typen meine persönlichen Daten geben soll oder nicht. Die Alternative (ihm meine Daten nicht zu verraten, nach seinen nicht zu fragen und meiner Mutter die Verabredung zu verheimlichen) kam mir aber auch problematisch vor. Also war ich brav und schickte ihm – begleitet von einem kurzen Stoßgebet – die “Ich bekomme übrigens Ärger mit meiner Mutter, wenn…”-Mail und meine Kontaktdaten. Etwa vierundzwanzig Stunden vor unserer Verabredung. Er meldete sich dann dreiundzwanzigeinhalb Stunden später – und hatte mich offensichtlich noch nicht gegoogelt, war also bereit, mich zu treffen. Bis zu diesem Moment hatte ich genügend Zeit gehabt, mir bange Gedanken zu der Frage zu machen, wie ich das Risiko, dass Männer mich wegen der Grinsekatzen-Schreiberei vielleicht nicht mehr treffen wollen, minimieren kann.
 
Eingefallen sind mir – bisher – die folgenden Möglichkeiten:
1) Dating mit Googleplus: Habe ich schon einmal probiert; hatte den großen Vorteil, dass wir beide vorher wussten, mit wem wir es zu tun bekommen (um genau zu sein, war mein Hinweis auf die Grinsekatze sogar das, worauf der beteiligte Mann zunächst aufmerksam geworden war). Wenn Googleplus (oder zumindest die Kreise, in denen ich verkehre) nicht gerade täglich langweiliger und stiller würde, weil die meisten interessanten Menschen im Zusammenhang mit dem dort herrschenden Klarnamenzwang schon wieder abgewandert sind, wäre das sicher die zu favorisierende Lösung.
 
2) Dating mit Twitter (“Twating”?): Bei Twitter ist kaum jemand unter seinem realen Namen unterwegs. Es interessiert sich aber auch kein Twitterer für die Identität seiner Follower im sogenannten wirklichen Leben. Mein avisiertes Date und ich würden vermutlich keine Personalbögen austauschen – wir wüssten so oder so schon viel zu viel voneinander. Meine Mutter könnte zu ihrer Beruhigung sowohl mir wie meinem Dating-Partner unter dem Hashtag #GrinsekatzenDate folgen und sozusagen live dabei sein. Kleiner Nachteil: Wie soll ich jemals jemanden in nur 140 Zeichen davon überzeugen, dass er mich treffen will?
 
3) Dating weiterhin auf Dating-Plattformen unter Pseudonym, wie gehabt. Damit ich potenziellen Partnern vor der ersten Verabredung ein Profil ohne Grinsekatzen-Stories anbieten kann, lege ich mir eine zweite Identität zu, und zwar unter meinem fast richtigen Namen (Übrigens: Danke @Ennomane für den entscheidenden Geistesblitz zu dieser Idee!). Also z. B. als “Bettina G. Kok” (“G” stünde für Grinsekatze). Mit einem echten Foto und einer fast echten Biografie, in der nicht als einziges Hobby “Online-Dating” steht, sondern… äh… z. B. Nordic Walking, Cupcake-Backen und bei Ikea die Schuhschrank-Abteilung umräumen. Ein solches Zweitprofil ließe sich bei Googleplus und Facebook ganz leicht einrichten und böte einem Mann bis zur ersten Verabredung genügend Material aus meinem Offline-Dasein – ohne verfängliche Details.
 
Nach einer erfolgreichen Erstbesichtigung könnte ich meinem Date dann persönlich und vorsichtig erklären, dass es die Grinsekatze gibt, er sich aber – zumindest in der nächsten Zeit – nicht darin wiederfinden wird, weil der erste Band so gut wie abgeschlossen ist. (Wenn er mir jedoch sehr gutes Material liefert, ist es natürlich möglich, dass Band 2 fast ausschließlich von ihm handeln wird… )
 

Was meint ihr? Taugt einer von diesen Ansätzen was? Hat noch jemand eine bessere Idee für mich? Könnt ihr ja mal drüber nachdenken, während ihr die Kapitel 28 und 29 lest.

 

Grinsekatze packt aus: Auch ich bin onlinesüchtig.

Hallo. Ich heiße Grinsekatze – und bin onlinesüchtig. Jawohl, ich auch. Und das, obwohl ich als Frau und im stolzen Alter von 47 gar nicht so richtig zur Zielgruppe dieser Sucht gehöre. Ich habe auch einen Job, den ich die meiste Zeit echt toll finde, und ebensolche Freunde im so genannten realen Leben. Trotzdem: Ich bin ganz klar onlinesüchtig, die wesentlichen Kriterien (Eingenommensein vom Internet, Unfähigkeit zur Abstinenz, Toleranzentwicklung, Entzugssymptome) sind nicht zu übersehen.

 
Ich bin nämlich sehr vom Internet eingenommen, halte es sozusagen für die beste Erfindung seit Katzenfutter in Dosen. Freiwillige Abstinenz kommt praktisch nicht mehr vor; wenn ich nicht per Büro-Rechner, Heimat-Laptop oder Unterwegs-Notebook online bin, ist mein internetfähiges Smartphone im Einsatz – und das schalte ich nur in Flugzeugen, beim Arzt und im Theater aus (dort vor allem, damit die Bühnentechniker nicht plötzlich meine Twitter-Timeline auf ihrem Funkkanal haben!). Sonst bestenfalls (und um netten Offlinern einen Gefallen zu tun): lautlos. Toleranzentwicklung, das “Mehr ist mehr”-Gefühl, ergibt sich aus der Menge der morgens abgegebenen Kommentare in sozialen Netzwerken und Blogs, bei denen im Laufe des Tages überwacht werden muss, ob sie ihrerseits wieder kommentiert werden. Über die Entzugssymptome in den Momenten, in denen ich zwangsweise über eine längere Zeit offline sein muss, möchte ich hier nicht sprechen, aber glaubt mir: Es gibt sie und sie sind kein schöner Anblick!
 
Bei den von Fachleuten in Aussicht gestellten negativen sozialen Konsequenzen bin ich nicht ganz sicher. Ich verspüre eigentlich keine, aber vielleicht meine Mitmenschen? Immerhin sind manche von ihnen hochgradig irritiert, wenn z. B. ein gemeinsames Mittagessen damit beginnt, dass ich bei Foursquare einchecke und dabei entweder jubele (weil ich gerade Bürgermeister des öffentlichen Klos am Hauptbahnhof geworden bin) oder fluche (weil mir der Bürgermeistertitel gerade weggeschnappt wurde oder – noch schlimmer – das blöde GPS nicht funktioniert und ich nicht einchecken kann!). Oder weil ich in einer Gesprächspause plötzlich anfange zu kichern, um dann auf Nachfrage zu erklären: “Gnihihi. Der @bako 13 hat heute getwittert: ‘Der Erfinder der Autokorrektur ist ein Armschlauch!’ Gnihihi!”).
 
Positive soziale Konsequenzen gibt es auf jeden Fall: Nicht nur beim Online-Dating (da aber natürlich auch!) habe ich großartige neue Kontakte geknüpft. Einige davon bleiben online, andere halten auch in mein Offline-Leben Einzug. Bereichern tun mich beide Gruppen gleichermaßen. Leider habe ich noch nicht viele Online-Süchtige meines Alters getroffen; meine Generation dominieren die “Ich nutze das Internet schon beruflich den ganzen Tag, privat will ich diesen Zeitfresser nicht”-Sturköpfe und natürlich die Internet-Ausdrucker (die nur dann zu entschuldigen sind, wenn ihr Geburtsdatum nachweislich vor 1945 liegt). Onlinesucht betrifft größtenteils Personen, die mindestens zehn Jahre jünger sind als ich. Immerhin (!) sind aber die meisten von ihnen Männer, was ja – wenn man das Ganze vom “Online-Dating ist überall”-Standpunkt aus betrachtet – nicht weiter schlimm ist.
 
Mit der Onlinesucht ist einiges anders geworden: Vorbereitungen für Reisen und Ausflüge ins Grüne drehen sich nicht mehr um den Wetterbericht und darum, ob man Gummistiefel, Bikini und/oder Handschuhe mitnimmt, sondern um die Frage, ob es “da” wohl WLAN gibt und wo ich den Smartphone-Akku aufladen kann (und im Zweifelsfall nehme ich dann mein Netbook mit. Nicht, um online zu gehen oder ein Grinsekatzen-Kapitel zu schreiben, sondern um daran unterwegs den Handy-Akku zu laden). Wenn jetzt jemand sagt, dass diesem Verhalten der Geschmack von Besschaffungskriminalität anhängt, widerspreche ich nicht.
 
Mein Leben hat sich aber auch dahingehend verändert, dass ich kreativer geworden bin. Diese Website gäbe es – logisch! – nicht ohne Internet. Sicher hätte ich meine persönliche Geschichte des Online-Datings auch “ganz normal” schreiben können – aber dann läge jetzt vermutlich ein weiteres halbfertiges und von niemandem gelesenes Romanmanuskript in meiner Schublade.
 
Vernachlässigt habe ich bisher außer dem Fernsehprogramm nicht vieles, glaube ich. Doch, eins vielleicht: Kochen und essen. Seit ich meine freien Abende gerne im Internet verbringe, habe ich so ganz nebenbei zwei bis drei Kleidergrößen an Umfang verloren. Was aber auch nicht direkt ein Problem darstellt ;-)
 

Mein Fazit: Onlinesucht gefällt mir! Zumindest meine persönliche. Und empfehlen und teilen würde ich sie auch. Mit euch. Wenn ihr denn wollt. Ach ja, und die Kapitel 26 und 27 habe ich auch fertig.

 

Die Grinsekatze, die innere Schlampe und die Stimme der Vernunft

Die meisten von uns geraten ja im Laufe der Zeit in Kontakt mit unseren abgespaltenen multiplen Persönlichkeiten. Viele mit dem höchst populären inneren Kind, Übergewichtige wie ich auch gerne mit der dünnen Frau, die angeblich an die Oberfläche will (die in meinem Fall aber von diesem bei jeder Diät drohenden Jojo-Effekt rausgeschleudert worden ist und infolgedessen nichts mehr sagt). Statt dessen meldet sich aber gerne die in mir lebende innere Schlampe zu Wort. Seit ich mit dem Online-Dating begonnen habe, immer häufiger; sie zwingt mich morgens schon vor dem ersten Kaffee zum Mailchecken an den Laptop.

 
Sie weiß schon, wie sie mich manipulieren kann: Nur mal angenommen, ich lerne auf einer der einschlägigen Seiten im Internet einen tollen, aber eigentlich völlig unpassenden Typen kennen: Der findet mich schön, macht mir total unanständige Komplimente, will offensichtlich nur spielen und ist vor allem viel, viel zu jung. Ich bin mehr als unentschlossen, doch plötzlich höre ich die sanfte Stimme meiner inneren Schlampe: “Wenn er spielen will, dann spiel doch mit ihm. Muss ja nichts dabei rauskommen.”
 
Andererseits gibt es da natürlich auch noch die Stimme der Vernunft. Die ist ein bisschen außer Übung (weil sie ewig nichts zu tun hatte – ich war jahrelang so brav, dass sogar die Vernunft die Hoffnung auf ein bisschen Unterhaltung aufgegeben hatte!) und merkt deswegen ziemlich spät, dass die Schlampe in mir ungehemmt in Richtung Oberfläche drängt. Die Stimme der Vernunft – etwas schrill und mit kleinem Vibrato – meldet sich pflichtbewusst zu Wort und geht der Schlampe und mir ganz schön auf die Nerven mit ihren Bedenken und Ermahnungen.
 
Nun ja, ihr habt es ja schon gelesen: Die Stimme der Vernunft verhallte damals mehr oder weniger ungehört. Ich habe mich trotz ihrer Einwände mit Ranger getroffen und die innere Schlampe hatte ihren großen Tag. Die Vernunft blieb an dem Abend übrigens aus Protest zu Hause und schmollte. Was ich ihr allerdings hoch anrechne, ist, dass sie in den folgenden Tagen und Wochen, in den Ranger nicht zu einer Reaktion zu bewegen war, nicht ständig triumphierend darauf herumritt, dass sie es ja immer gewusst habe und es uns hätte sagen können, wenn wir nicht zu blöd gewesen wären… schadenfroh ist sie dann doch nicht. Statt dessen berieten sich die innere Schlampe und die Stimme der Vernunft sogar stunden- und tagelang miteinander.
 
Um auf andere Gedanken zu kommen, sichtete ich währenddessen mal wieder die Männerprofile im Internet, schrieb einen netten, aber harmlosen Typen an und verabredete mich mit ihm. War so unspannend, wie es klingt: Die innere Schlampe schlief schon beim Essen mit dem Mann ein und ließ mich und die Vernunft sitzen. Und selbst die langweilte sich, so dass wir an diesem Abend dann doch allein nach Hause gingen.
 
Am nächsten Tag war ich verwirrter denn je. Mein Umfeld glaubte längst nicht mehr daran, dass mit Ranger noch etwas laufen könnte, und reagierte eher entnervt auf meine Ankündigung, dass ich nicht frei für andere Männer sein könne und wolle, bevor ich da nicht noch was geklärt habe. Die Schlampe leistete stundenlange Überzeugungsarbeit bei der Vernunft, bis diese wieder auf der richtigen Seite stand. Und so schrieben wir dann quasi zu dritt eine Mail an Ranger…
 

Hier sind die Kapitel 23, 24 und 25: Alles Geschichten, die das Leben so oder so ähnlich schreiben könnte.

 

Grinsekatzenjammer

Im Nachhinein kommt mir die Woche nach meinem ersten Treffen mit Ranger ziemlich surreal vor. Immerhin hatte ich die großartigste Nacht aller Zeiten hinter mir (zumindest nach meiner Zeitrechnung) – und dann verschwindet der daran auf nicht unwesentliche Weise beteiligte Mann plötzlich von unserem Planeten? Und ich dusselige Kuh brauche auch noch tagelang, das zu bemerken?

 
Es stimmt, ich war unheimlich beschäftigt in den ersten Tagen, an denen ich durchaus hätte merken können, dass etwas nicht stimmt. Richard war wieder in Hamburg, ich musste (wegen des fehlenden Personalbogens von Ranger) den zeitlichen Ablauf der Dinge für meine Mutter etwas verändern – und ich war ja fest entschlossen, ganz entspannt mit der Tatsache umzugehen, dass Ranger mich total von den Socken gehauen hatte. Bloß keinen Stress und keine Panik verbreiten, dachte ich… und außerdem ist das ja alles nichts Ernstes, sondern nur Spielkram.
 
Einziger Haken: Es fühlte sich plötzlich nicht mehr wie ein Spiel an. Die Grinsekatze hing im Netz, und zwar gründlich. Und mal ehrlich: Nur wegen eines läppischen Altersunterschieds im zweistelligen Bereich und der Tatsache, dass ein Mann in einem Paralleluniversum namens Web 2.0 lebt, verliert eine Begegnung, an der es nun mal wirklich gar nichts auszusetzen gibt, doch nicht an Bedeutung! Ebenso wenig der Wunsch, dem ersten Treffen weitere folgen zu lassen.
 
Als ich also endlich kapiert hatte, dass Ranger ganz offensichtlich nicht die Absicht hatte, unseren Kontakt fortzusetzen oder gar auszubauen, und statt dessen wohl beschlossen hatte, sämtliche Versuche meinerseits, wieder ins Gespräch zu kommen, zu ignorieren, wurde mir (unter anderem) klar, dass er wahrscheinlich noch weniger von mir wusste als ich von ihm. Denn wenn ich was bin, dann hartnäckig! Wenn mir ein Anliegen nur wichtig genug ist, dann auch bis weit über die Schmerz- und Peinlichkeitsgrenze hinaus! Aber das konnte Ranger ja zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen, der Arme. Er dachte wohl wirklich, ich würde mich schon beleidigt zurückziehen, wenn er nur cool bleibt und einfach nicht reagiert. Das kommt davon, wenn man sich mit fremden Frauen einlässt…

Kapitel 21 und 22 stellen den Beginn des zweiten Teils der Grinsekatze dar, der (zwangsläufig ;-) eher eine kontemplative und selbstreflexive Phase widerspiegelt. Diese dokumentiert übrigens auch meine beginnende Besessenheit mit dem modernen Internet (ohne Google hätte ich Ranger nämlich wahrscheinlich nie wieder gefunden).

 

Grinsekatze, nachts im Park.

So, das Warten hat ein Ende: Endlich kommen wir zu dem Moment, wo die Grinsekatze und der Ranger sich im selben Moment aus dem Haus trauen und es tatsächlich zu einer Begegnung in der echten und wirklichen Welt kommen lassen, um mal zu schauen, was von der gegenseitigen Attraktion aus der virtuellen Welt dort bestehen kann.

 
Und das auch noch unter den bestmöglichen Umständen, nämlich spontan, in höchster Eile und mit kleinen Missverständnissen. Diese Vorgehensweise kann ich nur empfehlen! Funktioniert super und hilft – auch wenn man wegen irgendwelcher Kleinigkeiten natürlich trotzdem hysterisch wird – gegen die Basis-Aufregung, die sonst bei einem Erstbesichtigungstermin mit einem Mann, mit dem man einen ganzen Monat lang per Mail kleine und größere Unanständigkeiten ausgetauscht hat, komplett unvermeidlich wäre (zumindest in meinem Fall).
 
Fast unnötig sicherlich zu erwähnen, dass mein Treffen mit Ranger dann absolut perfekt war – nämlich mehr oder weniger so, wie wir uns das vorher zurecht-fantasiert hatten. Ein kleineres Wunder eben, das – so glaube ich – nur möglich wurde, weil wir zwar mit einem klaren Vorsatz in unser Treffen gegangen sind, dann aber offenbar im richtigen Moment damit aufgehört haben, irgendetwas erzwingen zu wollen. Wir haben das, was sich da alles zwischen uns “angesammelt” hatte, aufeinander prallen lassen und dann einfach alles mitgenommen, was passieren wollte.

Anbei die Kapitel 18, 19 und 20. Beim Lesen viel Vergnügen!

 

Grinsekatze zappelt im Netz.

Es hat sich ja schon in den letzten Kapiteln angedeutet: Nach dem Eintreten von Ranger in mein Leben ist nichts mehr wie vorher. Ich bin komplett fasziniert von meinem neuen Brieffreund und habe gleichzeitig keine Ahnung, was ich mit ihm anfangen soll (in den seltenen Momenten, in denen mein Hirn eingeschaltet ist und ich mir überhaupt irgendwelche Gedanken mache). Obwohl: Wenn ich die Korrespondenz jetzt wieder lese: Ist doch klar, worauf das hinausläuft, oder? Wahrscheinlich merken es alle, bloß ich nicht…

 
Es dauert allerdings noch, bis wir uns im sogenannten wirklichen Leben gegenüber stehen (was den Blogroman angeht: bis nächste Woche). Bis dahin schaukeln wir uns gegenseitig hoch (ich stelle beim Wiederlesen übrigens fest, dass ich hier oft die treibende Kraft bin – sollte mir das im Nachhinein unangenehm sein?) und tun so, als gäbe es ständig Möglichkeiten, frei über die in Frage kommenden Aktionen und Reaktionen zu entscheiden. Ich versichere: Gibt es nicht. Das Schicksal sieht uns oder zumindest mich im Netz zappeln, sagt sich “Niedlich – aber wir haben ja noch viel Zeit, kein Grund zu überstürzter Eile!” und lässt uns einfach machen. Wohl wissend, dass keine wie auch immer gearteten Bedenken uns jetzt noch ernstlich aufhalten werden. Tolle Wurst. Vegetarische Wurst, versteht sich.
 

Es kommen die Kapitel 15 bis 17. Für die, die finden, dass ich mich mal wieder unmöglich verhalte: Das hier ist nichts gegen das, was wenig später noch alles passiert. Viel Spaß!

 

Grinsekatze will nur spielen…

So, das Wetter hat sich gebessert (man kann wieder ohne Handschuhe raus!) und die Stimmung gleich mit. Noch ist es nicht durchgehend sommerlich; das spart sich das Universum sicherlich für die nächste Woche auf, wenn ich wieder “auf Schicht” muss. Für meine gute Laune reicht es locker – vor allem, weil jetzt endlich der Junggeselle Nr. 4 – “Ranger” – in die Grinsekatzen-Erzählung einzieht. Das hat nicht nur Auswirkungen auf eine mögliche FSK16-Kennzeichnung dieser Website, sondern vor allem auf das Ausmaß meiner emotionalen Beteiligung.

 

Und dabei fing alles ganz harmlos an! Ein nettes kleines Kompliment für mein Profil-Foto an einem Tag ansonsten gähnender Leere in meinem Posteingang. Das sympathische, aber nicht sehr aussagekräftige Profil eines Mannes, der eigentlich schon aufgrund seines jugendlichen Alters durch mein Raster hätte fallen müssen. Wenn ich nicht gerade extrem gelangweilt gewesen wäre (und zu feige, selbst “geeignet” erscheinende Männer anzuschreiben), hätte ich sicher “Danke, aber nein danke.” geantwortet…
 
Habe ich aber nicht (warum auch immer), statt dessen freundlich zurückgeschrieben, ohne mir viel dabei zu denken. Noch eine sehr schmeichelhafte Mail empfangen, noch mal ermutigend zurückgemailt und – schwupps! – war ich am Haken! “Der will doch nur spielen (und ich natürlich auch)!” wurde mein neues Mantra…  Je häufiger man das vor sich hinmurmelt, desto blöder klingt es übrigens!
 
Allerdings ging ich nicht völlig unreflektiert in die Geschichte mit Ranger: Nach der in meinen Augen vielversprechenden Korrespondenz mit dem “baumeister” fühlte sich die Enttäuschung über das reale Treffen mit dem dahinter stehenden Jörg sehr viel schlimmer an, als wenn wir vorher nur ein paar belanglose Mails getauscht hätten. Ich hatte nach diesem missglückten Abend ein paar kurze Tage lang das Gefühl, einen Freund verloren zu haben. Das sollte mir so schnell nicht wieder passieren und so war ich gar nicht wild darauf, von Ranger gleich mehr als unbedingt nötig zu erfahren und mir irgendwelche Gedanken zu machen, ob das mit uns irgendwie passen könnte. Ergebnisoffen bleiben, war meine neue Devise.

Memo an mich selbst: Kann man so machen, muss man aber nicht. Helfen tut das nämlich auch nicht wirklich.

Aber lest selbst! Viel Spaß mit den nächsten drei Kapiteln!

 

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